Leben

Biomasse: Ist Heizen mit Holz heute noch okay?

von Peter Michaely

Das Heizen mit Holz ist in die Kritik geraten. Doch diese Form der Wärmegewinnung muss kein Auslaufmodell sein. Sieben Tipps für den richtigen Umgang.

Der Blick aus dem Wald auf Baumkronen.
Die Treibhausgasbilanz von Biomasse ist besser als diejenige von fossilen Rohstoffen. Foto: Unsplash/ Yuxiang Zhang

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Heizen mit Holz in die Diskussion geraten ist
  • Wie Energie aus Biomasse nachhaltig bleibt
  • Was Nutzer einer Holzheizung beachten sollten

Bioenergie ist umstritten

Noch vor einigen Jahren schienen nachwachsende Rohstoffe als Energieträger der Schlüssel für die Lösung vieler Versorgungsprobleme zu sein. Bis 2020 sollten 20 Prozent des Energiebedarfs der Europäischen Union aus solchen erneuerbaren Energieträgern stammen.

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Doch Bioenergie ist in die Kritik geraten. Denn trotz ihrer gegenüber fossilen Energieträgern teils besseren Treibhausgasbilanz kann sich der Anbau von Biomasse negativ auf Mensch und Umwelt auswirken. Das hat das Umweltbundesamt (UBA) festgestellt.

Biomasse: Teller oder Tank?

Größtes Problem ist, dass Anbaubiomasse für die energetische Nutzung in Konkurrenz zur Produktion von Nahrungsmitteln und Futtermitteln steht – und vor allem den Menschen in Entwicklungsländern das Leben erschwert. Deshalb wird diese Kontroverse auch als Teller-oder-Tank-Debatte bezeichnet.

Das Umweltbundesamt hat hierzu schon vor Jahren klar Position bezogen: Laut UBA müssen Nahrungsmittel Vorrang vor der Energieproduktion haben. Außerdem sollten globale Landflächen und Biomasse nachhaltig und ressourcenschonend genutzt werden. In einfachen Worten: Der Anbau von Biomasse verschlingt große Flächen.

Biomasseheizung: 50 Prozent Ersparnis

Bedeutet das im Umkehrschluss, dass das Heizen mit Holz ein Auslaufmodell ist, ganz gleich ob mit Stückholzheizungen, Pelletofen oder Hackgutheizungen?

Glaubt man den Anbietern entsprechender Anlagen, ist diese Art der Wärmegewinnung nicht nur nachhaltig, sondern auch kostengünstig – auch dank öffentlicher Fördermöglichkeiten. Im Vergleich zu einer mit fossilen Brennstoffen arbeitenden Heizungsanlage könne mit einer Biomasseheizung mehr als die Hälfte der laufenden Heizkosten eingespart werden.

Denn mithilfe der Bioenergie hätten die Nutzer die Möglichkeit, sich von der globalen Versorgungs- und Preisentwicklung für fossile Brennstoffe abzukoppeln. Allerdings ist Heizen mit Holz nur dann klimafreundlich, wenn lediglich so viel gerodet wird, wie nachwachsen kann. Dann absorbieren die nachwachsenden Bäume das bei der Verbrennung ausgestoßene Kohlendioxid.

Sieben Antworten zum Heizen mit Holz

1. Woher soll das Brennmaterial kommen?

Holz sollte am besten aus der Nähe des Hauses geschlagen werden, in dem sich die Heizung befindet. Muss das Holz über große Entfernungen transportiert werden, verschlechtert das die Klimabilanz. Pellets werden demgegenüber quasi als Recyclingprodukt aus Säge- oder Hobelspänen hergestellt.

2. Welche Brennstoffe sind verboten?

Holz, das gestrichen oder mit Holzschutzmitteln behandelt ist, ist als Brennstoff nicht erlaubt. Gleiches gilt für Spanplattenreste, Papierbriketts oder Paraffinbriketts.

