Gesundheit

Cyber-Implantate: Der Mensch wird zur Maschine

von Leonie Butz

Maschinen im menschlichen Körper erhalten Leben – oder machen den Alltag einfach nur simpler. Ersetzt bald ein Implantat das Smartphone?

Cyber-Implantate: Der Mensch wird zur Maschine
Der menschliche Körper als Antrieb für den eigenen Herzschrittmacher? Klingt nach Sci-Fi, Wissenschaftler arbeiten aber bereits daran. Foto: picture-alliance/ ZB

Das erfahren Sie gleich:

  • Versorgt der Körper zukünftig den Herzschrittmacher mit Energie?
  • Der Mensch macht sich selbst zu einer effektiven Maschine
  • Implantate ersetzen Telefon, Computer und Personalausweis

Wie der Mensch zur Maschine wird

Der Traum von der menschlichen Maschine, beziehungsweise vom Menschen als Maschine, ist so alt wie die Wissenschaft selbst. Vom künstlichen Menschen – zwischen Golem und Frankensteins Monster – bis hin zu maschinellen Implantaten, die den Menschen effektiver, leistungsstärker, übermenschlich machen. Die Implantate reichen dabei von lebensnotwendigen Körperteilen wie dem Herzschrittmacher über lebensverbessernde Prothesen wie künstliche Beine oder Arme bis hin zur Erweiterung des völlig intakten Körpers. Zum Beispiel durch Microchips, die die Aufgaben einer Schlüsselkarte oder einer Bezahlkarte in der Cafeteria übernehmen.

Der Körper versorgt die Maschine

Während der Mensch dabei auf Microchips oder künstliche Gliedmaßen verzichten kann, verhält es sich bei lebensnotwendigen Systemen wie Herzschrittmachern ganz anders. Fällt die Technik aus, schwebt der Mensch, in dem sie steckt, in Lebensgefahr. Um eine Stromversorgung zu gewährleisten, dienen derzeit Lithium-Ionen-Batterien. An der Fudan University in China forschen Wissenschaftler aber momentan an einer Möglichkeit, das Systemen zum Selbstversorger zu machen. Ähnlich wie eine Wasserturbine sollen Nanogeneratoren im menschlichen Blutstrom Energie erzeugen.

Erste Tests an Fröschen waren laut den Wissenschaftlern erfolgreich und effizient.

Das Projekt ist nicht das erste, das sich mit dieser Art der internen Energiegewinnung im Körper beschäftigt. Ein Team von Wissenschaftlern aus der Schweiz arbeitete 2011 an einem ganz ähnlichen Modell; die Arbeit mussten sie aber einstellen, da bei ihrem System die Gefahr zu groß war, dass sich lebensgefährliche Blutgerinnsel bilden. Mit einem Polymer-Kern, der in einem Kohlenstoff-Nanoröhrchen steckt, soll diese Gefahr jetzt nicht mehr akut sein. Erste Tests an Fröschen waren laut den chinesischen Wissenschaftlern erfolgreich und effizient.

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In Zukunft könnten Körper und Maschine im Menschen eine Symbiose bilden. Foto: picture-alliance / dpa

Maschinen verbessern der Körper

Neben den von der Notwendigkeit für das Überleben getriebenen Bemühungen bildet sich aber immer stärker auch die auf praktischen Nutzen gestützte Entwicklung in der vercyberung des Menschen. So ließ sich Neil Harbisson eine Antenne implantieren, die dem farbenblinden Künstler Farben durch Schwingungen erfahrbar macht – ein sehr individuelles Projekt des offiziell ersten Cyborgs. Auch das schwedische Unternehmen Epicenter Routine will seine Mitarbeiter mit reiskorngroßen Mikrochips das Leben erleichtern. In der Hand implantiert, sollen die Chips Mitarbeiterausweise, Türöffner und Bezahlung in der Cafeteria ersetzen. In dieser Sci-Fi-Zukunftsvision benötigt der Mensch kein Smartphone oder andere Geräte mehr – Implantate im Körper übernehmen die Funktionen von Telefon, Computer oder Identitätsausweis.

Der Körper wird nach und nach zu einer immer effizienteren Maschine.

Aber eben nicht nur implantierte Technik spielt in Zukunft eine Rolle: Bereits jetzt dehnen Prothesen oder Orthesen die körperlichen Grenzen der Menschen. Bandagen mit Gelenken und Federn machen Gelenke effektiver oder unterstützen die Muskeln. Exoskelette steigern die Leistung etwa von Lageristen immens, indem sie beim Tragen schwerer Lasten helfen. Aber sowohl in der lediglich praktischen als auch in der lebensnotwendigen Anwendung von Maschinen im und am menschlichen Körper wird sich sicherlich in den nächsten Jahrzehnten noch einiges tun, das den Menschen nach und nach zu einer immer effektiveren Maschine macht.

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