Leben

Chang'e 4: Chinas Mondrover rollt über die Mondrückseite

von
Marten Zabel

Mit Chang'e 4 hat China erstmals einen Mondrover auf die erdabgewandte Seite des Erdtrabanten gebracht. An Bord sind sogar Lebewesen dabei.

Mondrover Yutu-2 bei einer Fahrt über den Erdsatelliten
Chinas Rover Yutu–2 hat sich vom Lander gelöst und rollt über die dunkle Seite des Mondes. Dort macht er Bilder und sammelt wichtige Daten. Foto: picture alliance / Photoshot

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum die Mondlandung von Chang'e 4 eine kleine Sensation ist
  • Welche fünf Raumfahrzeuge dafür notwendig waren
  • Warum auf dem Mond ein kleines Ökosystem wachsen soll

Der Wettlauf ins All ist wohl das bedeutendste Ereignis der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – die Mondlandung von Neil Armstrong und Buzz Aldrin ging in die Geschichte ein. Doch noch immer gibt es Errungenschaften rund um den Erdsatelliten.

Lesen Sie auch

Ladestation

aio-Empfehlung

Unter Strom! Mobilität wird elektrisch

So ist Chinas Mondlander Chang'e 4 erfolgreich als erstes Raumfahrzeug der Menschheit auf der erdabgewandten Seite des Mondes gelandet. Der dazugehörige Mondrover fährt jetzt über die Rückseite des Erdtrabanten. Möglich macht das vor allem ein kleiner Satellit namens Queqiao, dessen Name übersetzt etwa so viel wie „Elsternbrücke“ heißt.

Mondlandung: Das kann Chang'e 4

Für die Erforschung der erdabgewandten Seite des Mondes – und dunkel, wie so oft behauptet, ist sie nicht – besteht die Mission von Chang'e 4 aus insgesamt fünf verschiedenen Raumfahrzeugen:

Queqiao wurde bereits im Vorfeld als Relaisstation in einen Halo-Orbit um den Lagrange-Punkt 2 des Mondes gebracht. Der Satellit befindet sich also hinter dem Mond aber in Sicht der Erde und kann so Signale zwischen der Bodenstation und Chang'e 4 weiterleiten.

Gemeinsam mit Queqiao wurden im Sommer 2018 die beiden Mikrosatelliten Longjiang-1 und Longjiang-2 gestartet. Die beiden kleinen Drachenflüsse, so die Übersetzung ihres Namens, sollen aus der Mondumlaufbahn Energiephänomene im All beobachten, die von der Erde im Bereich von Wellenlängen zwischen 1 und 30 Megahertz nicht empfangen werden können. Longjiang-1 ging verloren, Longjiang-2 verrichtet seit Juni 2018 seinen Dienst.

Der Lander ist größtenteils mit dem Vorgänger aus der Mission Chang'e 3 identisch. Er verfügt über verschiedene Kameras, ein Spektrometer und ein Neutronen-Dosimeter, das die Universität Kiel entwickelt hat. Die Landezone der Mission, der Mondkrater Von Kármán, bietet als tiefe Einschlagstelle nicht nur eine relativ flache Ebene zum Aufsetzen, sondern möglicherweise auch Einblicke in die inneren Schichten des Erdtrabanten.

Vom Lander aus losgerollt ist Yutu-2, der zweite „Jadehase“ auf dem Mond. Der Rover hat eine rundum schwenkbare 3D-Kamera für Bildmaterial, das zur Erde geschickt wird. Sein Bodenradar kann bis zu 100 Meter tief ins Innere des Mondes blicken. Ein Spektrometer für den Wellenbereich zwischen 450 und 960 Nanometern soll Gesteinszusammensetzungen aber auch Gase in der dünnen Atmosphäre des Mondes analysieren. Zuletzt gibt es mit dem Advanced Small Analyzer for Neutrals (ASAN) ein vom Swedish Institute of Space Physics entwickeltes Messgerät für die Beobachtung des Zusammenspiels von Sonnenwinden und Mondoberfläche.

Leben

Updates abonnieren und Dossier "E-Mobility" gratis erhalten.

Leben für die dunkle Seite des Mondes

Das vermutlich spannendste Experiment an Bord von Chang'e 4 ist das sogenannte Lunar Micro Ecosystem: In einem drei Kilo schweren, 18 Zentimeter langen und 16 Zentimeter durchmessenden Zylinder soll ein kleines Ökosystem auf dem Mond erblühen. Die Kapsel wird von dem Lander auf erdähnlicher Temperatur gehalten und im Substrat befindet sich die Saat für tierisches und pflanzliches Leben.

Für Vegetation sind Samen von Kartoffeln, Tomaten und der in ganz Eurasien ansässigen Blume Acker-Schmalwand an Bord; für die Tierwelt sind Eier von Seidenraupen dabei. Mit dem Sonnenlicht, das auch auf dem Mond ankommt, sollen die Pflanzen wachsen und Sauerstoff produzieren, das die Seidenraupen dann wiederum in CO2 umsetzen. Die Forscher hoffen, dass die Saat im wahrsten Sinne des Wortes aufgeht und sich eventuell sogar eine stabile Balance der Lebensformen in dem winzigen Ökosystem entwickeln kann.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen