Leben

Das Hunde-Parkhaus - smarte Hundehütte für Fellnasen?

von Gertrud Teusen

Der Dog Parker ist eine smarte Hundeboxen, für die Kurzzeit-Unterbringung beim Einkaufsbummel. Aber ist die Hundehütte für unterwegs wirklich sinnvoll?

Ein Hund im Hundeparkhaus
Eine smarte Hundehütte für den Vierbeiner: Hier soll der beste Freund des Menschen beim Einkaufen sicher sein. Foto: Dog Parker

Das erfahren Sie gleich:

  • Mit einer smarten Hundehütte sorgt ein amerikanisches Start-up für Aufsehen
  • Smart Home für den Vierbeiner oder Knast für den Hund?
  • Mit der richtigen Hundererziehung geht es auch ohne die Box

Smart-Home-Hundehütte für unterwegs

Vor drei Jahren hatte Chelsea Brownridge, 33, die Idee zu den kleinen Luxuskabinen für Hunde. Sie lebt in New York und dort ist es gewiss eine Herausforderung, sich einen Hund anzuschaffen. Sie fand es beispielsweise stets stressig, mit ihrem Hund einkaufen zu gehen. Das Anbinden vor Geschäften und Supermärkten ist auch in ihrem Stadtteil Brooklyn übliche Praxis. Ihr Terrier-Mix Winston war es gewöhnt, allerdings gab es immer wieder Zwischenfälle mit Passanten, die den Hund entweder streicheln wollten oder aber ärgerten. Auch hatte sie Angst, Winston könnte gestohlen werden. Ihren Hund im Auto zu lassen war für Chelsea Brownridge keine Alternative. Stattdessen entwickelte sie den „Dog Parker“.

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Aus den ersten Test-Boxen in der heimischen Garage wurden kleine Smart Homes.

Es sollte ein verschließbares, sicheres „Kurzzeit-Zuhause“ für Hunde werden. Es fügte sich eins zum anderen: Aus den ersten Test-Boxen in der heimischen Garage wurden kleine Smart Homes. Dann kamen der Businessplan und ein Investor. Jetzt ist eine Expansion auch nach Europa geplant. Bislang stehen 50 der kleinen Hightech-Hundehütten in Brooklyn und vereinzelt in anderen amerikanischen Städten.

Der Dog Parker – Smart Home für den Hund

Dog Parker ist im Prinzip eine Hundehütte mit Internetanschluss. Der Dog-Parker wird nach dem Prinzip „one size fits most“ gebaut und ist etwa 76 cm breit, 85 cm lang und 118 cm hoch. Laut Betreiber reicht das bis zur Größe eines Deutschen Schäferhunds. Der Dog Parker besteht aus einer pulverbeschichtete Aluminiumschale, ist doppelwandig und isoliert. Im Inneren wurde der Dog Parker mit veterinärmedizinisch-geprüften, porenfreien Kunststoffoberflächen ausgestattet, um die Keimbelastung gering zu halten. Die verbauten Technologien sorgen für Frischluftzufuhr und eine Klimaanlage für angenehme Kühlen an heißen Sommertagen. Der Hund wird ständig über ein Puppy Cam überwacht. Ein UV-Hygienelicht mit Bewegungssensor sorgt dafür, dass das Haus zwischen den Benutzungen gereinigt wird. Jeden Tag kommt zusätzlich jemand, der die Box gründlich reinigt. Zudem gibt es einen Kartenleser am Schloss und eine kabellose Netzwerkverbindung.

Während der Hund „einsitzt“ gibt es Livebilder aufs Smartphone.

Für die Sicherheit der Vierbeiner gehören beispielsweise eine automatische Abschaltung bei unsicheren Innenraumtemperaturen und die Möglichkeit, die Hütte zu entsperren, selbst wenn das Telefon des Besitzers ausfällt und, und, und… Egal, was passiert, ein Hund kann theoretisch nie im Dog Parker dauerhaft eingeschlossen bleiben. Organisiert sind die Dog Parker nach dem Car-Sharing-Prinzip: Interessierte Hundehalter müssen sich registrieren. Der Jahresbeitrag kostet 25 Dollar. Man hat dann eine App, die freie Boxen anzeigt und eine Dog-Parker-Karte, die den Zugang zur Box öffnet und verschließt. Ist die Türe einmal zu und der Hund verstaut, kostet der Aufenthalt 20 Cent pro Minute für höchstens 90 Minuten. Und während der Hund „einsitzt“ gibt es Livebilder aufs Smartphone.

