Elektromobilität

Das E-Auto für Afrika elektrisiert Europa

von Alexander Cohrs

Das aCar der TU München soll die Menschen in Afrika mobil machen. Jetzt stellen immer mehr Stadtverwaltungen in Deutschland fest: So ein einfaches E-Auto brauchen wir auch!

Das aCar der TU München
Klein, leicht, günstig: Das 800 Kilogramm schwere aCar der TU München bietet 80 Kilometer Reichweite und soll nur 10.000 Euro kosten. Foto: Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik /

Das erfahren Sie gleich:

  • Die TU München hat ein einfaches und robustes E-Auto entwickelt, das nur 10.000 Euro kosten soll
  • Das aCar ist für Entwicklungsländer in Afrika gedacht und in Ghana getestet worden
  • Jetzt kommen aber auch viele Anfragen aus Deutschland

Das E-Auto mit den großen Schaltern

Die großen, offen sichtbaren Schrauben im Armaturenträger würden bei keinem großen Autohersteller so durchgehen. Die klobigen Schalter links und rechts des Lenkrades auch nicht. Und der Zündschlüssel – kommt der nicht sonst in einem Kleinwagen zum Einsatz?

Die Schalter sollen auch mit Arbeitshandschuhen bedienbar sein.

Bei dem Fahrzeug, um das es hier geht, ist das alles keine Nachlässigkeit, sondern volle Absicht. Die offen liegenden Schrauben sollen es den Besitzern ermöglichen, das Armaturenbrett in wenigen Minuten abzubauen. Und die Schalter sind extra so klobig, damit sie auch mit Arbeitshandschuhen bedient werden können. Das aCar soll nämlich gerade nicht ein Fahrzeug sein wie alle anderen – sondern das erste für Afrika taugliche E-Auto. Ein Fahrzeug, das Mobilität in die Entwicklungsländer bringt. Das Erstaunliche daran ist: Mit seinem minimalistischen Ansatz wird dieses E-Auto jetzt auch für Europa interessant.

Für Afrika ist ein E-Auto am Besten geeignet

Aber erst mal nach Afrika. „Mobilität ist für viele Entwicklungsländer der wichtigste Faktor. Denn Mobilität verschafft Zugang zu Bildung, Zugang zu lokalen Märkten und Zugang zu medizinischer Versorgung“, sagt Matthias Brönner (25). Der wissenschaftliche Mitarbeiter der TU München hat mit seinen Kollegen und Studenten das aCar entwickelt, einen 800 Kilogramm leichten Pick-up mit einer Tonne Zuladung. Nach vielen Studien, Forschungsgruppen und Analysen stellten die Münchner fest: Am besten geeignet für die ländlichen Gebiete Afrikas ist kein Benziner und kein Diesel – sondern ein E-Auto.

Aber Moment mal: E-Auto? In Afrika? Wo schon selbst hier in unseren Metropolen über zu wenig Ladesäulen und Reichweite gemeckert wird? Wie soll das denn erst in Afrika gehen? „Für das E-Auto spricht vor allem seine Einfachheit. Ein Elektromotor besteht aus vielleicht 200 Teilen – bei einem Verbrenner sind es locker 2500“, sagt Brönner und fügt hinzu: „Die Technik eines E-Autos ist robust, einfach und leicht vor Ort zu warten.“ Okay, verstanden, aber was ist mit der fehlenden Lade-Infrastruktur? Brönner antwortet: „Wir wollen in Afrika mit den Menschen zusammen ein dezentrales Stromnetz aufbauen mit einem hohen Anteil an Solarenergie. Ein Stromnetz, das von Anfang an auf die Elektromobilität ausgerichtet ist.“

Das Fahrzeug selbst ist also nur ein kleiner Baustein in der Strategie, aber trotzdem ziemlich interessant. Es hat einen Allradantrieb und ein robust ausgelegtes Fahrwerk, weil 80 Prozent der Straßen in Afrika nicht asphaltiert sind. Es bietet eine Reichweite von 80 Kilometern und ist mit seinen beiden Acht-Kilowatt-Motoren nur 60 km/h schnell, soll dafür aber in Serie auch nur 10.000 Euro kosten. „Bei ausreichend großen Abnehmerzahlen in einer Region wollen wir Fabriken vor Ort aufbauen“, sagt Brönner.

Königliche Erprobung in Ghana

Das Interesse in Afrika ist jedenfalls vorhanden. Bei den Erprobungen in Ghana kam sogar der König des Stamms der Ashanti vorbei – und drehte eine Runde in dem aCar. „Das muss man sich mal vorstellen, der Mann wird sonst von seinen Untergebenen getragen, und dann setzt er sich in unser Auto!“, staunt Brönner noch heute. Das erste Serienexemplar des aCar ist bereits für den König reserviert.

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Erstaunlicherweise kommen nicht nur aus Afrika viele Anfragen, sondern auch aus Deutschland. Vor allem Bauhöfe und Stadtverwaltungen sind an dem einfachen aCar interessiert. In der Kleinserie, die etwa in zwei Jahren starten wird, wird der Pick-up noch 20.000 bis 25.000 Euro kosten. Wer jetzt schon bestellt, muss 5000 Euro anzahlen, wovon 1000 Euro für den Aufbau der aCar-Fertigung in Afrika verwendet werden.

Und so ganz ohne Luxus ist das aCar dann übrigens doch nicht: Die hellblaue Lackierung, die der Prototyp trägt, die verwendet normalerweise die Sportwagenmarke Lamborghini.

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