Elektromobilität

CES 2019: Elektromobilität auf der Messe in Las Vegas

von
Thomas Pitscheneder

Die CES in Las Vegas ist schon lange keine reine Technik-Messe mehr. Elektromobilität ist ein wichtiger Teil davon. Das sind die Neuheiten!

Schaeffler Bio-Hybrid Cargo
Der Schaeffler Bio-Hybrid "Cargo" ist auf der CES 2019 zu sehen und für den Transport von Waren gedacht. Das vierrädrige Pedelec soll bald emissionsfrei durch Städte rollen. Foto: Schaeffler Bio-Hybrid

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum die CES auch für Autofahrer sehr interessant ist
  • Wie Bosch den öffentlichen Nahverkehr verändern möchte
  • Warum Schaeffler ein Vierrad zum Treten mitbringt

Die Consumer Electronics Show (CES 2019) in Las Vegas ist eine der wichtigsten Messen der Welt. Zu sehen ist dort in erster Linie frische Technik von großen Marken wie Samsung, Sony, LG, Google und vielen mehr. Doch zunehmend erobern auch chinesische Unternehmen die Messe. Im vergangenen Jahr waren etwa Smartphones aus Fernost die großen Kracher – und erstaunten mit ungewöhnlichen Designs.

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Weil die Digitalisierung aber schon lange auch im Auto angekommen ist, spielt das auf der Technikmesse ebenfalls eine große Rolle. Elektromobilität ist heute ein fester Bestandteil der CES. Große und kleine Firmen präsentieren Neuheiten aus der Fahrzeugtechnik und sogar völlig neue Autos. Das sind die Highlights der CES 2019 – stetig aktualisiert!

CES 2019: Hyundai Elevate auf vier Beinen

Eine Technikmesse wie die CES zeigt nicht nur der Serie nahe Geräte und Fahrzeuge. Dazwischen sind auch futuristische Zukunftskonzepte zu sehen. Eines davon hat der koreanische Automobilhersteller Hyundai dabei. Das “Ultimate Mobility Vehicle”, kurz UMV, Elevate soll an Stellen kommen, die Autos sonst verwehrt bleiben.

Steht das Fahrzeug auf einem ebenen Untergrund, sieht es wie ein Shuttle aus, das aus einem SciFi-Film stammen könnte. Die eigentliche Innovation offenbart sich erst, wenn das UMV über unebenes Gelände fahren muss. Dann fahren sich die Räder wie Stelzen aus – als stolziere das Auto über die Unebenheiten hinweg.

Dabei soll sich das UMV autonom fortbewegen können. Damit es sicher ankommt und auf dem Weg nicht ins Stolpern gerät, sind Sensoren und Kameras an Bord. Hyundai sieht für das Auto vielfältige Einsatzmöglichkeiten. So ist Elevate etwa als Rettungsfahrzeug in Krisengebieten denkbar. Als Taxi könnte es Nutzer hingegen direkt vor die Haustür bringen. Noch funktioniert das aber natürlich alles nur in der Theorie. Mehr als einen Prototypen in kleinem Maßstab gibt es noch nicht.

Aisin: Autonomes Auto als Dual-Konzept

Auf der CES 2019 zeigt Aisin gleich zwei Fahrzeuge – in einem. Der japanische Zulieferer für die Automobilindustrie vereint im i-Mobility Type-C ein autonomes Shuttle und eine Limousine für Selbstfahrer. Damit will das Unternehmen zeigen, dass es für die mobile Zukunft gerüstet ist und jeden Anwendungsfall bedienen kann.

Die autonome Variante ist zu den Seiten geöffnet und bietet Platz für bis zu vier Passagiere. Dank drehbarer Sitze können diese in alle Richtungen blicken. Mit an Bord ist ein Entertainment-System. Gedacht ist diese Version der Studie für den Einsatz im Stadtverkehr.

Für Selbstfahrer ist das Fahrzeug geschlossen. Vorne steigen die Personen normal ein, hinten gibt es Schiebetüren. Natürlich kommt der i-Mobility Type-C auch in dieser Variante nicht ohne schlaue Technik aus. Ein Fahrerüberwachungssystem soll die Gesundheit und den Zustand feststellen. Anschließend reagiert das Auto etwa mit Komforteinstellungen oder Warnungen. Ein weiteres System soll die Fahrbahn überprüfen und anhand dessen Empfehlungen zum Fahrstil geben.

