Technik

Chinas Polizei nutzt Datenbrille mit Gesichtserkennung

von Marten Zabel

Die in der Hauptstadt Peking entwickelte Datenbrille ermöglicht es den Ordnungshütern, Personenkontrollen in Sekundenschnelle durchzuführen.

Drei chinesische Polizisten, von der Seite fotografiert
Gesichtserkennung per Software: Die Datenbrille soll schnell Antworten aus dem Netz bereitstellen – und in China der Polizei bei der Arbeit helfen Foto: picture alliance / HOCH ZWEI

Das erfahren Sie gleich:

  • Neue Gesichtserkennungs-Software identifiziert Bürger innerhalb von 100 Millisekunden
  • Datenbrille aus China als Alternative zu Google Glass
  • Amnesty International kritisiert Überwachung durch Polizei

Datenbrille ermöglicht schnelle Identifizierung

Chinas Polizei rüstet ihre Technik auf: Der neueste Coup ist eine Software zur Gesichtserkennung, die in einer smarten Brille verbaut ist. Die Datenbrille übermittelt ihrem Träger Informationen innerhalb von Sekundenbruchteilen – und das will China für die Innere Sicherheit nutzen.

Aufgrund der ansteigenden Kriminalitätsrate fühlt sich die Regierung zu diesem Schritt verpflichtet. Für die überbeschäftigte Polizei liegen die Vorteile auf der Hand: Innerhalb von 100 Millisekunden identifiziert die Brille den Gesetzesbrecher quasi im Vorbeigehen.

Die Erfinder haben die Datenbrille an einer Datenbank mit 10.000 Gesichtern getestet. In China leben aber 1,3 Milliarden Menschen.

Noch kämpft das futuristisch anmutende Projekt aber mit den üblichen Kinderkrankheiten: So haben die Erfinder von LLVision Technology die Datenbrille bislang nur an einer 10.000 Gesichter umfassenden Datenbank mit Erfolg getestet – in China leben aber 1,3 Milliarden Menschen. Dieser Herausforderung gilt es Herr zu werden. Zum anderen könnte die Umsetzung an störenden Umwelteinflüssen scheitern.

LL Vision GLXSS Pro
Die Schufa als Verhaltens-Konto: Wie das Register hierzulande speichert die Regierung in China jedes Verhalten im öffentlichen Raum – im Negativen und im Positiven. Foto: LL Vision

Chinesische Alternative zu Google Glass?

Um den Beamten eine Identifizierung der Kriminellen zu vereinfachen, ist die Datenbrille mit einer landesweiten Datenbank verbunden. Seit dem Jahr 2014 implementiert die chinesische Regierung ein neues Bonitätssystem. Dabei wird jedem Bürger eine Punktzahl zugewiesen, die ihn ein Leben lang begleitet und sich stetig verändert – zum Guten wie auch zum Schlechten.

Dieses Schufa-Äquivalent basiert auf dem Verhalten des Bürgers in zivilen Sphären und bei finanziellen Angelegenheiten. Die enormen Datenmengen werden derzeit von Technologieunternehmen analysiert, ab 2020 greift das System dann landesweit. Schon jetzt wird die Datenbrille in riesiger Stückzahl produziert und könnte in naher Zukunft in ziviler Anwendung auch eine Alternative zu Google Glass werden.

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Überhaupt sind die Bürger im Reich der Mitte nur selten unbeobachtet – derzeit sind landesweit knapp 200 Millionen Kameras an öffentlichen Orten im Einsatz. Bis 2020 soll sich diese Zahl auf bis zu 570 Millionen fast verdreifachen. Damit würde auf zwei Chinesen eine Kamera kommen.

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