Elektromobilität

Brennstoffzellen für Wohnmobile: Vorteile, Nachteile, Preise

von Peter Michaely

Wer sich im Wohnmobil autark mit Strom versorgen will, kann auf Solarmodule oder Brennstoffzellen zurückgreifen, um die Batterie an Bord zu laden.

Ein Wohnmobil steht an der Küste.
Autark von Campingplätzen: Eine Brennstoffzelle im Wohnmobil löst das Problem, immer einen Stellplatz mit Steckdose zu suchen. Foto: Shutterstock / joyfull

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Brennstoffzellen beim Camping sinnvoll sein können
  • Wie Wohnmobile autark vom Strom auf Campingplätzen werden
  • Was bei Einbau und Verwendung von Brennstoffzellen zu beachten ist

Schnell mal einen Kaffee gekocht oder die Ambientebeleuchtung eingeschaltet, damit es gemütlicher wird? Oder das Smartphone am USB-Stecker aufgeladen? Alles kein Problem in modernen Wohnmobilen. Denn die Hersteller tun alles, damit es beim Camping genauso gemütlich zugeht wie daheim.

Zuhause gilt: Der Strom kommt aus der Steckdose, weder Batterien oder Generatoren sind in Haus oder Wohnung dazwischengeschaltet. Doch im Wohnmobil sieht es anders aus.

In Wohnmobilen ist eine separate Aufbaubatterie für die Stromversorgung zuständig. Klingt gut, doch wer lieber abseits von Stellplätzen unterwegs ist, kennt das Problem: Weit und breit ist keine Ladesäule für Reisemobile zu finden. Und wenn man doch eine findet, fehlt womöglich das Kleingeld, um sie zu füttern.

Eine Alternative sind Stromaggregate, die mit Benzin betrieben werden, Dieselgeneratoren oder sogenannte inverte Stromerzeuger für Geräte, die empfindlich auf Spannungsschwankungen reagieren. Doch sie alle sind meistens laut und schädigen die Umwelt. Bleiben als Ausweg Brennstoffzellen und Solarmodule, damit ausreichend Strom zur Verfügung steht.

Wohnmobil-Batterie: Laden mit Brennstoffzelle oder Solarmodul?

Solarmodule für Wohnmobile gibt es bereits seit den 1980er Jahren. Die erste auch für Wohnmobile taugliche Brennstoffzelle namens SFC A25 stellte das bayerische Unternehmen Smart Fuel Cell jedoch erst 2003 vor. Sie wog zehn Kilo und gewann Strom aus Methanol.

In einer Brennstoffzelle werden normalerweise Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser umgewandelt. Bei dieser sogenannten kalten Verbrennung wird Energie freigesetzt, die einen E-Motor antreiben kann.

Weiterer Vorteil der effizienten Energieumwandlung mit Wasserstoff: Brennstoffzellen sind gegenüber Strom-Generatoren angenehm leise und im Vergleich zu Solarmodulen auch witterungsunabhängig.

Brennstoffzelle beim Camping: mobil, leise, umweltfreundlich

Dass die Technik bei Reisemobilisten ankommt, zeigt der Erfolg von SFC. Mittlerweile hat die Firma unter dem Produktnamen Efoy bereits rund 40.000 Brennstoffzellen verkauft – nicht nur für Wohnmobile, sondern auch für Boote und Wochenendhäuser. Die innovativen Generatoren laden die Bordbatterien in Wohnmobilen per integriertem Laderegler automatisch und schalten sich ab, wenn die Akkus voll sind.

Dadurch steigt auch die Lebensdauer der Batterie, da Verschleiß durch Tiefentladung vermieden wird. Zusätzlich zum Gerät benötigen Wohnmobilbesitzer einen Wechselrichter, damit auch herkömmliche 230-Volt-Geräte problemlos vom Stromerzeuger versorgt werden können.

Die Brennstoffzelle arbeitet mit Methanol

Die umweltfreundlichen Generatoren von SFC arbeiten nicht mit Wasserstoff, sondern mit Methanol aus Tankpatronen, also Alkohol. In den Brennstoffzellen wird mithilfe dieses Methanols sowie Sauerstoff aus der Umgebungsluft Strom erzeugt. Als Abfallprodukte fallen Wärme und Wasserdampf mit CO2 an.