Valeo: Autonom unterwegs in Las Vegas

Wer dieser Tage das autonome Fahren im Stadtverkehr erleben möchte, sollte eine Reise nach Las Vegas buchen. Dort verkehrt im Zuge der CES 2019 ein Fahrzeug der Firma Valeo. Der Dienst Drive4U bringt Passagiere vollautonom von A nach B. Der Automobilzulieferer will damit zeigen, dass selbstfahrende Autos bereits mit verfügbarer Technik möglich sind. Sämtliche Sensoren, Kameras, Laser und Ultraschall-Systeme kommen dabei von Valeo selbst.

Noch kann es jedoch sein, dass autonome Autos mit schwierigen oder unbekannten Situationen nicht umgehen können. Die Systeme sind darauf programmiert, dann einfach anzuhalten. Damit es dennoch weitergeht, hat Valeo “Drive4U Remote” entwickelt. Damit lassen sich die Autos ganz einfach fernsteuern.

Zusätzlich zeigt Valeo einige Technologien für Autos der Zukunft. Das Lichtsystem “Valeo PictureBeam Monolithic” sorgt durch punktgenaue Lichtstrahlung dafür, dass es zu keiner Blendung des Gegenverkehrs kommt. Der “XtraVue Trailer” ist hingegen ein Anhänger, der für die Fahrer des Zugfahrzeugs fast unsichtbar ist. Dafür nehmen Kameras an der Rückseite die Umgebung auf, die dann auf einem großen Bildschirm an der Front zu sehen ist. So wirkt es, als könnte man durch den Anhänger hindurchsehen.

Harley-Davidson plant E-Bike und Elektroroller

Die US-Kultmarke Harley-Davidson nutzt die Messe, um die Werbetrommel für das kommende Elektromotorrad LiveWire zu rühren. Ganz nebenbei verrät das Unternehmen allerdings viel interessantere Pläne für die Zukunft. Demnach arbeitet Harley an weiteren elektrischen Zweirädern.

Eines davon ist ein E-Bike, dessen Konzept stark an ein Motorrad erinnert. Der Sitz scheint frei über dem Hinterrad zu schweben, Elektromotor und Akkupack sehen zusammen aus wie ein Benzinmotor. Der dicke Hinterreifen ist im Durchmesser etwas kleiner als der Vorderreifen. Ob und wann das E-Bike erscheint, bleibt noch abzuwarten.

Wir sind an einem historischen Zeitpunkt in der Evolution der Mobilität angekommen. Unsere Vision für die Zukunft ist breit gefächert – für alle Altersklassen, vom Profi in der Stadt bis hin zum Rentner in der Vorstadt und vom Pendler bis zum sportlichen Fahrer.

Matt Levatich, Geschäftsführer von Harley-Davidson

Gleiches gilt auch für den Elektroroller von Harley-Davidson. Auch er ist bisher nur ein Konzept, der optisch zwischen den ersten Motorrädern der Marke und Mopeds aus den 80ern bewegt. Für das Unternehmen ist das ein Vorstoß in ein wichtiges neues Geschäftsgebiet und eine Investition in die Zukunft.

Audi zeigt VR-Erlebnis für lange Autofahrten

Auf langen Reisen mit dem Auto ist nur der Fahrer dauerhaft beschäftigt. Alle anderen Passagiere kämpfen meist mit der Langeweile. Audi will das künftig ändern und stellt auf der CES 2019 ein neuartiges Entertainment-System vor. Das stammt von der Audi-Ausgründung holoride GmbH und setzt auf eine neue Stufe der VR-Technologie.

Eine entsprechende VR-Brille soll die Mitfahrer während der Reisen ablenken. Virtuelle Spielewelten werden mit den Fahrdaten aus dem realen Auto kombiniert. Dazu gehören unter anderem Beschleunigungswerte, G-Kräfte und Bremskräfte. Die Inhalte orientieren sich also an der Fahrt und sind deshalb bei jeder Mitfahrt unterschiedlich.

Um eine hohe Qualität zu bieten, arbeitet Audi mit professionellen Filmstudios und Spieleentwicklern zusammen. Die Inhalte für den auf der CES gezeigten Showcase liefert etwa Disney, genauer die Experten für Games und interaktive Erlebnisse. Natürlich investiert Audi mit dem Projekt von holoride auch in die Zukunft, vor allem mit Blick auf autonome Autos. Durch die zeitliche Ersparnis der Selbstfahrer sollen Nutzer quasi eine “25. Stunde” zur Verfügung haben – die sie mit Erlebnissen in der virtuellen Realität verbringen können. Innerhalb der nächsten drei Jahre will holoride die Technologie für handelsübliche VR-Brillen auf den Markt bringen.

BlackBerry: Mehr Sicherheit für digitale Systeme im Auto

Laut eigener Aussage hat BlackBerry auf der CES die erste “digitale Cockpit-Lösung, die es Autobauern ermöglicht den Fahrern die Erfahrung zu bieten, die sie wollen – mit Sicherheit und Zuverlässigkeit.” Dafür bringt das Unternehmen die hauseigene QNX-Plattform ins Auto.

Digitale Instrumente und Infotainment-Systeme sollen damit über ein zentrales Steuergerät zu aktuellen Android-Apps wie Google Maps und Google Play Music erhalten. Ein Hypervisor übernimmt dabei die Trennung zwischen den einzelnen Systemen. Das ist zwingend notwendig, damit diese bei einem Absturz oder einem Sicherheitsproblem weiterhin fehlerfrei arbeiten können.

Wie das genau funktioniert, zeigt BlackBerry am Beispiel eines Audi Q8 des Baujahres 2019. Das System entspricht der ISO 26262, die die Sicherheit der Elektronik in Automobilen sicherstellen soll.

ZF: Volle Konzentration auf das autonome Fahren

Beim Thema Auto darf die Firma ZF Friedrichshafen nicht fehlen. Der Automobilzulieferer arbeitet an der Gegenwart und Zukunft der Mobilität. Für die Messe in Las Vegas hat sich das Unternehmen ein Fokus-Thema ausgesucht: autonomes Fahren. ZF will die durch Hard- und Software-Lösungen vorantreiben.

Dreh- und Angelpunkt soll ein neuer Supercomputer für das Auto sein. Der ProAI ist laut Hersteller das erste Steuergerät, das mit Level 2+ von Nvidias Drive AutoPilot kompatibel ist – das allerdings erst 2020 erscheint.

Wir bieten aktuell den Vorteil, bereits einen serienreifen Supercomputer anzubieten. Unsere offene, flexible, modulare und skalierbare ZF ProAI-Produktfamilie ermöglicht die individuell passende Konfiguration für eine Vielzahl von Anwendungen und über alle Stufen des automatisierten Fahrens hinweg.

Wolf-Henning Scheider, Vorsitzender des Vorstands der ZF Friedrichshafen AG

Auch ein KI-gestützter Supercomputer kommt in autonomen Autos nicht ohne Sensoren aus. Sie sind etwa für die Erkennung von Hindernissen zuständig. ZF hat auf der CES 2019 etwa neue LiDAR-Sensoren, ein Full-Range-Radar und eine 360-Grad-Kamera im Gepäck. Interessant ist auch die Sound-AI, die Autos sogar hören lassen kann. Somit lassen sich etwa herannahende Rettungsfahrzeuge erkennen. Das kann auch im Rahmen aktueller Assistenzsysteme bereits eine große Hilfe sein.

Byton zeigt finales Cockpit von Elektroauto M-Byte

Waren Autos früher noch primitiv und einfach gehalten, sind sie mittlerweile zu digitalen Schaltzentralen herangewachsen. Sensoren messen jeden Winkel des Fahrzeugs, Infotainmentsysteme sorgen für Unterhaltung und Sprachassistenten übernehmen wichtige Aufgaben. Bildschirme bestimmen deshalb zunehmend den Look der Innenräume.

Die noch junge Firma Byton treibt das auf die Spitze und verbaut gleich drei davon. Ein 1,22 Meter breites Exemplar (48 Zoll) ersetzt dabei den Tacho und stellt gleichzeitig zahlreiche Informationen wie die Navigation und vieles mehr dar. Die Steuerung erfolgt per Touchscreen direkt am Lenkrad oder über einen Screen in der Mittelkonsole.

Zudem plant das Unternehmen, an den Rückenlehnen der Vordersitze zusätzliche Displays für die Passagiere im Fond zu verbauen. Die Inhalte sollen sich dann zwischen dem großen Hauptbildschirm und den kleineren Bildschirmen hinten teilen lassen. Den fertigen M-Byte zeigt Byton jedoch hingegen weiterhin nicht. Die Vorstellung ist für den Sommer 2019 geplant, der Startschuss für die Fertigung soll zum Jahresende fallen.

Continental: 5G für V2X im Straßenverkehr

Das Kürzel V2G beschreibt Ladevorgänge in zwei Richtungen, womit Elektroautos auch Strom zurückgeben können. V2X hat damit, trotz ähnlichem Namen, wenig gemein. Kurz erklärt bedeutet es die Kommunikation von Autos mit allen möglichen Systemen – “Vehicle-to-Everything”.

Bei teil- und vollautonomen Autos ist das besonders wichtig. Sie erhalten so etwa Informationen von Ampeln, nahen Basisstationen und anderen Sendern. Dafür kommt ein Kommunikationssystem für kurze Strecken zum Einsatz. Doch auch 5G ist wichtig, um den Autos vorausschauendes Navigieren zu ermöglichen.

