Elektromobilität

Camper auf der Suche nach Strom: Reisen mit dem E-Wohnmobil

von Daniela Pemöller

So mancher in der Caravan Branche zweifelt noch daran, ob sich Elektromobilität überhaupt durchsetzt. Dabei passiert auch im Wohnmobil-Bereich einiges.

Ein T5-Camper in der Dunkelheit.
Mit dem Camper in den Urlaub: Viele Naturfreunde wünschen sich eine Abkehr vom Diesel-Antrieb. Foto: Unsplash/Rob Hayman

Das erfahren Sie gleich:

  • Erste Reisemobile: Welche E-Camper es heute auf dem Markt gibt
  • Warum E-Wohnmobile ein ganz großer Trend sind
  • Wie es sich mit dem E-Mobil reist
  • Warum mobiles Internet der beste Freund des E-Campers ist

Dreckige Diesel mitten in schönster Natur. Das nervt, meinen so manche Camper. Sie träumen schon lange von Elektro-Wohnmobilen, die lautlos und emissionsarm durch die Landschaft gleiten. Noch ist das Zukunftsmusik. Unter anderem auch, weil die Branche sich lange Zeit skeptisch zeigte.

Der Wohnmobilanbieter Dethleffs hat zwar unter viel Jubel auf dem Caravan Salon in Düsseldorf 2017 die Studie „e.home“ präsentiert. Aber eine Serienproduktion ist von dem Alkoven-Modell nicht geplant, dessen Außenhaut aus 31 Quadratmeter Dünnschicht-Solarzellen besteht, rund 3000 Watt Leistung generieren und bei einer Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometer laut Hersteller angeblich eine Reichweite von 200 Kilometern schaffen soll – Elektromobilität für den modernen Camper also.

Daniel Rätz vom Caravaning Industrie Verband (CIVD), erklärte damals: "Ich sehe den Diesel als alternativlos in absehbarer Zeit. Die Hersteller der Basisfahrzeuge haben E-Modelle noch nicht in ihrem Portfolio." Doch langsam, ganz langsam ändert sich da was.

Erste Elektro-Reisemobile

Zwar gibt es in Deutschland aktuell immer noch nur ein ausschließlich elektrisch angetriebenes Basisfahrzeug auf dem Markt, das für Wohnausbauten geeignet ist: den Nissan e-NV 200. Die Firma Zooom in Bayern baut ihn seit geraumer Zeit zu einem Kompaktmobil namens Stadtindianer aus. Grundpreis: unter 40.000 Euro plus monatliche Batteriemiete.

Doch auf der Madrider Motor Show präsentierte Nissan im Mai den NV 200 mit einer Ausstattung speziell für Camper, die bislang aber nur in Spanien erhältlich ist. Die Elektro-Variante soll über gut 275 Kilometer Reichweite verfügen und weist eine 40 kWh starke Batterie auf. Auch Volkswagen will ihre Studie vom Elektro-Bulli I.D.Buzz 2022 in Serie bringen.

Mercedes-Benz Vans plant in Zukunft sogar jede gewerbliche Baureihe mit Elektroantrieb anzubieten. Los geht es in diesem Jahr mit dem eVito, ab nächstem Jahr kommt dann der eSprinter hinzu. „Wir sind von der Notwendigkeit des elektrischen Antriebs in unseren Vans überzeugt, allen voran im innerstädtischen Bereich”, so der Chef von Mercedes-Benz Vans Volker Mornhinweg.

E-Wohnmobil: Ein "ganz großer, langfristiger Trend"

Schon 2011 erkannte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen in einem Interview mit der Agentur dpa, dass grüne Wohnmobile ein "ganz großer, langfristiger Trend" seien. Er sah die Hersteller Peugeot/ Citroen, Daimler und Toyota als "heiße Kandidaten" für die Technologieeinführung bei Campingmobilen. Die Hauptprobleme mit denen die Entwickler kämpfen sind Gewicht und Reichweite. E-Wohnmobile würden noch schwerer werden und könnten nicht genug Strecke machen.