3. Was gilt für die Heizungsanlage?

Sie muss sich auf dem neuesten technischen Stand befinden, denn das Heizen mit Holz birgt auch Gefahren. Feinstaub sowie schädliche Stickstoff- und Schwefeloxide können ebenso entstehen wie giftiges Kohlenmonoxid und klimaschädliches Methangas (bei unvollständiger Verbrennung).

Moderne Heizkessel überwachen mit Sensoren selbstständig das Emissionsverhalten, sodass die Verbrennung kontrolliert und optimiert wird. Bleibt nur weißes Puder übrig, ist sie optimal. Wichtig: Besonders umweltfreundliche Anlagen tragen das Gütezeichen „Blauer Engel“ (Pelletöfen oder -kessel) oder „DINplus“ (Scheitholzanlagen).

Gestapeltes Holz.
Herkunft, Verarbeitung und die richtige Wartung der Anlage: Das sollten Sie beim Heizen mit Holz beachten. Foto: Unsplash/ rawpixel

4. Welche Anlage ist die richtige?

Von der Einzelraumfeuerungsanlage (Kamine, Raumheizer, Kachelöfen, Pelletöfen) bis zum Zentralheizungskessel (für Stückholz, Pellets oder Hackschnitzel): Der Vielfalt sind kaum Grenzen gesetzt.

Wichtig ist die richtige Größe für den jeweiligen Einsatzzweck. Eine Beratung durch einen qualifizierten Heizungsbauer oder Schornsteinfeger ist daher unerlässlich. Übrigens: Offene Kamine verursachen hohe Emissionen bei geringem Wirkungsgrad und eignen sich deshalb nicht zum Dauerbetrieb.

5. Was muss ich beim Brennstoff beachten?

Scheitholz muss etwa ein bis zwei Jahre trocknen, bevor es als Brennstoff verwendet werden kann. Es sollte vor Regen geschützt und gut belüftet gelagert werden. Für Holzbriketts und Holzpellets gibt es verschiedene Qualitätsnormen. Vor allem sollten sie der Norm DIN EN ISO 17225-3 entsprechen.

Für das Anheizen und den späteren Betrieb unbedingt die Hinweise in der jeweiligen Bedienungsanleitung beachten! Die kalte Asche kann in der Mülltonne entsorgt werden, wobei möglichst wenig gesundheitsschädlicher Staub aufgewirbelt werden sollte.

6. Wie oft muss die Anlage gewartet werden?

Mindestens einmal im Jahr – am besten vor Beginn der Heizperiode durch einen Fachmann. Starke Ablagerungen und schwarzer Rauch sind ein Indiz dafür, dass die Verbrennung nicht optimal verläuft und gegebenenfalls eine Zusatzwartung ansteht. Eine Beratung durch den Schornsteinfeger ist Pflicht (inklusive Kontrolle des Brennstofflagers).

Die wichtigste rechtliche Vorschrift ist die 1. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz, die Vorgaben für die Einrichtung, den Betrieb und die zulässigen Brennstoffe macht. Für alte Anlagen gelten individuelle Übergangsfristen für die Einhaltung der Grenzwerte. Gegebenenfalls müssen sie später mit einem Staubabscheider nachgerüstet werden.

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7 Gibt es öffentliche Fördermittel für Holzfeuerungsanlagen?

Das Bundeswirtschaftsministerium unterhält eine eigene Förderdatenbank. Zum Marktanreizprogramm für Erneuerbare Energien gibt es Informationen beimBundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), auch über förderfähige Staubabscheider.

Fazit: Heizen mit Holz hat nach wie vor Zukunft

Energie aus Bioenergie ist nachhaltig, wenn die Nutzer auf nachhaltigen Anbau und kurze Transportwege achten. Wer sich für eine Holzheizung – im Behördenjargon „Kleinfeuerungsanlage“ – entscheidet, sollte die Tipps von aio berücksichtigen, damit er sie umweltfreundlich und kostengünstig betreiben kann. Übrigens: In Australien arbeiten Forscher gerade an einem umweltfreundlichen Treibstoff aus Holz.

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