Leben

Biohacking: So geht Genforschung zuhause

von Sabrina Lieb

Beim Biohacking nutzen Privatleute Baukästen, um genetische Nachweise durchzuführen. Wie eine globale Szene sich mit der modernen Biologie befasst.

Detailansicht eines DNA-Strangs vor grünem Hintergrund
Das Ziel des Biohacking: Mit den angebotenen Kits können Laien ihr Erbgut analysieren – und teilweise sogar verändern. Foto: Pixabay/Thor_Deichmann

Das erfahren Sie gleich:

  • Biohacker experimentieren mit Erbgut und Organismen
  • Das Forschungsequipment zur Selbstoptimierung ist heute für viele erschwinglich
  • Das Bundesministerium für Verbraucherschutz warnt vor ausländischen Kits

Biohacking: Forschen an Selbstoptimierung

Sie wollen die Biologie und die eigenen Prozesse besser verstehen. Um ihren Körper zu „hacken“, experimentieren sie an Organismen und Erbinformationen. Biohacker tüfteln nicht an Programmiersprachen und doch ähneln sie den Computerhackern der 70er Jahre. Was sie suchen? Die bestmögliche Version ihrer Selbst – die völlige Selbstoptimierung.

Mit Biohacking-Kits zuhause forschen

Sie forschen in ihren heimischen Küchen, Kellern, Garagen oder - wie im Fall Rüdiger Trojok - in der Studentenbutze. 2009 war der Freiburger Student, der heute als Molekularbiologe den Bundestag zu Synthetischer Biologie berät, einer der Ersten in der Biohacker-Szene. In seinem kleinen Heimlabor dauerte es nicht lang, bis der damalige Biologiestudent seine eigene DNA anhand von weißen Schlieren sichtbar gemacht hatte.

In der Zwischenzeit hat sich eine ganze Community aus Bürgerwissenschaftlern entwickelt, die sich in Internetforen und auf Biohacking-Plattformen über ihre Garagen-Experimente austauschen. Vom eigenen genetischen Fußabdruck über Bakterien, die die Temperatur beeinflussen bis in zu Fischen, die Energie aus Sonnenlicht gewinnen – die Bandbreite der Projekte aus der Riege der Hobbyforscher ist bunt gemischt.

Ein Thermocycler-Bausatz kostet im Internet gerade mal noch 500 Euro. Damit kann im Grunde jeder Laie Nachweise über sein Erbgut durchführen.

Ein Mann hält eine Pipette und ein Reaktionsgefäß
Ab ins Röhrchen: Die Kosten für die Selbstoptimierung via Biohacking sind überschaubar. Foto: picture alliance / Sven Hoppe/dp

Neben Amateuren sind in der Zwischenzeit auch viele junge Wissenschaftler in der Szene der Selbstoptimierung unterwegs. Die Preise für ein Biohacking-Kit sind hingegen regelrecht erschwinglich. So kostet beispielsweise ein Thermocycler-Bausatz im Internet gerade mal 500 Euro. Damit kann im Grunde jeder Laie Nachweise über sein Erbgut durchführen.

Mehr noch – in den USA gibt es im jährlich stattfindenden Studentenwettbewerb IGEM (International Genetically Engineered Machine) sogar einen Freifahrtschein fürs Experimentieren: Studenten aus aller Welt werden hier mit einem gentechnologischen Werkzeugkasten ausgestattet, mit dessen Inhalt sie frei mit Genen basteln und neue Organismen erzeugen können.

Zu viel der Selbstoptimierung

Mehr als 100 registrierte Do-it-yourself-Labore gibt es inzwischen weltweit, darunter auch an deutschen Standorten. Die Arbeit mit gentechnisch veränderten Organismen ist in Europa allerdings nur in lizenzierten Laboren erlaubt. Gegen einen monatlichen Beitrag können Mitglieder dort an ihren eigenen Projekten experimentieren.

In den USA hingegen ist die Biohacker-Bewegung nicht durch Gesetze eingeschränkt, dennoch beobachten die Behörden das Treiben der Szene. Die US-Gesundheitsaufsicht FDA warnte bereits eindringlich vor den Biologie-Bausätzen im Internet. Die Anbieter dieser Kits bleiben jedoch unbeeindruckt, so beispielsweise auch The Odin.

Das Unternehmen verkauft über seine Webseite Zutaten für das Editieren menschlicher Gene. Der CEO des Unternehmens, Josiah Zayner, geht sogar noch einen Schritt weiter und motiviert seine Anhängerschaft öffentlich, indem er sich selbst zum Versuchskaninchen macht: Auf einer Biohacker-Konferenz in Kalifornien spritze er sich vor Publikum das Gen-Editierwerkzeug CRISPR.

CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) sind Abschnitte sich wiederholender DNA, die im Erbgut von vielen Bakterien und Archaeen (Urbakterien) auftreten. Sie dienen der CRISPR/Cas-Methode, durch die DNA gezielt geschnitten und verändert werden kann. Gene einfügen, entfernen oder ausschalten - die Wissenschaft spricht von einer Gen-Revolution, bei der fehlerhafte Bereiche im Erbgut einfach ausgetauscht werden. 2012 hatten zwei Forscherinnen die sogenannte Genschere vorgestellt, die neue Möglichkeiten im Kampf gegen Aids, Krebs und eine Reihe von Erbkrankheiten verspricht. Also alles eine gute Sache im Sinne der Gesundheit?

Die Regierung warnt vor Biohacking-Kits

Nachdem nun auch in Deutschland vermehrt Geräte und mobile DNA-Labore ausländischer Hersteller auf den Markt kamen, die neben Gen-Analysen auch konkrete Gen-Veränderungen versprechen, warnt nun auch das Bundesamt für Verbraucherschutz vor strafbaren Kits und Experimenten im Hobbykeller.

Davon betroffen ist auch das DIY CRISPR Kit von The Odin. Ob menschliche Zellen oder einfache Bakterien – Organismen dürfen nach dem Gentechnikgesetz nur in speziellen Anlagen genetisch verändert werden. Und auch bei der DIY-Biologie mag dabei das gleiche Prinzip gelten, wie für andere Projekte der biologischen Forschung: Was im Labor klappt, funktioniert noch lange nicht zwingend auch im Körper.

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