Elektromobilität

Charge Automotive: Elektro-Oldtimer mit Hersteller-Lizenz

von
Carola Franzke

Sammlerstücke im Oldtimerlook: Britische Tuning-Experten bauen Elektro-Replikas von Mustang-Modellen aus den 1960er Jahren.

Ein rot-weißer Ford Mustang vor einem roten Hintergrund.
Puristen sehen da rot: Eine Firma aus England baut Oldtimer nach – mit Elektromotor. Foto: Shutterstock/Steve Lagreca

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie ein britisches Start-up von Oldtimern Replikas mit Elektroantrieb baut
  • Welchen Preis Kunden für die elektrischen Nachbauten bezahlen müssen
  • Was für und was gegen den Trend zur Replika spricht

Elektro-Umbauten an alten Autos sind im Trend – spätestens, seitdem im Sommer 2018 Prinz Harry seine frisch angetraute Meghan in einem umgebauten Elektro-Oldtimer zum Hochzeitsempfang chauffierte. Nun macht das britische Startup Charge Schlagzeilen mit Elektro-Umbauten an Mustang-Modellen aus den 1960er Jahren.

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Für Puristen sind die umgerüsteten Autos ein Gräuel, die Bezeichnung „Elektro-Oldtimer“ gilt geradezu als Beleidigung. Das Vorhaben von Charge Automotive aus London legt sogar noch eine Schippe obenauf, denn bei den 499 Fahrzeugen, die Kunden bei dem Unternehmen reservieren können, handelt es sich nicht etwa um umgebaute Oldtimer, sondern um Replikas.

Replikas: Nachbauten von Auto-Legenden

Replikas sind Autos, die zwar aussehen wie die echten Sammlerstücke – etwa von Wiesmann, Bugatti oder Lotus – jedoch in Wahrheit nur Nachbauten sind. Im Fall der Fahrzeuge von Charge verstecken sie unter dem originalgetreuen Blechkleid moderne Fahrwerke und Motoren.

Die Nachbauten, die Charge umrüsten will, sind von Ford lizensiert: Es handelt sich um die Mustang-Varianten Fastback und Convertible aus den 1960er Jahren. Es wird also auch die Cabrio-Version (Convertible) des Musclecars mit Elektro-Umbau erhältlich sein.

Charge Automotive verspricht eine Beschleunigung von null auf hundert in gut drei Sekunden. Die Reichweite der neuen alten Mustangs mit dem 64-Kilowattstunden-Akku und dem 300-Kilowatt-Elektromotor soll bei etwa 200 Kilometern liegen.

Charge Automotive: Ingenieure aus dem Rennsport

Charge Automotive beschäftigt für sein Vorhaben erfahrene Ingenieure, die in den Formel-1-Teams von Williams und McLaren oder bei Jaguar Land Rover gearbeitet haben. Zudem kooperiert das Unternehmen mit Arrival, einem erfahrenen Hersteller von Elektrolieferwagen sowie mit Roborace (künstliche Intelligenz) und Michelin.

Ab März 2019 sind Events mit Testfahrten geplant, und zwar unter anderem in New York, Los Angeles, London, München, Tokio und Abu Dhabi. Wer sich dort in eines der Sammlerstücke verliebt, kann sich sein Auto mit Hinterlegung eines Pfands von 5000 britischen Pfund (etwa 5600 Euro) reservieren.

Die Auslieferung ist ab September 2019 geplant: Die Preise für die Sammlerstücke beginnen bei 200.000 Pfund (rund 220.000 Euro), je nach Ausstattung ist allerdings Luft nach oben. Dafür kann der Kunde unter anderem zwischen Hinterrad- oder Allradantrieb wählen.

ICON: Moderne Technik in Oldtimer-Hülle

Wer das passende Kleingeld für einen echten Elektro-Oldtimer hat und nicht „nur“ eine Replika-Version wie diese E-Mustangs haben möchte, kann sich vertrauensvoll an die kalifornischen Restomodder von ICON wenden: Die Experten dort restaurieren die Karosserie nur behutsam, um den Charakter eines Oldtimers zu erhalten, und machen gleichzeitig das Fahrzeug mit Hilfe moderner Komponenten sicherer und komfortabler. Auch Elektro-Umbauten sind möglich, wie etwa der 1949er Ford Mercury von ICON.

Replikas: Pro und Kontra

Unter wahren Puristen, die sich dafür begeistern, ein Stück automobile Geschichte zu erhalten, sind Replikas verpönt. Karosserienachbildungen aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), die beispielsweise auf einem Käfer-Chassis fahren, sorgen da nur für Kopfschütteln.

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Andere Autoenthusiasten stehen auf dem Standpunkt, dass ihnen die Ästhetik des Traumwagens wichtiger ist als unbedingt ein Original zu fahren. Mal abgesehen davon, dass es die oft gar nicht mehr gibt: Die Autos, von denen Replikas gebaut werden, sind in der Regel Museumsstücke, von denen kaum noch echte Exemplare auf dem Markt sind – oder wer hat je einen dreirädrigen Sportwagen der Marke „Lomax“ auf der Straße gesehen?

Die Autoliebe der Replika-Szene hat aber nicht nur Gegner unter Puristen, manchmal sind auch Juristen dabei: So hat sich der Daimler-Konzern gegen eine Mercedes-300-SL-Replika im Wert von immerhin etwa 100.000 Euro gewehrt. Die Nachbildung des legendären Flügeltürers, der noch um ein Vielfaches teurer wäre, wurde verschrottet. Die Form sei geschützt, war die Begründung.

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