Elektromobilität

Carsharing: Car2Go, DriveNow, Miles & Co. im Vergleich

von Thomas Pitscheneder

Wer kurze Strecken zurücklegt und nur selten ein Auto braucht, kann auch auf Carsharing-Dienste zurückgreifen. Car2Go, DriveNow, Miles & Co. im Vergleich.

Carsharing-Autos von DriveNow und Car2Go
Dank Carsharing-Diensten lässt sich fast überall und zu jeder Zeit ein Auto mieten. Das klappt lange nicht mehr nur in Großstädten. Doch welcher Anbieter kostet wie viel? Foto: picture alliance / dpa

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Carsharing-Dienste in Deutschland Elektromobilität bieten
  • Was Fahrten mit den Anbietern kosten
  • Warum Car2Go und DriveNow gemeinsame Sache machen

Fahrten mit dem Auto haben einige Vorteile gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln. Einkäufe lassen sich so leichter transportieren und lange Wege von der Haltestelle bis zum Ziel entfallen. Doch nicht jeder hat auch ein eigenes Fahrzeug – und wenn doch, ist er nicht immer damit unterwegs.

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Die Lösung sollen Carsharing-Dienste sein. Sie bieten individuelle Mobilität für kurze Zeit – einige von ihnen sogar mit Elektro- und Hybridautos. Dabei müssen sich die Nutzer nicht um Dinge wie Versicherungen, Lade- sowie Tankvorgänge und die Reinigung kümmern. Doch welche Dienste gibt es und wo lassen sie sich in Deutschland nutzen?

Carsharing-Anbieter im Vergleich

Das Grundprinzip ähnelt sich bei allen Anbietern stark: Nutzer buchen per App ein Fahrzeug in der Nähe, entsperren es und fahren los. Die Abrechnung erfolgt dabei in der Regel minutengenau. Doch bei den Fuhrparks und Kosten gibt es große Unterschiede. Wie die in der Praxis aussehen, zeigt die Tabelle:

Anbieter für Carsharing in Deutschland im Vergleich

  • Anbieter
  • Städte
  • System
  • Anmeldegebühr
  • Fahrtkosten
  • Anzahl Fahrzeuge
  • Fahrzeugklassen
  • Cambio
  • Hamburg, Köln, Berlin, Aachen & 17 mehr
  • Stationär
  • 30 Euro
  • Ab 0,50 Euro/Stunde
  • Über 1000
  • Kleinstwagen, Kompaktwagen, Kombis, Vans, Transporter
  • Car2Go
  • Hamburg, Düsseldorf, Köln, Berlin, Stuttgart, München, Frankfurt
  • Freefloating
  • 9 Euro
  • Ab 0,19 Euro/Min
  • Über 4000
  • Kleinstwagen, Kompaktwagen, Vans, Limousinen und SUV
  • DriveNow
  • Hamburg, Düsseldorf, Köln, Berlin, München
  • Freefloating
  • 19 Euro
  • Ab 0,33 Euro/Min
  • Über 3000
  • Kompaktwagen, Cabrios, Kombis, SUV
  • Flinkster
  • Bundesweit
  • Stationär
  • 29 Euro
  • Ab 1,50 Euro/Stunde
  • Über 3000
  • Kleinstwagen, Kompaktwagen, Limousinen, Transporter, SUV
  • Miles
  • Hamburg, Berlin
  • Freefloating
  • Keine
  • Ab 0,79 Euro/Kilometer
  • Über 250
  • Kompaktwagen, Limousine, SUV, Transporter
  • Stadtmobil
  • Bundesweit
  • Stationär
  • 30 Euro
  • Ab 0,13 Euro/Kilometer
  • Über 2500
  • Kleinstwagen, Kompaktwagen, Kombis, Vans, Transporter

Der Vergleich berücksichtigt nur Anbieter mit Elektro- und Hybridflotten. Stand: Dezember 2018

Rechenbeispiel 1: So teuer ist der Weg zur Arbeit

Die breite Auswahl bietet sich für einen Vergleich anhand zweier realistischer Szenarios an. Im ersten Beispiel fällt der tägliche Pendelweg zur Arbeit an. Morgens und am späten Nachmittag fährt ein Angestellter 5,5 Kilometer, die Fahrtzeit beträgt 15 Minuten.

Bei Car2Go lässt sich ein Auto jeweils direkt vor Ort anmieten. Ein Kleinstwagen reicht dafür vollkommen aus. Er kostet im Mittel 25 Cent. Pro Fahrt sind somit 3,75 Euro fällig, was 7,5 Euro für beide Strecken entspricht. Bei DriveNow belaufen sich die Kosten hingegen auf 9,90 Euro. Beim noch jungen Anbieter Miles ist die Fahrt mit 8,69 Euro etwas günstiger. Der Grund: Nutzer bezahlen pro Kilometer, nicht pro Minute. Wer im Stau steht, zahlt also für seine Strecke nicht mehr.

