Leben

Coworking mit Kindern: Büro und Kindergarten in einem

von Nele Justus

Arbeiten und gleichzeitig für die Kinder da sein? Das geht! Coworking Spaces bieten neuerdings einen Büroplatz mit gleichzeitiger Kinderbetreuung an. Der Kindergarten der Zukunft?

Coworking mit Kindern: Büro und Kindergarten in einem
Coole neue Arbeitswelt: Kinder werden inzwischen auch am Coworking Space betreut. Foto: Unsplash/Markus Spiske

Das erfahren Sie gleich:

  • Der Kindergarten kommt an den Arbeitsplatz
  • Ein Modell für selbständig arbeitende Eltern
  • Das Angebot gibt es in immer mehr Städten

Selbständig arbeiten mit Kindern

Wer schon einmal Homeoffice gemacht und dabei versucht hat, seine Kinder zu betreuen, der weiß: Das ist schier unmöglich – und wird meistens weder den Kindern noch dem Job gerecht. Aber jetzt gibt es eine Alternative: Coworking Spaces mit Kinderbetreuung. Ein Konzept, bei dem Büro und Kindergarten unter einem Dach fusionieren.

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Vorreiter ist das Projekt Rockzipfel. Es wurde 2010 in Leipzig ins Leben gerufen, Initiatorin ist die Chilenin Johanna Gundermann. Die Freiberuflerin und Mutter von zwei Kleinkindern wollte selbständig arbeiten und gleichzeitig für ihre Kinder da sein. Fremdbetreuung für die Kleinen kam noch nicht in Frage. Außerdem wollte sie erleben, wie ihre Kinder aufwachsen und sie dabei begleiten – und trotzdem nicht den ganzen Tag alleine mit ihnen Lego spielen. Zwei Jahre lang tüftelte sie an ihrer Idee, suchte nach geeigneten Räumen, Mitstreitern und Betreuungspersonen, bis sie mit ihrem Projekt endlich an den Start gehen konnte.

Kindergarten neu gedacht

Ihr Leitgedanke war: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.“ Also hat sie sich überlegt, wie sich so ein Dorf unter den heutigen Bedingungen neu aufbauen lässt und es kurzerhand ins Büro geholt, das sich alle teilen. In ihrer Elterninitiative in Leipzig werden die Kinder abwechselnd von den anwesenden Eltern oder von Freiwilligen aus der ganzen Welt betreut, die Gundermann über Portale wie workaway.info findet.

Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.

Auf 160 Quadratmetern gibt es Spielraum, Betten, Arbeitsplätze, WLAN, Drucker, Ruheraum und eine große Küche, in der alle gemeinsam Mittag essen. Familie und Beruf rücken hier nicht nur räumlich erkennbar zusammen. Denn die Kleinen können jederzeit zu ihren Eltern gehen, und die Eltern haben ihre Kinder immer im Blick. Sie können sie trösten, mit ihnen spielen oder sie mittags in Bett bringen – und dabei trotzdem effektiv arbeiten. Vereinbarkeit von Beruf und Familie bleibt hier kein Schlagwort mehr, sondern wird tatsächlich gelebt.

Kinderbetreuung in ganz Deutschland

Wie groß das Bedürfnis nach Alternativen zur Kinderbetreuung ist, zeigt sich an der Nachfrage: Gundermann bekam Anrufe aus ganz Deutschland, von Menschen, die wissen wollten, ob Coworking Spaces mit Kinderbetreuung auch in ihrer Stadt möglich seien. So hat Gundermann in den vergangenen Jahren weitere Eltern-Kind-Büros aufgemacht: in Berlin, Dresden, München, Hannover und Hamburg, allerdings mit etwas abgewandeltem Konzept.

In Hamburg und Hannover etwa hat Rockzipfel eine Tagesmutter engagiert, die sich um die Kinder kümmert. Mit Kita-Gutschein kostet der Vollzeitschreibtisch plus Kinderbetreuung die Eltern monatlich 175 Euro. Daneben gibt es aber auch stundengenaue und flexible Tarife, ganz nach Bedarf. Mittlerweile haben weitere Initiativen in ganz Deutschland nachgezogen. Etwa „Coworking Toddler“ in Berlin, „Coworkind“ in Hannover oder „Allynet“ in München.

Coworking mit Kind – ein Zukunftsmodell?

In Zeiten, in denen wir überall arbeiten können und manchmal auch müssen, muss auch die Kinderbetreuung flexibler geregelt werden. Neben Betriebskindergärten könnten auch große Unternehmen Coworking Spaces mit Kinderbetreuung anbieten. So würden sie Müttern und Vätern die Möglichkeit geben, schnell wieder in ihren Beruf einzusteigen.

Die Eltern würden sich den Stress sparen, nach einem Krippen- oder Kitaplatz zu suchen und könnten sich gleichzeitig entspannter der Arbeit widmen. Denn sie wissen ja, dass ihr Kind in der Nähe und gut aufgehoben ist.

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