Elektromobilität

Das Lastenfahrrad erlebt sein großes Revival

von Ji-Hun Kim

Das Lastenfahrrad war schon früher mal extrem populär. Jetzt entdecken viele seine Vorteile neu – denn es gibt Cargo Bikes für fast jeden Einsatzzweck.

Das Lastenfahrrad erlebt sein großes Revival
Platz da: Lastenfahrräder können richtig viel transportieren - und werden in den Metropolen immer beliebter. Foto: istock.com/Avlana

Das erfahren Sie gleich:

  • Das Lastenrad war schon in den 1930er Jahren populär
  • Jetzt entdecken es viele Familien und Unternehmen wieder
  • Das Cargo Bike kann Großstädte vor dem Verkehrskollaps retten

Das Lastenrad ist wieder da

Das Lastenfahrrad, auch Cargo Bike genannt, erlebt derzeit ein großes Revival. Im urbanen Stadtbild sind diese Lastenräder, die in unterschiedlichsten Varianten auftauchen, kaum noch wegzudenken. Ob für das Abholen der Kinder vom Kindergarten, den Großeinkauf, aber auch für den professionellen Logistiksektor stellt das mit der Zeit immer weiter entwickelnden Lastenfahrrad eine ernstzunehmende Alternative zum Auto dar. Für Fans und Fahrer von Cargo Bikes sind diese nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch flexibler und praktischer. Das fängt mit der wegfallenden Parkplatzsuche schon an.

In den 30er Jahren verfügte nahezu jedes Unternehmen über ein Lastenfahrrad.

Die ersten Lastenfahrräder tauchten in den Niederlanden im frühen 20. Jahrhundert auf. Kaufleute konnten ihre Kunden so mit Brot, Milch und anderen Gütern beliefern. In den 30er Jahren fanden das Lastenrad in Skandinavien eine große Anhängerschaft. In Dänemark fuhren Fahrradboten so ihre Sendungen aus. Nahezu jedes Unternehmen verfügte ab da über mindestens ein Cargo Bike im Fuhrpark. In England wurde zeitgleich das sogenannten Butcher’s Bike populär, und auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieben Cargo-Bikes vor allem in den Pionierländern in Nordeuropa und Skandinavien ein wichtiges Transportmittel.

Das Cargo Bike gibt es in vielen Variationen

Es gibt wohl keine Fahrradkategorie, die so verschieden und bunt ist, wie die der Lastenfahrräder. Vom sogenannten Long John und Bakfiets, die jeweils als Vorderlader fungieren, dem Longtail, bei dem die Ladefläche hinterm Sattel zu finden ist, dem klassischen Bäckerrad bis hin zu Dreirädern/Trikes, wie man sie von den populären Christiania Bikes kennt. Die Formensprache reicht vom traditionellen Vintage-Design bis hin zu futuristischen, hochtechnisierten Konzepten. Außerdem profitiert das Lastenrad von der ständigen Weiterentwicklung von effizienten elektrischen Motoren. Mit Hilfe von Pedelec-Systemen, also der Unterstüzung durch einen Elektromotor, sind so erstmal auch ältere und schwache Menschen in der Lage, schwere Lasten mit einem Fahrrad zu bewegen.

Gerade in einer Metropole wie New York kann das Lastenrad mit dem Lkw konkurrieren.

Skyline von New York
Empire State of Mind: In New York und anderen Metropolen kann das Lastenfahrrad seine Stärken besonders gut ausspielen. Foto: Unsplash/Ian Dooley

International gibt es eine immer größer werdende Fan-Szene für das Lastenfahrrad. Einmal im Jahr findet im holländischen Nijmwegen das International Cargo Bike Festival statt. DIY-Bastler treffen auf Fahrradkuriere, junge Familien, Designer und Hersteller, um sich über Trends und Erfahrungen auszutauschen. Und natürlich, um gemeinsam an der großen Parade teilzunehmen, bei der hunderte Carbo Bikes durch die Stadt Kolonne fahren.

2015 initiierte der World Messenger Champion, also der Weltmeister der Kuriere, Austin Horse in Manhattan erstmalig den „East Coast Cargo Championship Battle“. Professionelle Fahrradkuriere aus New York und den restlichen USA trafen sich zum hier zum sportlichen Wettbewerb. Wer legt am schnellsten die Rennstrecke am Franklin D. Roosevelt East River Drive mit einem schwer beladenen Cargo Bike zurück? Neben dem Wettkampf ging es den Teilnehmern aber auch darum, zu beweisen, dass das Lastenrad gerade in einer Metropole wie New York mit dem Lastwagen als Transportmittel im Bereich Logistik konkurrieren kann – wenn es nicht sogar die bessere, weil sauberere und leisere Variante darstellt.

Die European Cycle Logistics Federation hat bei ihrer Wiener Tagung im März 2017 festgestellt, dass Lkw-Fahrten in Städten heute schon um ein Viertel durch den verstärkten Einsatz von Lastenrädern minimiert werden könnten.

Logistiker entdecken das Lastenfahrrad

Das enorme Potential des Cargo Bike haben auch große Logistik-Unternehmen wie UPS und DHL erkannt. Denn gerade durch den stetig wachsenden Markt im Sektor E-Commerce (Zalando, Asos, Amazon uvm.) werden zum einen die Pakete im Vergleich zu früher nicht nur kleiner, sondern werden außerdem in einer höheren Frequenz als je zuvor ausgeliefert. Gratis-Lieferung sei Dank.

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Im Frühjahr präsentierte DHL Express das System City-Hub und das Cubicycle, das in Frankfurt und Utrecht als Pilotprojekt gestartet ist. Das Cubicycle wurde eigens für dieses Nutzungsszenario gestaltet und erinnert mit seinen vier Rädern an eine Mischung aus Kettcar und Liegefahrrad. Dadurch können bis zu 125 Kilogramm mit bis zu einem Kubikmeter Volumen transportiert werden. Ein elektrischer Motor unterstützt die Muskelkraft des Boten. Das Unternehmen verspricht sich dadurch weniger Fahrzeiten für herkömmliche Lastwagen und somit auch eine enorme Einsparung von CO2-Emissionen.

Aktuelle Designkonzepte zeigen, dass durch die elektrische Motorisierung die Trennlinien zwischen den typischen Fahrzeugkategorien wie Auto, Roller und Fahrrad immer weiter verschwimmen. Die deutsche Firma Schaeffler hat kürzlich den Prototyp Bio-Hybrid präsentiert. Eine Fusion aus Cargo Bike und Leichtbau-E-Auto. Ob es sich hierbei nun um ein vierrädriges Fahrrad mit Dach oder ein Auto mit Pedelec-Pedalantrieb handelt, liegt im Auge des Betrachters. Inspiration für eine nachhaltige Mobilität der Zukunft sind solche Konzepte unterdessen allemal.

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