Continental zeigt auf der CES 2019 ein System, das die Technologien bündelt. Damit soll in erster Linie ein weltweiter Einsatz möglich sein. Dazu schreibt das Unternehmen: “Anders als bei der Kommunikation über das Mobilfunknetz, ist der technische Pfad zum Aufbau einer direkten V2X-Kommunikation weltweit unterschiedlich. Die neue hybride V2X-Lösung von Continental bringt beide Kommunikationsstandards auf eine Hardware- und Softwareplattform.

Für die Automobilhersteller bedeutet das weniger Kosten und ein geringerer Aufwand bei der Anpassung der Systeme auf das jeweilige Land.

Bosch: Shuttle mit Elektromotor als Mitfahrdienst

Die Beobachtung der technischen Entwicklung macht deutlich: Der öffentliche Nahverkehr verändert sich in den kommenden Jahren wohl zu großen Teilen. Das autonome Fahren könnte dabei die entscheidende Technologie sein. Bereits jetzt erproben Hersteller gemeinsam mit Verkehrsbetrieben den Einsatz. So fährt “Emmy” etwa bereits durch Berlin und in Hamburg will die Hochbahn ab Februar mit “Heat” auf die Straßen.

Diese Entwicklung verfolgte wohl auch das deutsche Unternehmen Bosch sehr aufmerksam – und will sich deshalb künftig als Anbieter für die notwendige Technik positionieren. Zur Demonstration konzipierte Bosch für die CES 2019 ein komplettes Shuttle. Das soll zeigen, dass die Firma die passende Hard- und Software liefern kann. Dazu liefert das Unternehmen ein Ökosystem für Mobilitätsdienste.

Schaeffler Bio-Hybrid: Tretauto mit E-Motor

Elektromobilität hat viele Gesichter. Nicht nur Autos greifen auf Elektromotoren zurück, auch kleinere Fahrzeuge erhalten durch sie ein wenig Unterstützung. E-Bikes tragen sogar einen entscheidenden Teil dazu bei, E-Mobility in der breiten Masse bekannt zu machen. Doch manchmal reicht ein Fahrrad eben einfach nicht aus. Die Lösung soll der Bio-Hybrid von Schaeffler sein.

Der Automobilzulieferer stellt ein Stadtmobil auf die Beine, das durch vier Räder hohe Stabilität bieten soll. Der Elektromotor treibt das Fahrzeug aber nicht direkt an, sondern unterstützt lediglich die Fahrer. Die müssen selbst treten – wie bei einem Pedelec. Dafür bietet der Bio-Hybrid in der Variante “Passenger” Platz für einen Passagier. Die Version “Cargo” ermöglicht hingegen den Transport von kleinen Waren. Das System ist modular und somit universell einsetzbar.

Voltabox: Neue Lithium-Ionen-Akkus für Zweiräder

Das deutsche Unternehmen Voltabox ist erstmals auf der CES in Las Vegas vertreten. Möglich macht das ein Gemeinschaftsstand mit der Muttergesellschaft Paragon. Im Gepäck hat die Firma eine neue Starterbatterie für Motorräder auf Basis der Lithium-Ionen-Technologie. Die soll es in zwei Varianten mit 5 beziehungsweise 10 Ah geben.

Auch für E-Bikes zeigt Voltabox Akkus auf dieser Basis. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Batterien sind leichter, bieten eine hohe Leistung und sind einfacher in den Rahmen zu integrieren. Den passenden Antriebsstrang will das Unternehmen auf der Messe ebenfalls zeigen.

Updates

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Magna: Ein Blick in die autonome Zukunft des Verkehrs

Neben Continental und Bosch ist Magna als großer Automobilzulieferer auf der Messe anzutreffen. Statt handfester Fahrzeuge oder Technik wagt das Unternehmen einen Blick in die Zukunft. Im Fokus steht dabei das autonome Fahren. Auf dem Messestand will Magna etwa ein Konzept für mobile Meetings zeigen. Die sollen durch ein modulares Sitzkonzept möglich sein. Sensorgesteuerte Massagen und persönliche Sound-Zonen könnten das Erlebnis zusätzlich verbessern.

Damit das Auto auch autonom über die Straße navigieren kann, braucht es zahlreiche Sensoren. Eine verbesserte LiDAR-Objekterkennung soll das ermöglichen. Als Zulieferer wirbt Magna auf der CES 2019 natürlich auch für elektrische Antriebsstränge. Die sollen sich durch einen modularen Aufbau künftig noch einfacher an die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden anpassen lassen.

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