Technik

Boeing 737: War die autonome Technik am Absturz schuld?

von
Leonie Butz

Experten haben es vorausgesagt: Autonome Technik in Flugzeugen kann gefährlich werden – besonders dann, wenn das Personal nicht ausreichend geschult ist.

Eine Boeing 737 Max 8 beim Start.
Darf nicht mehr abheben: Momentan ist ein weltweites Startverbot für die Serie Boeing 737 Max verhängt. Foto: picture alliance / Xinhua News Agency

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Fehlfunktionen in autonomer Technik für Flugzeuge fatal sind
  • Warum auch die fehlende Schulung des Personals problematisch ist
  • Weshalb möglicherweise auch der Absturz der Boeing 737 Max 8 damit zusammenhängt

Offenbar sind die beiden jüngsten Abstürze der Boeing 737 Max in Indonesien und Äthiopien zumindest teilweise auf Fehlfunktionen in der autonomen Technik und eine fehlende Schulung der Piloten in Hinblick darauf zurückzuführen. Darauf deutet ein Sicherheitsreport des Future Aviation Safety Teams (FAST) hin, über den das Wall Street Journal berichtet.

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FAST betrachtet Fehlfunktionen der autonomen Technik in Kombination mit nicht ausreichend geschultem Personal von 2004 bis 2016. Aus Analysen von Flugzeugabstürzen zwischen 2009 und 2014 geht demnach hervor, dass sich bei fünf Anstürzen ein solcher Zusammenhang nachweisen lässt. Etwa bei einem Air-France-Flug, bei dem das Personal mit der automatischen Steuerfunktion überfordert war und nicht wusste, wie es manuell eingreifen konnte. Bei dem Absturz starben alle 228 Passagiere an Bord.

War die autonome Technik schuld am Absturz der Boeing 737 Max 8?

FAST weist zusätzlich auf zahlreiche Beschwerden hin, die Piloten über das automatische Steuersystem Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) in den vergangenen Jahren getätigt haben. Hier ist immer wieder die Rede davon, dass der Computer das Steuer übernimmt und das Personal nicht weiß, wie es manuell eingreifen soll.

Ähnliches berichtet das Wall Street Journal über den vorletzten Flug der Unglücksmaschine in Indonesien. Hier kam es offenbar zu ähnlichen Problemen wie beim Absturz am nächsten Tag – ein geschulter Pilot konnte die Situation jedoch unter Kontrolle bringen. Scheinbar fehlte dieser aber am nächsten Tag, wodurch der Absturz im Oktober vergangenen Jahres nicht verhindert werden konnte.

Bei der Boieng 737 Max 8, bei der auch das immer wieder kritisierte MCAS zum Einsatz kommt, scheint aber auch eine weitere Besonderheit problematisch: Hier sitzen die Motoren weiter vorne an den Flügeln als bei älteren Modellen. Offenbar neigen diese Motoren eher dazu abzuschalten, wenn die Schnauze des Flugzeugs zu hoch zieht. Hier greift dann das MCAS ein, das die Schnauze automatisch senkt.

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Eine Boeing 737 Max 8 auf dem Rollfeld.
Auswertungen und Analysen von Experten müssen jetzt klären, was letztendlich zum Absturz der Boeing 737 Max 8 führte. Foto: picture alliance/dpa

MCAS: Den Piloten fehlte das Training

Scheinbar lag hier auch das Problem bei dem abgestürzten Flugzeug in Indonesien, das berichtet das Online-Magazin Gizmodo. Falsche Sensordaten zeigten dem System an, dass die Schnauze des Flugzeugs zu hoch war. Das MCAS wollte diese somit nach unten korrigieren. Erste Betrachtungen zeigen, dass der Pilot wohl 21 Mal versuchte, die Schnauze wieder nach oben zu ziehen – der Computer drückte sie aber immer wieder nach unten. Ein ähnliches Bild zeichnete sich offenbar auch bei dem Flug in Äthiopien ab – bisher ist hier die Datenauswertung des Absturzes im März aber noch nicht abgeschlossen.

Das größte Problem dabei scheinen jedoch die fehlende Anleitung und das nicht vorhandene Training der Piloten zu sein, die mit der Übernahme des Systems überfordert waren. Die Anschuldigung steht im Raum, dass Boeing hier an der falschen Stelle gespart habe, als das Unternehmen auf zeitaufwändige und kostspielige Trainings verzichtete. Bis der Fall aber vollständig geklärt ist, gilt weiterhin ein Flugverbot für die Serie Boeing 737 Max.

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