Elektromobilität

Breitbandausbau: In den USA klebt Glasfaser auf dem Asphalt

von
Carsten Fischer

Oberirdisch verlegt: Um den Breitbandausbau zu beschleunigen, klebt ein amerikanisches Start-up Glasfaser auf den Straßenbelag.

Lichter einer Stadt, die an einem fahrenden Auto "vorbeifliegen".
Breitband auf dem Asphalt: Die Straße wird zur Datenautobahn. Foto: Shutterstock / Pozdeyev Vitaly

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie aus der sprichwörtlichen Datenautobahn eine reale werden könnte
  • Wie der Breitbandausbau günstiger und schneller vorangehen könnte
  • Warum sich die Klebelösung vielleicht eher als Provisorium erweist

Das amerikanische Start-up Traxyl hat ein Verfahren patentieren lassen, das den Breitbandausbau in entlegene Gegenden signifikant anschieben könnte: Mit einem speziellen Kunstharz will der Gründer Daniel Turner die dafür notwendige Glasfaser kurzerhand auf den Straßenasphalt kleben – Elektromobilität mal anders.

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Breitband auch auf dem Land

Das übliche Verfahren, um eine Region an das schnelle Breitband anzuschließen, ist aufwendig und entsprechend teuer: Schwere Baufahrzeuge und Bagger müssen zunächst die Asphaltdecke anheben, um darunter Gräben zu ziehen. In diese werden anschließend die Glasfaserkabel verlegt.

Meistens geschieht das im Zusammenspiel mit anderen Tiefbauarbeiten, um Kosten zu senken. Bedeutet allerdings auch, dass mit dem Verlegen der Kabel meist gewartet wird, bis eben andere Arbeiten anstehen.

Alternativ hat sich das sogenannten Trenching etabliert, das mittlerweile häufig zum Verlegen von Glasfaserleitungen genutzt wird. Eine Fräsmaschine schlitzt dabei die Oberfläche des Belags auf, sodass ein schmaler Spalt entsteht. In diese Schlitze lassen sich die Leitungen relativ schnell und, ohne viel Platz zu beanspruchen, verlegen.

Je nach Tiefe variiert der Preis pro verlegtem Meter zwischen 45 bis 70 Euro, ist insgesamt aber immer noch niedriger als beim Tiefbauverfahren mit 70 bis 100 Euro pro Meter.

Trenching ist also kostengünstiger und nimmt weniger Zeit und Aufwand in Anspruch. Dennoch muss auch allein dafür die Straße während der Verlegungsarbeiten zumindest teilweise gesperrt werden.

Traxyl will mit ihren Fibertrax die Vorteile beider Methoden zu einer effizienteren und kostengünstigeren verheiraten.

Mit Glasfaser auf die Datenautobahn

Daniel Turners Anstoß, nach einer Lösung für einen schnellen und günstigen Breitbandausbau zu suchen, war sein Vater. Turner Senior lebt in einer Gegend, wo schnelles Internet noch nicht verfügbar ist.

Daniel Turner, Geschäftsführer von Traxyl, sagt dazu: "Mein Vater lebt in einer abgelegenen Ecke von Virginia, und hatte große Schwierigkeiten, eine stabile und schnelle Internetverbindung zu bekommen. Das war der Anstoß."

Straßen verbinden uns alle.

Daniel Turner, Geschäftsführer von Traxyl

Der Gründer von Traxyl hat daraufhin über bereits vorhandene Infrastrukturen nachgedacht, um eine Inspiration für einen einfachen Ausbau zu finden. Telefonleitungen, Abwasserkanäle, Strom – da gibt es einige großangelegte Infrastrukturen, wenn sie auch nicht zwingend überall gleichartig aufgebaut sind.

Wasser und Strom etwa kann in lokalen Netzen befördert werden, das Straßennetz dagegen ist im Prinzip überall ähnlich und durchgängig verbunden. Daniel Turner fand es daher am naheliegendsten, Datenleitungen mit Straßen zu koppeln.

