Leben

Carpooling: Fahrgemeinschaften als Problemlöser?

von
Michael Penquitt

Fahrgemeinschaften sind wieder cool. Die nicht ganz neue Idee macht derzeit unter den Begriffen Carpooling und Ridesharing die Runde. Das steckt dahinter.

Zwei Personen im Fond beim Carpooling
Sind Autos möglichst voll besetzt, profitieren davon alle. Weniger Fahrzeuge schonen die Umwelt, Mitfahrer teilen sich die Kosten und haben noch Spaß dabei. Foto: Getty Images

Das erfahren Sie gleich:

  • Wann erste Fahrgemeinschaften entstanden
  • Wieso wir häufiger von Mitfahrgelegenheiten Gebrauch machen sollten
  • Welche Dienste bei der Suche helfen

Autos bestimmen den Straßenverkehr und die Gestaltung von Städten so stark wie kein anderes Verkehrsmittel. In Deutschland sind 43 Prozent aller Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer mit einem Kraftfahrzeug unterwegs. In Ländern wie den USA, in denen der öffentliche Nahverkehr nicht so gut ausgebaut ist und nur rudimentäre Radwege vorhanden sind, ist der Anteil noch deutlich höher.

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Die Folge: Das Straßennetz ist häufig überlastet, die Luftqualität leidet und der Klimawandel ist kaum noch zu bremsen. Vor dem Hintergrund solcher Herausforderungen erlebt eine alte Idee seine erneute Renaissance: Fahrgemeinschaften.

Fahrgemeinschaften sind vor allem sparsam

Die im englischsprachigen Raum als Carpooling bezeichneten gemeinsamen Fahrten werden von Privatpersonen organisiert. Zwei oder mehr Personen schließen sich dabei zusammen, um mit dem Fahrzeug eines Mitglieds der Fahrgemeinschaft zu einem bestimmten Ziel zu gelangen. In vielen Fällen handelt es sich dabei um Pendler, die sich die Fahrtkosten, die für den Arbeitsweg anfallen, untereinander aufteilen.

Dabei sind Fahrgemeinschaften keine neue Erfindung. Bereits während des Zweiten Weltkriegs wurde "car-sharing" in den USA als besonders ressourcenschonend erkannt und daher als patriotischer Beitrag propagiert. In den vom Wirtschaftswunder geprägten 50er und 60er Jahren konnten sich wiederum immer mehr Menschen ein eigenes Auto leisten, auch das Erdöl drohte nicht knapp zu werden. Das Privatauto wurde nicht mehr nur als bequemes Fortbewegungsmittel betrachtet, sondern stieg zugleich zu einem Statussymbol auf.

Mitfahrgelegenheiten liegen wieder im Trend

1973 war dieser Traum für viele mit einem Mal vorbei. Die Ölkrise ließ die Preise an den Zapfsäulen klettern, sofern es denn überhaupt genügend Sprit gab. Manche Staaten einschließlich Deutschland verordneten autofreie Sonntage, um den Verbrauch zu senken. Aus der Not heraus bildeten sich Fahrgemeinschaften, um beispielsweise zur Arbeit zu gelangen.

Eine leere Autobahn am Sonntag
Blick auf das leere Autobahnkreuz Duisburg-Kaiserberg. Wegen der Ölkrise wurde am 02.12.1973 zum zweiten Mal ein sonntägliches Fahrverbot verhängt. Foto: picture-alliance/ dpa

Diese Zeiten sind zum Glück lange vorbei, dennoch gewinnt Carpooling wieder an Popularität. Insbesondere Menschen, die kein eigenes Fahrzeug oder keinen Führerschein besitzen, nutzen dieses Angebot vermehrt, um von A nach B zu kommen. Doch auch darüber hinaus bieten Fahrgemeinschaften eine Vielzahl unterschiedlicher Vorteile. Fahrer wie Mitfahrer sparen Geld, schonen die Umwelt und entlasten verstopfte Straßen.

In den Vereinigten Staaten und Kanada ist die linke Spur auf den chronisch staugefährdeten Interstates und Highways mancher Bundesstaaten fürs Carpooling reserviert. Wer alleine im Auto sitzt und diese Fahrbahn benutzt, muss mit einem hohen Bußgeld rechnen, sollte er oder sie von der Polizei erwischt werden.

Einfache Handhabung dank digitaler Mitfahrzentralen

Insbesondere auf längeren Strecken lohnt es sich aber auch aus sozialen sowie sicherheitstechnischen Gesichtspunkten Mitfahrer mitzunehmen. Man knüpft neue Bekanntschaften, es kommt weniger Langeweile auf und die Gefahr von Sekundenschlaf sinkt.

Carpooling kommt deshalb besonders in der überregionalen Mobilität erfreulicherweise eine wachsende Rolle zu. Das liegt vor allem an der vereinfachten Organisation solcher Fahrten durch digitale Mitfahrzentralen.

BlaBlaCar ist mit international rund 50 Mio. Nutzerinnen und Nutzern das größte dieser Portale. Wie an einem schwarzen Brett bieten Fahrer dort unter der Angabe aller wichtigen Infos Mitfahrgelegenheiten an. Hat sich die Suchende für ein passendes Angebot entschieden, erhält BlaBlaCar von der Person eine Vermittlungsgebühr.

Menschen treffen sich erstmals beim Ridesharing
Über das Handy lässt sich eine Mitfahrgelegenheit aussuchen. Bei der Abholung gibt es ein kleines Kennenlernen und schon geht es los. Foto: BlaBla Car

Anders bei fahrgemeinschaft.de: Das in Kooperation mit dem ADAC betriebene Portal finanziert sich aus Spenden. Eine Registrierung ist nicht notwendig, auch das ist ein Unterschied zu BlaBlaCar.

Mit Flinc hingegen hat man die Möglichkeit, sich über längere Zeit an eine Fahrgemeinschaft binden. Hier finden Pendler idealerweise feste Mitfahrgelegenheiten mit dem täglich selben Weg zum Arbeitsplatz. Der Dienst hat sich nämlich auf verhältnismäßig kurze und regelmäßige Fahrten spezialisiert. Die Nutzung ist denkbar einfach, da die Seite den Nutzern automatisch passende Mitfahrgelegenheiten anbietet.

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Kommerzielles Ridesharing in Großstädten

Dieses Potenzial haben auch einige Mobilitätsunternehmen zur Kenntnis genommen und bieten eigene Dienste an, die den Gedanken von Fahrgemeinschaften kommerziell und besonders effizient verwerten. Bewohnerinnen und Bewohner von kleineren Städten, in denen zu gewissen Tageszeiten keine Busse und Bahnen fahren, kennen bereits seit vielen Jahren Anruf-Sammel-Taxis, die ihre Fahrgäste an einer Haltestelle einsammeln und sie auf einer Route an unterschiedlichen Orten absetzen.

In Großstädten gießen Anbieter wie CleverShuttle oder MOIA ähnliche Konzepte in eigene Smartphone-Apps, wodurch die gewünschten Fahrstrecken noch besser miteinander verknüpft werden. Die Fahrer sind beim Anbieter angestellt oder arbeiten als Subunternehmer. So verbinden dieses Services das beste aus zwei Welten: Den Komfort und die Flexibilität eines Pkw und niedrigen Kosten einer Fahrgemeinschaft.

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