Gesundheit

Bluthochdruck und Schlafstörungen: Die Leiden der Berufspendler

von Carola Franzke

Auf einer mehrspurigen Straße stehen Autos im Stau
Besonders Fernpendler leiden unter der langen Anreise zum Arbeitsplatz. Foto: Shutterstock / Kichigin

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie stark die Zahl der Berufspendler ansteigt
  • Was die Hauptursache für lange Arbeitswege ist
  • Wie weit Arbeitnehmer in anderen Ländern pendeln müssen

Immer mehr Berufspendler sind gezwungen, weite Arbeitswege auf sich zu nehmen. aio sagt, wie sich das auf die Gesundheit auswirkt und was Experten raten.

Immer mehr Berufspendler

Die Entfernungen werden weiter, die Fahrtzeiten länger: Mehr als 18 Millionen Menschen sind Berufspendler, das sind fast 60 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Der Anteil derjenigen, die weite Strecken zurücklegen, ist dabei in den letzten Jahren am stärksten gewachsen. Inzwischen ist jeder vierte Erwerbstätige mindestens eine Stunde zu seinem Arbeitsplatz unterwegs, Tendenz weiter steigend. Mit den Entfernungen steigt auch der Stress.

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Hohe Mieten als Hauptursache

Knapper Wohnraum und hohe Mieten, besonders in den Ballungszentren, sind die Hauptursachen für die steigenden Pendlerzahlen. Folgerichtig ist München nicht nur die Stadt mit den legendär hohen Mieten und generell dem kostspieligen Leben, sondern auch diejenige mit den meisten Pendlern: Rund 365.000 Menschen wohnen nicht dort, wo sie arbeiten, sondern im bayrischen Umland.

Wenn die Miete im Stadtzentrum zu hoch wird, ziehen die Arbeitnehmer in Vororte und Trabantenstädte und fahren länger zur Arbeit. Die Folgen können dramatisch sein: Bluthochdruck, Übergewicht, Schlafstörungen und sogar Depressionen sind keine Seltenheit.

Fernpendler, die mehr als zwei Stunden unterwegs sind, leiden besonders unter den Belastungen der langen Fahrtwege.

Bei dieser Entwicklung ist kein Ende in Sicht, denn die Mieten in begehrten Wohnlagen steigen schneller als die Gehälter – in der Folge können sich immer weniger Menschen das Wohnen in der Stadt leisten oder scheuen einen Umzug, wenn sie bezahlbaren Wohnraum gefunden haben.

Für Pendler sind gute Ratschläge teuer

Gegen die Belastungen empfehlen Experten Ausgleich durch Sport, und Entlastung in Haushalt und Kindererziehung, damit noch Zeit für die Familie bleibt. Auch flexible Arbeitszeitmodelle können Abhilfe schaffen: Die Fahrtzeiten reduzieren sich auf vielen Strecken, wenn man nicht zu Stoßzeiten unterwegs ist.

Für viele Pendler könnten die Expertentipps allerdings wie Hohn wirken – denn sowohl das Geld für die Putzfrau als auch die Zeit fürs Fitnessstudio hat einfach nicht jeder.

Bleibt die Hoffnung auf (bezahlbare) autonome Autos. Eine Hoffnung, die dank technischer Entwicklungen und den vielen Praxistests – vor allem auf kalifornischen Straßen – immer realistischer wird.

Irgendwann wird der Traum eines jeden Berufspendlers wahr: einfach nur einsteigen und Zeitung lesen, oder bis zur Ankunft ein Nickerchen machen. Dann dürfte pendeln auch nicht mehr krank machen, und teure Mieten werden zur Nebensache.

Arbeitswege im Ausland

Der Traum vom stressfreien Pendeln wird auch andernorts geträumt, denn was ein zumutbarer Arbeitsweg ist, kann man als sehr relativ betrachten: Während deutsche Pendler im Durchschnitt nur gute zehn Kilometer in rund 40 Minuten zurücklegen, brauchen Belgier im Schnitt mehr als 50 Minuten zur Arbeit. In New York sind sogar mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer eine Stunde und länger unterwegs.

In Japan liegt die durchschnittliche Pendeldauer überraschenderweise nur bei 1 Stunde 20 Minuten: Dort täuscht der Durchschnitt gewaltig über die großen Unterschiede hinweg.

Innerhalb einer der größeren Städte liegt die Pendeldauer um eine Stunde, doch es ist keine Seltenheit, dass täglich zwischen Städten gependelt wird. Da sind zwei bis drei Stunden pro Strecke nicht unüblich, und schlafende Männer im gepflegten Businessanzug sind auf Tokioter Bahnhöfen ein normaler Anblick.

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