"Als ich über bereits vorhandene Infrastrukturen nachdachte, hat es mich geradezu angesprungen: Straßen verbinden uns alle", so Daniel Turner weiter.

Glasfaserleitung und Fahrbahnmarkierung in einem

Auf der Suche nach den richtigen Materialien für seine Idee half ihm der Umstand, dass seine Schwester Zahnärztin ist. Ein zahnmedizinisches Material ist die Basis für den Klebstoff, mit dem er seine Datenautobahn verkleben will.

Er mischte den Stoff, der mit Hilfe von UV-Licht für Zahnfüllungen aushärtet, mit einem weiteren extrem widerstandsfähigen Kunstharz (Methylmethacrylat). Mit dem daraus entstandenen Zweikomponentenkleber will Turner letztlich das Glasfaser auf den Asphalt kleben.

Das Polymergemisch kann zudem für Fahrbahnmarkierungen eingesetzt werden und schützt die darunter verklebten Datenleitungen vor Witterungseinflüssen und den Belastungen durch den darüber rollenden Verkehr.

Um sicher zu stellen, dass Fibertrax auch großer Belastung standhalten kann, ließ Turner unter anderem Schneepflüge und Müllfahrzeuge über den beklebten Belag fahren. Das Ergebnis: Die darin befindlichen Glasfaserkabel blieben unbeschädigt.

"Da Fibertrax sich kaum vom Boden abhebt, bietet es auch keine Kante, an der etwas hängen bleiben könnte", so Turner.

Weil Fibertrax sich unter anderem als Fahrbahnmarkierung nutzen lässt, ist es theoretisch möglich, das Glasfaser auf beiden Seiten einer Fahrbahn auf den Asphalt zu verkleben. So wären Haushalte nicht plötzlich ohne Internet, weil ein Streifen beschädigt wurde.

Darüber hinaus ließen sich defekte Kabel leichter erneuern, weil dafür nicht extra der Belag geöffnet werden muss und die Beschichtung nur etwa eine Viertelstunde braucht, um zu trocknen.

Langzeittests stehen noch aus

Im Idealfall soll die Methylmethacrylat-Beschichtung bis zu zehn Jahre halten. Das hängt natürlich von der Belastung und den Wettereinflüssen ab. Zumal es noch keine Langzeittests gibt, auf die sich diese Annahme stützt.

Die Datenautobahn ist vor allem für ländliche Regionen interessant oder als Interimslösung für die sogenannte “letzte Meile”, also die Strecke zwischen Verteilerknoten und Haushalt. Eben auch, weil die Kosten niedrig sind. Pro Meter koste Fibertrax ungefähr zwölf Euro, eventuell sogar weniger, kalkuliert Turner – ein vergleichsweise günstiger Netzausbau.

Breitbandausbau im Testbetrieb

Aktuell wacht Traxyl über sechs Pilotprojekte in drei US-Bundesstaaten, um die Zuverlässigkeit und auch die Widerstandsfähigkeit der verklebten Datenleitungen im Langzeitbetrieb zu testen.

Eines der Projekte liegt in Stillwater, Oklahoma, und läuft bereits seit Mai 2017. Klimatisch ist die Lage keine Herausforderung für den Kleber, der Ort hat ein mildes kontinentales Klima mit wenigen Temperaturausreißern nach oben oder unten.

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Allerdings ist das dort verklebte Breitband über einen Parkplatz verlegt und speist das Verkehrskontrollsystem der Stadt. Die oberflächlich verklebte Leitung wird unter anderem von Lkw und Gabelstaplern überfahren – bisher ohne Ausfälle.

Auch wenn Zweifler die langfristige Haltbarkeit in Frage stellen mögen: Schneller und günstiger kann man den – zumindest vorläufigen – Breitbandausbau wohl nicht vorantreiben.

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