Technik

Cargonexx: Künstliche Intelligenz verhindert Leerfahrten bei Lkw

von
Paul Bandelin

Cargonexx hat eine künstliche Intelligenz entwickelt, die Leerfahrten von Lkw verhindern, Staus vermeiden und die Umwelt schützen soll.

Die Zugmaschine eines Lkw frontal fotografiert, vor einem gelben Hintergrund.
Dickes Ding: Lastkraftwagen sollen dank Cargonexx künftig effizienter fahren. Foto: shutterstock/ aio

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie das Hamburger Start-up Cargonexx Speditionen und Kunden via App vermittelt
  • Wie eine künstliche Intelligenz den besten Preis für alle Parteien berechnet
  • Wie so Leerfahrten bei Lkw der Vergangenheit angehören könnten

Etwa 500.000 Lkw verkehren jeden Tag auf Deutschlands Straßen – jeder Dritte davon ist leer. Sie produzieren Staus und verschmutzen die Umwelt. Das Hamburger Start-up Cargonexx hat sich des Problems angenommen. Die Lösung: Eine Plattform, die Fahrten und Fracht vermittelt.

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2016 dachte sich Gründer Bert Manke, dass es nicht sein kann, dass ein Drittel aller Lkw-Fahrten deutschlandweit Leerfahrten seien. Bei dieser verheerenden Quote sei es für alle Beteiligten ein Minusgeschäft. Also machte er sich daran, eine Technik zu entwickeln, aus der letztlich Cargonexx entstanden ist.

Das Problem ist nicht, dass es zu wenig Lkw gibt, sondern dass diese Lkw nicht effizient ausgelastet werden. Das versuchen wir über unser Netzwerk zu ändern.

Bert Manke, Marketingchef von Cargonexx

Cargonexx vermittelt Speditionen und Kunden

Die Hamburger haben sich auf Standardtransporte spezialisiert. Das bedeutet, sie vermitteln bevorzugt Touren für große Sattelschlepper, die mehr als drei Lademeter über eine Distanz von über 300 Kilometern transportieren.

Zudem ziehen sie Komplettladungen vor, weil diese einfacher zu vermitteln sind. Zu den Kunden gehören große Unternehmen aus allen Branchen, die einen hohen Warenumschlag haben. Dazu zählen Automobilhersteller, Kosmetikerzeuger oder auch Baumärkte.

Auf der einen Seite geben die Fuhrunternehmer ihre Touren samt Kapazitäten an, auf der anderen Seite stellen die Auftraggeber ihre Fracht ein. Eine künstliche Intelligenz berechnet anhand zahlreicher Variablen, wer diese wann von A nach B bringen kann. Das spart Geld und schützt die Umwelt. Der große Vorteil: Ein Match findet sich in Minutenschnelle.

Das ist so einfach, wie ein Taxi über eine App zu buchen.

Bert Manke

Künstliche Intelligenz berechnet günstigste Route

Der genaue Ablauf funktioniert so, dass ein Auftraggeber eine Ladung im System anmeldet und dort möglichst detailliert angibt, worum es sich handelt und bis wann die Ladung wo sein muss. Dazu gehören unter anderem die Anzahl der Lademeter, bestimmte Anforderungen an den Lkw und natürlich der Inhalt.

Anhand dieser Informationen berechnet ein selbstlernender Algorithmus dann den tagesaktuellen Preis. Der Auftraggeber hat anschließend die Möglichkeit, diesen zu bestätigen. Im nächsten Schritt schlägt die künstliche Intelligenz dann einen geeigneten Abnehmer vor und bringt die beiden Partner zusammen.

Eine komplexe Rechnung berücksichtigt dabei neben der Fracht und der Strecke noch den aktuellen Treibstoffpreis sowie Verkehrs- und Wetterdaten. Dazu kommen andere besondere Ereignisse wie beispielsweise Schulferien oder Feiertage – auch im Ausland.

Um auf einen Preis zu kommen, der für beide Seiten akzeptabel ist, wurden die Daten von Millionen vorheriger Touren in das System gespeist, das mit jeder weiteren Tour dazulernt. Akzeptiert der Auftraggeber das Angebot, übernimmt Cargonexx die Haftung und ist offiziell der Spediteur. Bislang haben sich 70.000 Lkw auf der Plattform registriert – Tendenz steigend.

Keine Leerfahrten mehr bei Lkw

Doch damit nicht genug: Cargonexx will mehr. Die Hamburger wollen nicht nur eine Tour organisieren und dann einen leeren Lkw zurückschicken. Wenn möglich suchen sie gleich im Anschluss den nächsten Transport für den Brummi. Dabei spielt es nur bedingt eine Rolle, wohin es geht.

Wir sind in der Lage, einen Lkw am Montag für die ganze Woche durchzudisponieren, und der Fuhrunternehmer muss sich um nichts mehr kümmern.

Bert Manke

Technik

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Manche Lkw sind so die ganze Woche voll beladen unterwegs und der Fuhrunternehmer muss sich um nichts mehr kümmern. Der gesamte Ablauf ist digital, somit gibt es auch keine Frachtpapiere mehr. Doch da alles via Smartphone geschieht, ist es für manchen Trucker eine enorme Umstellung.

Das System ist sicher ein erster Vorgeschmack auf die fahrerlosen Lkw, die künftig ebenfalls vornehmlich via KI unterwegs sind.

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