Schwieriger gestaltet sich die Fahrt bei stationären Diensten. Hier steht das Auto nicht in unmittelbarer Nähe und muss nach der Fahrt auch wieder an die jeweilige Verleihstation zurück. Wer etwa mit Flinkster von der Deutschen Bahn fährt, muss einen Tagestarif für 41,70 Euro buchen. Bei Cambio entscheidet das Abo: Im Tarif "Aktiv" (10 Euro/Monat) kostet der Tag 13,35 Euro, bei "Basis" (ohne Grundgebühr) bereits 22,75 Euro. Stadtmobil liegt mit 17,80 Euro dazwischen.

Rechenbeispiel 2: Das kostet eine Fahrt zum Einkaufen

Wer einen Carsharing-Dienst zum Einkaufen nutzt, ist etwas länger am Stück unterwegs. Im Beispiel dauert die Fahrt zum Einkaufen 10 Minuten, bei einer Strecke von 3 Kilometern. Der Einkauf selbst ist nach 30 Minuten erledigt. Mit Rückfahrt kommen so 50 Minuten und 6 Kilometer zusammen. Damit der Einkauf auch problemlos in das Auto passt, wählt der Nutzer die Kompaktklasse.

Bei Car2Go kostet die im Mittel 33 Cent. Somit fallen für den Einkauf Kosten in Höhe von 16,50 Euro an. Gleiches gilt bei DriveNow, denn auch hier liegt die Minute für einen Kompakten bei 33 Cent. Nicht viel günstiger ist Miles mit 13,77 Euro. Der Grund: Zwar kosten die Kilometer nur 5,94 Euro, doch das Parken kostet Extra – satte 7,83 Euro.

Die stationären Dienste können in diesem Anwendungsfall glänzen. Flinkster berechnet für den Einkauf 4,10 Euro. Cambio schwankt zwischen 3,14 und 4,50 Euro. Bei Stadtmobil kostet die Strecke 4,68 Euro.

Wer also rund eine Stunde oder mehr unterwegs ist und auf den Luxus der flexiblen Anmietung verzichten kann, fährt mit den stationären Diensten oft günstiger.

Ist eine Abrechnung pro Kilometer wirklich sinnvoll?

Der Anbieter Miles wirbt mit seinem System zur Abrechnung. Anders als bei der Konkurrenz, zahlen Kunden hier nur die gefahrene Strecke. Das hat einige Vorteile, denn bei Stau ist die Fahrt so um einiges günstiger. Durch den fehlenden Zeitdruck sind die Fahrer außerdem etwas entspannter unterwegs.

Wer das Fahrzeug allerdings nicht durchgängig nutzt, muss hohe Zusatzgebühren fürchten. Das Parken kostet 0,29 Euro pro Minute. Drei Minuten sind bei jeder Fahrt inklusive. Junge Fahrer zahlen noch mehr, denn sie müssen 9 Euro im Monat Grundgebühr plus 1 Euro Aufschlag für jede Fahrt bezahlen. Das gilt jedoch nur im ersten Jahr nach dem Führerscheinerwerb.

Ob die Abrechnung pro Kilometer wirklich sinnvoll ist, hängt also vom jeweiligen Nutzer und Anwendungsfall ab. Bei kurzen Strecken von A nach B ist ein Dienst wie Miles oft günstiger.

Car2Go und DriveNow: Die Urgesteine fusionieren

Als große deutsche Automobilhersteller sind die Konzerne Daimler und BMW eigentlich Konkurrenten. Doch in Zukunft machen sie gemeinsame Sache – zumindest beim Carsharing. Daimlers Car2Go trennte sich dafür von seinem bisherigen Partner Europcar. BMW koppelt DriveNow hingegen von Sixt ab. Beide Unternehmen hielten je 50 Prozent am jeweiligen Dienst.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Die Fusion erfolgt durch die Gründung eines neuen Joint-Ventures, unter dem die Konzerne künftig ihre Carsharing-Dienste, die Taxi-App MyTaxi und den Parkdienst ParkNow deckeln. Der Zusammenschluss ist eher strategischer Natur, denn gemeinsam lässt sich schneller auf Veränderungen im Markt reagieren.

Für die Nutzer ändert sich hingegen nichts. Car2Go, DriveNow, MyTaxi und ParkNow bleiben weiterhin in ihrer bisherigen Form bestehen.

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