Hunde unerwünscht

„Wir warten draußen“- Schilder hängen an vielen Geschäften – und immer dann stellt sich für Hundebesitzer die Frage: Wohin mit dem Hund? Die meisten Ladenbesitzer lösen das Problem mit einer Haltestange, an denen die Hunde mit der Leine festgemacht werden können – oder die nächste Straßenlaterne muss herhalten. Ideal ist das natürlich nicht – aber gut trainiert, ist das für die meisten Hunde auch kein Problem. Alternativ bleiben viele Hunde, wenn es die Außentemperatur erlaubt, gern im Auto. Die Verhaltenstherapeutin Dr. Vet. Med. Stefanie Sprauer aus München weiß: „An das Warten im Auto gewöhnen sich die meisten Hunde sehr schnell. Sie fahren ja häufig mit und wenn, beispielsweise an der Tankstelle, der Besitzer mal schnell aussteigt, um zu bezahlen, merken sich die Hunde, dass nichts Schlimmes passiert, wenn sie kurz alleine bleiben.“ An heißen Sommertagen ist das natürlich keine Option, da sich das Innere eines Autos extrem schnell aufheizt.

Ruhiges Warten vor einem Geschäft ist schon die hohe Schule der Gelassenheit und bedarf vieler kurzer Trainingseinheiten.

Das Warten vor dem Supermarkt, der Bäckerei oder Apotheke hingegen bedarf einer intensiven Hundeerziehung. Ziel ist es, dass der Hund auf das Kommando „Warten“ wirklich entspannt am Platz und dort ruhig bleibt, selbst wenn neugierige Menschen ihn locken oder ärgern. „Ruhiges Warten vor einem Geschäft ist schon die hohe Schule der Gelassenheit und bedarf vieler kurzer Trainingseinheiten. Gerade von Welpen und von jungen Hunden wird da oft zu viel verlangt. Wichtig ist, dass man immer positiv gestimmt ist, wenn man wieder beim Hund ist.“

Ein Hund, angeleint am Fahrrad
Hunde müssen draußen bleiben: In vielen Geschäften sind die Vierbeiner nicht erwünscht. Mit guter Hundeerziehung kann der beste Freund alternativ auch zuhause bleiben. Foto: Unsplash/Anthony Ginsbrook

Zuhause bleiben – dank Hundeerziehung

Weniger gelassen sehen es manche Hundebesitzer, wenn sie ihren Hund allein zuhause lassen. „Dieses ‚der Hund muss mein ständiger Begleiter sein‘, überfordert manche Hunde“, weiß Dr. Sprauer aus ihrer Praxis. „Die meisten Hunde bleiben entspannt allein zuhause, verschlafen die Zeit und freuen sich, wenn der Besitzer nachhause kommt.“ Mit dem Training sollte man schon früh beginnen. Beispielsweise, wenn man den Vierbeiner in der Wohnung lässt, um nur mal kurz zum Briefkasten oder zur Mülltonne zu gehen. Diese kurzen Phasen muss man dann allerdings konsequent ausdehnen, um den Hund langfristig entspannt und ohne Angst über einen längeren Zeitraum alleine lassen zu können. Ein ganzer Arbeitstag lässt sich so natürlich nicht gestalten, aber für einen Arztbesuch reicht es durchaus.

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Der Aufenthalt in einer Hundebox lässt sich sicherlich gut trainieren. Dazu braucht es Zeit, Geduld und positive Verstärkung. Zuhause lassen ist aber garantiert die bessere Lösung.

Und was hält die Verhaltenstherapeutin vom Dog Parker-Konzept?
„Auf alle Fälle müsste so ein Aufenthalt gut trainiert werden. Beispielsweise, indem man den Hund regelmäßig mit positiver Bestärkung in so eine Box hinein und gleich wieder raus lässt. Doch so ‚sicher‘ diese Smart Homes für Hunde zu sein scheinen, zuhause lassen ist garantiert die bessere Lösung.“ Der Tierärztin stellen sich natürlich noch viele andere Fragen, die so aus der Ferne und ohne die High Tech-Hundehütte live gesehen zu haben, nicht zu beantworten sind. „Ob solch eine Unterbringung unter Umständen ‚tierschutzrelevant‘ ist, wird sich zeigen, wenn man versucht, hierzulande eine Genehmigung zu erhalten.“

Darum sorgen sich vielleicht auch die deutschen Investoren, denn sie möchten ihr Engagement nicht öffentlich machen. Alternativen gibt es durchaus. Beispielsweise Smart-Home-Technologien, mit denen man die eigenen vier Wände per App überwachen kann. Dann kann man wenigstens aus der Ferne beobachten, wenn der Vierbeiner zuhause die Wohnung umdekoriert. Dr. Steffi Sprauer: „Ein Hund bereichert das Leben ungemein, bringt allerdings Veränderungen mit sich. Manchmal sind es auch Einschränkungen, vor allem aber ist es eine völlig neue Verantwortung.“ Mit einem guten Training, viel Geduld und gesundem Hundeverstand gibt es für jedes Problem eine Lösung – und das muss sicher kein Dog Parker sein.

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