Elektromobilität

Ist Carsharing der ÖPNV der Zukunft?

von Leonie Butz

Flexibler als der ÖPNV, aber ohne Verpflichtungen: Carsharing ist das Verkehrskonzept der Zukunft. Vor allem das Teilen von Privatautos hat viele Vorteile.

Ist Carsharing der ÖPNV der Zukunft?
Statt in den Bus ins fremde Auto steigen: Einige Experten glauben, dass privates Carsharing den ÖPNV ablösen könnte. Foto: Pixabay/kaboompics

Das erfahren Sie gleich:

  • Vor allem privates Carsharing wird immer beliebter
  • Wer sein Auto teilt, holt einen großen Teil der Betriebskosten wieder rein
  • Für Sicherheit sorgen bei einigen Anbietern Sensoren und GPS-Tracking

Carsharing statt ÖPNV

Der Bus ist schon zwanzig Minuten zu spät. Nach einem langen Arbeitstag und einem anstrengenden Workout im Fitnessstudio nicht gerade toll. Die große Frage: Loslaufen und an einer anderen Bushaltestelle auf einen anderen Bus warten? Oder lieber noch ein paar Minuten warten – schließlich kommt der Bus immer dann, wenn man gerade losläuft. Nebenan diskutieren zwei Teenies bereits seit zehn Minuten, welche YouTuberin die heißeste ist und was sie den Mitschülern so alles bei Snapchat schicken. Blöder ÖPNV! Wie schön wäre jetzt ein eigenes Auto? Aber für den Weg zum Fitnessstudio oder um die schweren Einkäufe nicht schleppen zu müssen, ist ein eigenes Auto doch etwas übertrieben, oder?

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So denken derzeit sehr viele junge Menschen. Mobil sein ist super – aber viele können oder wollen sich kein eigenes Auto anschaffen. Um mehr Flexibilität in den Verkehr der Zukunft zu bringen, braucht es deshalb zusätzliche Konzepte. Ganz vorne mit dabei, da sind sich viele Experten einig, ist das Carsharing – einige gehen davon aus, dass privates Carsharing sogar Bus und Bahn ablösen könnte. Dabei bieten Autobesitzer ihren Wagen auf Webseiten oder mobil via App zur Miete an, wenn sie ihn gerade nicht brauchen. Während sie auf der Arbeit sind zum Beispiel, oder wenn sie das Wochenende auf dem Sofa verbringen.

Sicherheit dank GPS und Sensoren

Das klingt im ersten Moment eigenartig. Den eigenen Wagen in fremde Hände geben? Da hat so mancher Autobesitzer sicherlich Angst um sein Hab und Gut. Aber vor allem junge Leute sind von dem Konzept überzeugt. Denn der Vermieter verdient sich die Betriebskosten für den Wagen, während er ihn nicht benötigt. Und der Mieter kommt so bereits ab 20 Cent pro Kilometer beziehungsweise ab 20 Euro pro Tag an ein Auto – also sehr viel günstiger als beim Carsharing durch große Anbieter. Für Versicherungsschutz ist auch hier gesorgt: Denn alle Dienste bieten eine Versicherung inklusive – so bleibt bei einem Unfall durch einen Mieter die Versicherung des Vermieters unangetastet.

Aber wie funktionieren die Portale? Wer vermieten will, lädt neben den allgemeinen Infos noch ein Bild des Fahrzeugscheins hoch; wer mieten möchte, muss seine Führerschein- und Personalausweisnummer angeben. Über die Plattform lassen sich Autos finden und Mietanfragen versenden, denen der Vermieter zustimmen muss. Anders als bei der klassischen Autovermietung wird meist vorher bezahlt, dann tauschen die Parteien Übergabeprotokoll und Schlüssel aus, und es kann losgehen. Weil das aber einigen Anbietern noch zu umständlich ist, regeln sie mittlerweile alles über die App: Die Plattform Getaway etwa installiert im Wagen einen Sensor, der den Tankstand misst und im Zweifel als GPS-Tracker dient – wie beim verlorenen Handy lässt sich so ein gestohlenes Auto via GPS orten. Außerdem lässt sich über den Sensor das Auto mobil per App öffnen – also keine Übergaben mehr. Das Start-up ist mit rund 4.000 Kunden noch recht klein, setzt dabei aber vollkommen auf Spontanität.

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Sicherheit dank GPS und Sensoren
Mobil sein – und das ohne eigenes Auto: Immer mehr junge Fahrer nutzen lieber Carsharing, statt ein eigenes Auto anzuschaffen. Foto: Unsplash/Rucksack Magazine

Carsharing wird mobil

Die beiden größten privaten Carsharing-Anbieter sind derzeit Drivy und Snappcar. Beide Dienste sind in ganz Europa tätig. Mit jeweils rund 50.000 vermieteten Autos und einer Million (Drivy) beziehungsweise 400.000 Mitgliedern (Snappcar) bieten sie eine ziemlich große Auswahl. Ein besonderes Highlight von Drivy: Neben günstigen Kleinwagen oder geräumigen Sprintern finden sich hier auch ein paar schicke Oldtimer, wie ein 1969er Alfa Romeo GT. Und auch hier ist die App auf dem Vormarsch: Nach dem Vorbild von Getaway will auch Drivy die Schlüsselübergabe durch eine Smartphone-App ersetzen.

Smartes, vernetztes Carsharing, das, so sagen Experten, ist die Zukunft.

Carsharing wird also mobiler und zukünftig noch spontaner nutzbar. Somit ist das Prinzip möglicherweise tatsächlich bald eine gute Alternative zum eigenen Auto. Aber auch zum ÖPNV? Eigentlich soll Carsharing doch die Zahl der Autos auf den Straßen reduzieren – ohne die öffentlichen Verkehrsmittel liefe das Konzept dem aber völlig entgegen. Experten sind sich jedenfalls einig, dass smartes, vernetztes Carsharing die Zukunft ist – so etwa Prof. Dr. Chan, Elektromobilitäts-Experte von der University of Hongkong. Und wenn das Prinzip künftig so einfach wird – App öffnen, Auto mieten, losfahren – dann ist das Carsharing simpler und unkomplizierter als Busfahren.

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