Technik

Dank Industrie-Robotern: Wieder mehr Fertigung in Deutschland

von Carola Franzke

Bessere Qualität und höhere Individualisierung: Die Industrie-Roboter, die früher viele Arbeitsplätze gekostet haben, helfen jetzt dabei, Jobs zu erhalten.

Industrie-Roboter bei der Fertigung in einer großen Halle.
Dank der günstigen Fertigung: Industrie-Roboter schaffen Arbeitsplätze in Deutschland. Foto: Shutterstock / Nataliya Hora

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Industrieroboter dabei helfen, Jobs zu erhalten
  • Wieso Märklin die Produktion zurück nach Deutschland geholt hat
  • Weshalb die Automation die einzige Chance für viele Unternehmen ist

Industrie-Roboter erhalten Jobs

Die Digitalisierung von Industrieanlagen und der Einsatz von Industrie-Robotern sorgt dafür, dass „Made in China“ seltener wird. Das berichtet die Zeitschrift "Technology Review". Eine Untersuchung der Hochschule Karlsruhe weist nach, dass die Verlagerung von Produktionsstätten nach Asien aus der Mode kommt. Mehr noch, es gibt sogar einen gegenläufigen Trend: Unter dem Einsatz von modernster Technik fertigen Unternehmen ihre Produkte wieder in Deutschland.

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Eine der Thesen dieser Studie sagt, dass die Digitalisierung der Industrie dabei eine Schlüsselrolle spielt. Industrie-Roboter, die präzise gesteuert werden und Produkte sogar automatisch individualisieren können, ermöglichen ein „Reshoring“: Unternehmen holen Teile ihrer Produktion wieder an deutsche oder europäische Standorte zurück. Dabei entsteht zwar kein riesiger Job-Boom, aber zumindest eine stabile Beschäftigungslage in produzierenden Industrien.

Auf einen Betrieb, der seine Produktion ins Ausland verlagert, kommen drei, die nach Deutschland zurückkehren.

Steffen Kinkel, Hochschule Karlsruhe

Steffen Kinkel von der Hochschule Karlsruhe sagt: "Seit dem Jahr 2000 gehen die Produktionsverlagerungen im verarbeitenden Gewerbe ins Ausland zurück". Die Zahl der Betriebe, die mit ihrer Produktion zurück nach Deutschland kommen, ist im selben Zeitraum etwa gleich geblieben.

Kinkel schätzt anhand seiner Daten, dass auf jeden Betrieb, der eine Produktion ins Ausland verlagert, etwa drei Rückkehrer kommen, die meisten aus Nordamerika, China und dem restlichen Asien.

Roboter und Automation retten Märklin

Nach Kinkels Untersuchung liegen die Gründe für das Reshoring in Einbußen in Sachen Flexibilität vor allem bei Qualitätsproblemen. Eine Erfahrung, die der traditionsreiche Spielwarenhersteller Märklin auf die harte Tour gemacht hat.

Ein Unternehmensberater empfahl 2006 eine Verlagerung von Teilen der Produktion nach China; die Fertigung in Thüringen wurde daraufhin geschlossen, und ein Kooperationspartner in Asien übernahm stattdessen die Produktion. Allerdings wurden die Modelle nicht in einheitlicher Qualität geliefert: manche waren gut, doch bei vielen stimmten die Farben und die Konturen nicht.

Uns war klar, dass wir konsequent automatisieren müssen, um zu wettbewerbsfähigen Preisen zu produzieren.

Gerhard Tastl, Produktionsleiter Märklin

Als Märklin Anfang 2009 in die Insolvenz ging, war den Verantwortlichen klar, dass eine Rettung nur mit der Rückkehr zur gewohnten Qualität – und in die alten Fabriken – überhaupt denkbar war. Allerdings mit veränderten Vorzeichen: Nur ein hoher Automatisierungsgrad würde eine Produktion in Deutschland wirtschaftlich rechtfertigen. Heute arbeiten im Stammwerk trotz dem wieder rund 140 Mitarbeiter in der Produktion.

Ein Mitarbeiterin bei Märklin bessert Farbfehler an einem ICE3 Triebwagen aus.
Nach der Insolvenz begann Märklin wieder in Deutschland zu fertigen – mit viel Liebe zum Detail und in gewohnter Qualität. Foto: picture alliance / Ulrich Baumga

Roboter ersetzen nicht alle Menschen

Ricardo Moya-Quiroga Gomez, Experte für Standortverlagerungen der Unternehmensberatung McKinsey, erklärt, dass die hohen Transport- und Lagerkosten immer mehr zu einem Faktor bei der Rückverlagerung werden. Die Entfernung von Produktion und Markt macht Unternehmen so unflexibel, dass sich die billige Fertigung in Niedriglohnländern nicht lohnt. Die Nähe zum Markt und zu Trends ist wichtiger.

Diese Entwicklung sieht beispielsweise der deutsche Sportbekleidungshersteller Adidas. Die meisten Sportschuhe des Unternehmens werden zwar in China gefertigt, doch Adidas wagt einen interessanten Vorstoß: Im fränkischen Ansbach steht die erste „Speedfactory“, die voll digitalisiert und hochautomatisiert Sneaker produziert.

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Ein Industrie-Roboter fertigt einen Sportschuh.
Im fränkischen Ansbach produziert die Speedfactory von Adidas digitalisiert und hochautomatisiert Sneaker. Foto: Adidas

Die moderne Produktionsstraße ist darauf ausgerichtet, schnell auf Trends zu reagieren und Schuhmodelle für die aktuelle Saison zu produzieren. Bei der Produktion in Asien undenkbar: Ist eine Größe oder Farbe ausverkauft, soll eine schnelle Nachproduktion auch in kleinen Mengen möglich sein.

Gil Steyaert, Adidas-Vorstandsmitglied, sagt: „Wir können den Schuh tatsächlich den Wünschen des Verbrauchers anpassen. Das ist das Ziel: vollständige Anpassung, aber ohne Kompromisse bei der Geschwindigkeit.“
Und: Auch das innovative Werk in Ansbach beschäftigt trotz Automation und Roboter-Einsatz rund 150 Menschen.

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