Bei den Tankpatronen handelt es sich um Fünf- oder Zehn-Liter-Kanister, die mit Methanol gefüllt sind. Laut FSC reichen zehn Liter, um mithilfe des mobilen Generators rund 1000 Ausflüge auf dem Laptop zu planen oder 800-mal frischen Toast zu genießen.

Anders ausgedrückt: Bei der Erzeugung von einer Kilowattstunde Strom für die Batterie verbraucht der Generator 0,9 Liter Methanol. Zehn Liter reichen etwa einen Monat lang. Selbst althergebrachte Blei-Batterien bzw. Blei-Säure-Akkus können mit dem Generator leise und zuverlässig geladen werden.

Mehr als nur ein Notstromaggregat fürs Wohnmobil

Im Gegensatz zu mit Benzin betriebenen Notstromaggregaten ist der fest eingebaute Generator von Efoy eine echte Alternative für Wohnmobilfahrer, die bei der Stromerzeugung unabhängig vom Wetter und von Ladesäulen auf Stell- oder Campingplätzen sein wollen. Zumal sich Generator und Tankpatrone dank kompakter Bauart und spezieller Montagesätze problemlos in Außenfächer oder Heckgaragen von Wohnmobilen einbauen lassen.

Wer alles in einer Fachwerkstatt machen lässt, geht auf Nummer sicher. Dort kann der mobile Stromerzeuger schnell installiert werden. Im Gegensatz zum Betrieb mit Methanol sind Brennstoffzellen, die mit Wasserstoff arbeiten, deutlich aufwendiger, da die Speicherung von Wasserstoff technisch sehr kompliziert ist.

Ideallösung: Brennstoffzelle und Solaranlage kombinieren

Die Efoy-Generatoren leisten zwischen 40 und 105 Watt und ermöglichen Ladekapazitäten für die Batterie von 80 bis 210 Ah. Ihr Gewicht liegt zwischen 7,1 und 8,5 Kilo, und sie können bei Temperaturen zwischen -20 und +40 Grad Celsius eingesetzt werden.

Zum Vergleich: Der tägliche Strombedarf für Wohnmobile liegt zwischen 20 und über 40 Ah, je nach eingeschalteten Verbrauchern oder Jahreszeit.

Solaranlagen für Wohnmobile gibt es in Leistungsbereichen zwischen 25 und über 160 Watt. Mit den größten können alle notwendigen Verbraucher versorgt werden, also zum Beispiel Fernseher, Kühlschränke oder die Heizung. Sie bieten demnach zum Teil mehr Leistung als die Efoy-Brennstoffzellen - sofern die Sonneneinstrahlung ausreicht.

Wer in Sachen zuverlässige Stromversorgung ohne störende Emissionen ganz sicher gehen will, kann beide Systeme kombinieren. Die jeweils netzunabhängige Technik eignet sich natürlich nicht nur für Wohnmobile, sondern auch für Wohnwagen.

Eine Solaranlage aus der Nahaufnahme.
Strom aus der Sonne: Wohnmobile mit Solarmodulen gibt es seit den 1980er Jahren. Foto: Shutterstock / Master Video

Nachteil der Brennstoffzelle: die hohen Preise

Ein Nachteil der Efoy-Geräte ist ihr hoher Preis: Die Generatoren kosten je nach Vertragshändler zwischen ca. 2500 und ca. 5500 Euro, das Methanol ca. 30 Euro für fünf Liter. Zum Vergleich: Eine 100-Watt-Solaranlage kostet je nach Qualität mit Montage zwischen 200 und 500 Euro.

Womöglich ist der hohe Preis auch eine Folge des Alleinstellungsmerkmals: Generatoren unterschiedlicher Arten im Bereich Wohnmobile wie die 2012 vorgestellte und rund 7000 Euro teure Vega des Heizungsspezialisten Truma haben sich nicht durchgesetzt. Genau wie ein Generator von FC Power setzte dieses Gerät auf Flüssiggas. Doch FC Power hat seinen Generator namens Enyware nicht für Wohnmobile vorgesehen.

Erprobt wurden außerdem bereits Geräte, bei denen Diesel aus dem Tank durch Dampfreformierung in ein wasserstoffreiches Brenngas umgewandelt wird. Mithilfe dieser Technologie erzeugt die entsprechende Brennstoffzelle anschließend Strom.

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