Elektromobilität

Dänemark: Verbot von Autos mit Verbrennungsmotoren?

von Peter Michaely

Fahrverbote sind milde verglichen mit dem, was Dänemark plant: Ab 2030 sollen Autos mit Diesel oder Benziner auch dort nicht mehr verkauft werden dürfen.

Eine Brücke in Dänemark, auf der Autos unterwegs sind.
Autos mit Verbrennungsmotor sollen es künftig in Dänemark sehr schwer haben – ein Verbot rückt in greifbare Nähe. Foto: Shutterstock / DZiegler

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Dänemark Verbrennungsmotoren verbannen will
  • Welche Verbote für Hybridfahrzeuge vorgesehen ist
  • Wie die Zukunft des Verkehrs in Dänemark aussehen soll

Die Dynamik ist nach wie vor hoch: Viele Länder der Europäischen Union setzen verstärkt Anreize, um Elektroautos attraktiver zu machen, die betroffenen Diesel und Benziner zu verbannen sowie die CO2-Emissionen zu reduzieren. Verschärfte Vorgaben für den Klimaschutz sehen eine Senkung der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent bis zum Jahr 2030 vor. Allein der CO2-Ausstoß soll zwischen 2020 und 2030 um 35 Prozent reduziert werden.

Doch den Absichtserklärungen müssen Taten folgen. Wie jetzt in Dänemark: Der dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen hat Anfang Oktober in einer Rede vor dem dänischen Parlament angekündigt, dass Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor in seinem Land ab dem Jahr 2030 nicht mehr zugelassen werden sollen. Ab 2035 sollen auch Hybridfahrzeuge von dieser Neuregelung betroffen sein. Erklärtes Ziel: Jeder Neuwagen in Dänemark soll elektrisch oder auf sonstige Weise emissionsfrei betrieben werden.

Dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, wird schwer. Aber genau deswegen müssen wir es versuchen.

Lars Løkke Rasmussen, Ministerpräsident von Dänemark

Eine Million Elektroautos bis 2030

Bis 2030 sollen auf dänischen Straßen eine Million Elektroautos fahren – ähnliche Pläne hat Deutschland bis 2020. Ein ehrgeiziges Ziel für das kleine Land im Norden Europas mit einer Kernlandfläche (ohne Grönland und die Faröer-Inseln) von rund 43.000 Quadratkilometern und einer Einwohnerzahl von 5,8 Millionen Menschen.

Zum Vergleich: Das Bundesland Niedersachsen ist mit über 47.000 Quadratkilometern Fläche und rund acht Millionen Einwohnern größer und deutlich bevölkerungsreicher. 2017 wurden in Dänemark laut Internetportal Statista gerade einmal 264.000 Fahrzeuge neu zugelassen.

Im selben Jahr übernahm Dänemark zusammen mit Estland die Rote Laterne in Sachen E-Auto-Neuzulassungen: Nach einer Kürzung der staatlichen Förderung tröpfelten gerade einmal 700 Elektroautos auf die Straßen. Damit war Dänemark neben Estland das einzige EU-Land, in dem weniger E-Autos als im Vorjahr zugelassen wurden. 2015 waren es noch 5000 gewesen. Das soll nicht so bleiben.

Dänemark will den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen

Laut Lars Løkke Rasmussen ist das erklärte Ziel, durch das Verbrenner-Verbot den Druck auf die Hersteller gemeinsam mit anderen europäischen Ländern zu verstärken, damit bald mehr emissionsfreie Autos auf den Straßen fahren. Ob sich die ehrgeizigen Ziele ganz im Sinne des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 durch das Verbot der betroffenen Verbrennungsmotoren verwirklichen lassen, bleibt abzuwarten.

Denn noch steht die Zustimmung des dänischen Parlaments zum Gesetzesvorschlag von Rasmussen aus. Um die negativen Auswirkungen der gekürzten E-Auto-Förderung zu stoppen, sind außerdem Steuererleichterungen für Autos mit Batterien und Elektromotor im Gespräch. Konkrete Angaben zu Förderprogrammen für Elektroautos oder möglichen Ausnahmen gibt es allerdings noch nicht. Geht es nach dem Willen der jetzigen Regierung, sollen E-Autos beispielsweise auch auf Busspuren in Städten fahren dürfen. Im nächsten Schritt will Dänemark ab 2050 sogar ganz auf fossile Brennstoffe verzichten.

Fahrradfahrer an einer mehrspurigen Straße in Kopenhagen.
Besonders Kopenhagen ist sehr fahrradfreundlich – jetzt soll auch die E-Mobilität stärker in den Fokus rücken. Foto: Shutterstock / A. Aleksandravici

Dänemark steht in den nächsten Jahren nicht allein

Auch andere europäische Länder planen Maßnahmen wie jene in Dänemark gegen Diesel und Benziner, und das keineswegs nur in Städten. Die Hersteller von Autos geraten also zunehmend unter Zugzwang. Norwegen will ab 2025 keine Neuzulassungen von Pkw mit Verbrennungsmotor mehr genehmigen. Norwegen gilt nicht zuletzt aufgrund massiver staatlicher Förderung als Musterland der Elektromobilität in Europa.

In Belgien und den Niederlanden soll das Ende der Verbrenner 2030 kommen, in Großbritannien und Frankreich 2040. Island unternimmt ebenfalls Schritte in Richtung 2040. Schottland plant ab 2032 ein Verbot für Verbrenner.

Eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Auftrag von Greenpeace kam unlängst zum Ergebnis, dass bereits ab 2025 keine neuen Diesel und Benziner und ab 2028 keine Plug-in-Hybride mehr zugelassen werden dürften – sofern die Erderwärmung wirklich auf 1,5 Grad begrenzt werden soll. Das entspräche den Forderungen des Pariser Klimaabkommens von 2015 von deutlich unter zwei Grad Erwärmung – im Idealfall 1,5 Grad.

Auch Länder außerhalb Europas planen Verbote

Israel plant, ab 2030 den Import von Autos mit Diesel- und Benzinmotoren zu verbieten. Deshalb soll die Ladeinfrastruktur für E-Mobilität massiv ausgebaut werden. Attraktive Steuernachlässe sind ebenfalls vorgesehen. In Japan gibt es Bestrebungen, ein Verbrennerverbot ab 2050 durchzusetzen. Fahrverbote für ältere Autos mit Benziner oder Diesel, wie sie in deutschen Städten drohen, sind also nur ein erster Schritt hin zu einer umweltfreundlichen Mobilität.

Die deutsche Automobilindustrie gerät angesichts dieses hoch aktuellen Themas immer stärker unter Zugzwang, denn ein Aus für Verbrennungsmotoren zeichnet sich ab.

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