Leben

Peinliche Panne: Chinas Gesichtserkennung straft Frau auf Buswerbung ab

von
Paul Bandelin

Überwachung irrt sich: Chinas Gesichtserkennung verwechselt eine Buswerbung mit der darauf abgebildeten Frau und denunziert sie fälschlicherweise.

Eine Verkehrsampel in Schanghai, China.
Gesichtserkennung und Überwachung in China sollen Verkehrssünder entlarven – das ist jetzt etwas schiefgelaufen. Foto: Shutterstock / Victor Wong

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie sich die Gesichtserkennung an Kreuzungen in China einen bösen Schnitzer erlaubt – und fälschlicherweise eine Buswerbung abgestraft
  • Warum eine 64-jährige landesweit bekannte Unternehmerin Opfer von Chinas Überwachungswahn wurde
  • Weshalb die totale Überwachung in China nur noch eine Frage der Zeit ist

Behördlich verordnetes Public Shaming: In China hat die Regierung Anfang 2018 ein besonderes System entwickelt und geht seitdem mit modernster Technik gegen Verkehrssünder vor. In einigen Städten machen an den Kreuzungen angebrachte Kameras Fotos der Täter. Sie projizieren diese dann auf eine große Leinwand, damit sie in der Öffentlichkeit bloßgestellt sind – zudem erwartet sie eine Strafe.

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Doch auch die Technik irrt sich, wie jetzt ein Fall aus der Provinz Zhejiang, südlich von Schanghai, zeigt. Dabei wurde eine prominente Unternehmerin öffentlich eines Delikts beschuldigt, den sie gar nicht begangen haben kann.

Überwachung in China: Spott für Gesichtserkennung

Mitte November leuchtete Dong Mingzhus Konterfei auf einem der großen Bildschirme in der Stadt Ningbo auf – obwohl sie keine Verkehrsregel gebrochen hatte. Sie hatte sich auch sonst nichts zu Schulden kommen lassen und war nicht einmal in der Nähe. Wie konnte es also zu der öffentlichen Demütigung kommen?

Ganz einfach: Die Technik spielte ihr einen Streich. Das Konterfei der 64-Jährigen war als Werbung auf einem Bus, der über einen Zebrastreifen fuhr. Die Kamera erkannte ihr Gesicht und registrierte, dass die Fußgängerampel währenddessen auf rot geschaltet war. Sie war damit als vermeintliche Gesetzesbrecherin identifiziert. Im weiteren Verlauf der Farce räumte die Polizei später auf dem Mikroblogging-Dienst Weibo den Fehler ein und löschte den Vermerk aus den Verhaltensregistern. Darüber hinaus wurde ein Upgrade eingespielt, damit Inkorrektheiten dieser Art in Zukunft nicht mehr vorkommen.

Die totale Überwachung ist nicht aufzuhalten

Bislang soll die Kamera in Ningbo knapp 8000 Verkehrssünder registriert haben. In anderen Teilen des Landes funktioniert der nächste Schritt zur totalen Überwachung weitaus besser. Im 1300 Kilometer weiter südlich gelegenen Shenzhen überführte die Technik in den vergangenen zehn Monaten stolze 14.000 Übeltäter – an nur einer Kreuzung. Wie viele davon unrechtmäßig denunziert wurden, darüber gibt es keine Informationen.

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Das zeigt jedoch, dass die totale Überwachung in China immer mehr zur Realität wird. Neben dem ab 2020 landesweit geltenden "Schufa"-Äquivalent werden die Polizisten im Reich der Mitte demnächst auch mit Datenbrillen zur Gesichtserkennung ausgestattet.

Ob die Kamera samt künstlicher Intelligenz gegen ein anderes Modell ausgetauscht wird, ist noch nicht klar. Die Firma Watrix entwickelt aber gerade eine Überwachungskamera, die Menschen an ihrem Gang erkennt. Eine Verwechslung wie bei Dong Mingzhu wäre mit dieser Technologie nicht mehr möglich.

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