Technik

Bitcoin-Manipulation per Bot: Ein millionenschweres Problem

von Marten Zabel

Experten warnen: Bitcoin-Bots können den Kurs massiv manipulieren. Das macht einige Nutzer schneller reich, als Kryptowährung selbst zu schürfen.

Kursgrafik auf Laptop
Künstliche Ausschläge: Bots können den Bitcoin-Kurs beeinflussen. Foto: CC0: Unsplash/Chris Liverani

Das erfahren Sie gleich:

  • Der Kurs der Kryptowährung Bitcoin war in den letzten Jahren von starken Kursschwankungen geprägt
  • Forscher haben diese untersucht und festgestellt, dass Bitcoin stark von Bots manipuliert wird
  • Selbst für risikofreudige Investoren stellt sich damit die Frage nach der Sicherheit von Bitcoins

Bitcoin-Bots haben früh manipuliert

Eine Gruppe aus Wirtschafts- und IT-Experten hat einen genauen Blick darauf geworfen, wie sich Bitcoins mit Bots manipulieren lassen. Ihr Ergebnis ist erschreckend: Bereits im Jahr 2013, lange vor dem Hype um Kryptowährungen, haben automatisierte Programme die Kurse durch gezielte Kauf- und Handelsaktionen beeinflusst. Später kamen Fake News als Manipulationswerkzeug hinzu, was die Sicherheit der Währung noch fragwürdiger macht. Dennoch bleibt es ein riesiges Geschäft, Bitcoins zu schürfen und zu handeln.

Zwei Bots brachten im Jahr 2013 praktisch im Alleingang den Wechselkurs von 150 auf 1000 Dollar.

Die Preismanipulation von Bitcoin per Bot wurde in einer wissenschaftlichen Arbeit erforscht, die jetzt im Journal of Monetary Economics veröffentlicht wurde. Das Forscher-Quartett aus Neil Gandal, JT Hamrick, Tyler Moore und Tali Oberman konnte auf der Bitcoin-Handelsplattform "Mt. Gox Bitcoin Currency Exchange" gleich zwei Bots aufspüren, die im Jahr 2013 praktisch im Alleingang den Wechselkurs der Währung von 150 auf 1000 Dollar gebracht haben.

Bitcoin-Sicherheit: Bots und Fake News

Die Forscher haben die beiden Bots Markus und Willy getauft. Markus handelte mit Bitcoin, ohne Transaktionsgebühren zu zahlen. Willy tauchte wenige Stunden nach dem Ende von Markus' Aktivitätsphase auf, um in kurzer Zeit viele Bitcoins zu kaufen. 49 Konten betrieb Markus, und jedes davon erwarb Kryptowährung im Wert von 2,5 Millionen Dollar. Das trieb den Preis ordentlich in die Höhe. An Tagen, an denen der Bot aktiv war, stieg der Kurs um 20 Prozent, an allen anderen Tagen befand er sich leicht im Abwind.

Hohe Fluktuationen bei den Transaktionskosten machen die Kryptowährung als reguläres Zahlungsmittel unpraktisch.

Mit derartigen Kursgewinnen kann ein einzelner Anleger natürlich sehr reich werden. Entsprechend viele, teils sehr erfolgreiche, Versuche der Manipulation von Bitcoin hat es in der Zwischenzeit bereits gegeben. Bekannt wurde unter anderem die gezielte Streuung von Fake News als Werkzeug am Markt. Politik und Finanzen lassen sich gleichermaßen mit Gerüchten und Falschmeldungen manipulieren. So stieg der Bitcoin-Kurs im Herbst 2017 nach einem Bericht auf Squawker Media. Dort hieß es, dass Amazon die Kryptowährung demnächst als Zahlungsmittel akzeptieren würde. Realistisch war dies bereits damals nicht. Hohe Fluktuationen bei den Transaktionskosten machen die Kryptowährung als reguläres Zahlungsmittel so unpraktisch, dass zum Beispiel der Spieledienst Steam sie wieder aus dem Programm genommen hat.

Zeitungen in Zeitungsständer
Echte News oder Fake News? Mit Falschmeldungen versuchen Kriminelle, den Bitcoin-Kurs zu manipulieren. Foto: CC0: Unsplash/G. Crescoli

Keine Regeln beim Kryptowährung-Schürfen

An der Börse ist Manipulation fast überall auf der Welt ein Verbrechen, bei dem Ermittler und staatliche Strafverfolgung einschreiten. Bitcoins sind dagegen ein noch weitgehend unregulierter Markt: Privatnutzer und inzwischen überwiegend professionelle Anbieter schürfen Bitcoins vor allem in günstigen Regionen, sie kaufen und verkaufen anonym auf der ganzen Welt. In einigen Ländern – Südkorea und China allen voran – wurden die Handelsplattformen inzwischen verboten. Der Staat sieht in den Bitcoin-Aktivitäten nämlich einen unkontrollierbaren Finanzschauplatz und nebenbei auch noch ein unkalkulierbares Risiko für seine Bürger.

Die unsichere Investitionslage der Kryptowährung macht Anleger anfällig für Gerüchte, die sich direkt auf den Kurs auswirken können.

Vor allem in der Frühphase von Bitcoin, als Nutzer die Kryptowährung noch auf ihren Laptops schürfen konnten, waren technische Manipulationen durch einzelne Großanleger sehr einfach. Die unsichere Investitionslage der Kryptowährung macht Anleger anfällig für Gerüchte, die sich direkt auf den Kurs auswirken können. Das dürfte sich erst legen, wenn sich Bitcoin irgendwann bei einem halbwegs stabilen Wert eingependelt hat, der es dann auch zu einer nutzbaren Zahlungsmöglichkeit macht.

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