Trotzdem tauschen schon heute einige Bulli-Fahrer ihren herkömmlichen Motor gegen einen elektrischen. Grund: So wollen sie mögliche Diesel-Fahrverbote und Umweltzonen umgehen.

Seit dem Dieselskandal bekommen wir unglaublich viele Anfragen. Besonders Besitzer von T5 und T6 sind verunsichert. Sie haben viel Geld für ihren Bulli bezahlt und nun Angst, dass sie damit bald nicht mehr fahren dürfen.

Marco Lorey von der Umrüster-Firma Lorey in Offenbach

Ein T4-Minivan auf der Straße.
Das E-Mobil ist auf dem Vormarsch: Viele Hersteller wollen bekannte Modelle mit E-Motor anbieten. Foto: Shutterstock / Philip Lange

„Im E-Mobil reist man entspannter und bewusster“

2014 hat das Ehepaar Silling ihren Citroën Berlingo (Baujahr 2008) mit Zooom-Ausbau von der Firma Lorey in Offenbach zum E-Mobil umrüsten lassen. Neun europäische Länder und knapp 15.000 Kilometer haben die Münchner mittlerweile elektrisch bereist. Ihr Fazit: „Im E-Mobil reist man viel entspannter und sehr viel bewusster.“

Aber natürlich weniger spontan. Denn wer mit einem E-Camper unterwegs ist, hat heute meist nur eine Reichweite von 150 bis 200 Kilometer und muss seine Route somit genau planen. Wo immer möglich, haben die Sillings schon vorab Alternativen für ausgefallene oder defekte Ladepunkte gesucht. „Größere Zeitabschnitte im Detail zu planen macht wenig Sinn“, sagen sie.

Denn es ändert sich immer etwas. Nach einiger Übung haben wir häufiger die Ladepunkte so gewählt, dass unser Auto während unserer Sightseeing-Touren oder anderen geplanten Aktivitäten wie Einkaufen, Essen, Baden oder Übernachten geladen wurde.

Mobiles Internet: Wichtige Voraussetzung für den E-Camper

Die beiden raten allen E-Mobilisten darauf zu achten, möglichst immer mobiles Internet für die Ladepunkt- bzw. Stellplatzsuche zur Verfügung zu haben. Auch ein zuverlässiges Navi sei Pflicht. „Nichts ist ärgerlicher, als sich emobil zu verfahren. Was immer dann passiert, wenn’s gar nicht passt!“

Schon vor Reisebeginn sollte geklärt werden, welche Zugangskarten für die Ladesäulen benötigt werden und wie man sie bekommt. Denn nicht alles gibt es problemlos von unterwegs. Je nach Land gibt es große Unterschiede. So hat Deutschland zwar ein halbwegs dichtes Netz, aber viele unterschiedliche Zugangskarten. An der italienischen Riviera waren einige im Internet gelisteten Ladestationen laut Sillings hingegen gar nicht auffindbar oder nur mit italienischem Bankkonto verfügbar.

Weitergedacht

Nachhaltige Mobilität – wie geht das?

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Dass reisen mit dem E-Wohnmobil auch in urigen Regionen wie Neuseeland wunderbar funktionieren kann, zeigen zurzeit zwei französische Studentinnen. Solène und Héloïse aus Paris haben bereits 1.927 Kilometer durch das traumhaft wilde Land zurückgelegt und dafür 30 Mal ihren Miet-Camper der Firma Jucy aufgeladen, einen Nissan e-NV200 mit einer 24kWh Batterie.

Klar gab es unterwegs auch Zitterpartien, berichten die beiden. Doch bisher haben sie es immer noch rechtzeitig bis zur nächsten Steckdose geschafft. Und das obwohl ihr Fahrzeug nur eine Reichweite von 100 Kilometern aufweist.

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