Abonnieren Sie kostenlos unsere Updates zum Thema Technik

Anmelden

Technik

Bisher nur freiwillig: Abbiegeassistenten sehen in tote Winkel

von Paul Bandelin

Der Tote Winkel bei Lkw ist eine der größten Gefahren für Radfahrer – deshalb will die EU-Kommission Abbiegeassistenten verpflichtend machen.

Ein weißer Rechtsabbieger-Pfeil auf Asphalt.
Neue Abbiegeassistenten für Lastwagen sollen künftig den toten Winkel einsehbar machen. Foto: Shutterstock / Sandra Matic

Das erfahren Sie gleich:

  • Weshalb Abbiegeassistenten für Lkw bald vorgeschrieben sein könnten
  • Wie moderne Assistenten den toten Winkel komplett scannen sollen
  • Warum deutsche Spediteure bisher kaum Assistenten nutzen

Laut einem Bericht des Fahrradclubs ADFC kommt es allein auf deutschen Straßen beim Abbiegen von Lkw jährlich zu 23 Todesfällen bei Radfahrern. Ist der Unfall einmal passiert, endet dieser in 95 Prozent aller Fälle mit einer schweren Verletzung oder dem Tod. In 90 Prozent der Fälle ist die Schuld bei den Lkw-Fahrern zu suchen, weil sie den Toten Winkel nicht einsehen (können).

Lesen Sie auch

Ladestation

aio-Empfehlung

Unter Strom! Mobilität wird elektrisch

Etliche Hersteller entwickeln deshalb derzeit Abbiegeassistenten, die im Zweifel Leben retten können. Diese strotzen aber noch vor technischen Problemen. Die EU-Kommission will die Technik verpflichtend machen – geschehen ist aber noch nichts. Und das, obwohl der Tote Winkel ein bekanntes Problem ist.

Abbiegeassistent bald Pflicht für Lkw?

Das Problem für den Fahrer ist, dass es einen verhältnismäßig großen Bereich gibt, den er nur bedingt oder überhaupt nicht einsehen kann. Vier Außenspiegel sind zwar gesetzlich festgelegt – trotzdem gibt es einen uneinsehbaren Bereich, in dem locker eine Schulklasse Platz findet. Dort den Überblick zu behalten, ist extrem schwierig.

Lastwagen ohne Abbiegeassistenten dürfen nicht in Städten fahren.

Ökologischer Verkehrsclub Deutschland

Um die verheerende Unfallquote nach unten zu korrigieren, sollen Warngeräte künftig bei Lkw verpflichtend sein. Derzeit gibt es die Option der Nachrüstung sowie des Erwerbs in einem neuen Lkw. Eine Ergänzung liegt momentan bei rund 2.500 Euro. Das Problem dabei ist die hohe Fehlerrate. Manchmal erhalten Fahrer eine Meldung, obwohl sich niemand im toten Winkel befindet und manchmal schaltet sich der Abbiegeassistent von alleine ab.

Toter Winkel komplett gescannt

Einer der wenigen Lkw-Bauer, die ein System zur Vermeidung von Abbiegeunfällen anbieten, ist Mercedes. Im Gegensatz zu anderen Varianten lässt es aber nicht nachträglich einbauen, sondern muss von vornherein integriert sein. 2016 auf der IAA (Internationale Automobil-Ausstellung) vorgestellt, sind nur zwei Prozent der ausgelösten Alarme fehlerhaft.

Ein Fahrradfahrer und ein Lkw demonstrieren einen neuen Abbiegeassistenten.
Das Radarsystem von Mercedes warnt Lkw-Fahrer, wenn sich ein Radfahrer im toten Winkel befindet. Foto: picture alliance/dpa

Das Radar scannt die komplette rechte Seite des Lkw samt des Bereichs vor ihm und somit auch den toten Winkel. Detektiert das System Fußgänger oder Radfahrer und steht eine Kollision bevor, leuchtet eine Lampe im Führerhaus und ein akustisches Warnsignal ertönt.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Technik immer informiert.

Im Jahr 2007 präsentierte der schwedische Lkw-Hersteller MAN einen Abbiegeassistenten und erhielt dafür einen Preis für Sicherheitsinnovationen. In Serie ging die Idee allerdings nie. Alternativ bietet Volvo derzeit ein kamerabasiertes Assistenzsystem an. Wobei dort der Nachteil in der praktischen Anwendung liegt. Der Fahrer erkennt eine Gefahr nur dann, wenn er die Augen permanent auf den Monitor richtet und sich nicht der Straße widmet. Hier wären autonome oderteilautonome Lkw wohl im Vorteil.

Zu hohe Kosten für deutsche Spediteure

Obwohl die neue Bundesregierung sich dem Thema angenommen und es im Koalitionsvertrag verankert hat, gibt es noch kein Gesetz, das einen Abbiegeassistenten vorschreibt. Die Spediteure wollen so lange wie möglich sparen. Wegen der geringen Margen benötigen sie günstige Fahrzeuge. Die Optimierung einer ganzen Flotte käme somit aufgrund der billigen Konkurrenz – etwa aus Osteuropa – einer Bankrotterklärung gleich. Aber wenn Lkw erst einmal zu großen Teilen autonom fahren, müssen Spediteure sowieso umdenken.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen