Leben

Biogas: Essensreste entsorgen ohne schlechtes Gewissen?

von Carola Franzke

In Philadelphia sollen Essensreste nicht mehr im Müll entsorgt, sondern in Biogas umgewandelt werden. Damit könnten auch Fahrzeuge angetrieben werden.

Eine weggeworfene Bananenschale.
Zu viel Essen landet im Müll. Dabei lassen sich darauf noch wertvolle Ressourcen gewinnen. Foto: shutterstock/ aio

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie zwei Unternehmen aus Philadelphia Essensreste in Biogas umwandeln
  • Welche Verfahren nötig sind, um mit dem Biogas Fahrzeuge antreiben zu können
  • Warum das Entsorgen von Essensresten bisher so ein großes Problem ist

Im US-amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania soll zukünftig ein Fermenter, auch Faulturm genannt, aus Essensresten Biogas machen. Damit könnte aus einem riesigen Problem sogar ein Vorteil entstehen – und das Biogas unter anderem als Antrieb für gasbetriebene Autos dienen.

Die Unternehmen RNG Energy Solutions (RNG) und Philadelphia Energy Solutions (PES) haben sich zusammengeschlossen, um die Raffinerieanlage gemeinsam zu bauen, in der dann Biogas entstehen soll – als Verwertungsprodukt aus über 1100 Tonnen Essensresten.

Für Planung und Bau der Anlage sind 120 Millionen US-Dollar veranschlagt. PES wird den Baugrund zur Verfügung stellen und auch die für den Fäulnisprozess notwendige Dampfenergie. RNG steht für "renewable natural gas": Das Unternehmen betreibt bereits eine Fäulnisanlage und hat mehrere Jahrzehnte Erfahrung in der Energiewirtschaft.

Fermenter löst Entsorgungsproblem für Essensreste

Neu ist das Prinzip der anaeroben Fermentierung also nicht. Doch bisher werden solche Anlagen, in denen Fäulnisprozesse ohne Luft (anaerob) ablaufen, überwiegend genutzt, um Klärschlamm aus Abwasserkläranlagen zu behandeln.

Im Laufe der vergangenen Jahre haben Versorgungsunternehmen bereits damit begonnen, dem Klärschlammgemisch Essensreste beizumengen. Die Bakterien, die für den Fäulnisprozess verantwortlich sind, finden so noch mehr Nährstoffe – das treibt den biologischen Prozess voran.

Dieser ganze Strom von organischem Abfall aus der Stadt fließt in die Produktion von erneuerbarem Erdgas, das dann die Stadtbusse antreibt.

RNG-Präsident James Potter gegenüber "Business Insider"

In der Anlage von RNG und PES soll nun gezielt Methan produziert und konzentriert werden, sodass das Biogas, das bisher bei der Fermentierung entsteht, kommerziell genutzt werden kann. Entsorgte Essensreste von Restaurants und Kantinen werden gesammelt, vorab zerkleinert und von Tankwagen in die Raffinerieanlage gebracht.

Die Bakterien in den Bioreaktortanks verarbeiten vor allem die Fettsäuren aus den Resten. In dem entstehenden Gasgemisch wird ungefähr 60 Prozent Methan enthalten sein. Das ist für die weitere Verwendung in Pipelines oder für gasbetriebene Fahrzeuge noch nicht genug, sodass in der weiteren Verarbeitung eine Konzentration auf etwa 99 Prozent Methan vorgesehen ist.

EIne Biogasanlage, in der Biogas erzeugt wird.
In einer Biogasanlage wie dieser wird Biogas durch Vergärung erzeugt. Foto: picture alliance / Bildagentur-online/Sunny Celeste

Neben dem Biogas wird ein weiteres Produkt anfallen, das sich vermarkten lässt: Die festen Überreste der Fermentierung sind torfähnlich und können als Biodünger und Zusatz für Pflanzenerde angeboten werden.

Zu viele Essensreste werden weggeschmissen

In den USA werden Schätzungen zufolge 30 bis 40 Prozent aller Lebensmittel weggeworfen, mehr als in jedem anderen Land der Erde. Umgerechnet auf die US-Bevölkerung landen so etwa 1200 Kalorien pro Kopf und Tag im Müll.

Eine dramatische Zahl, wenn man sich vor Augen hält, dass diese Kalorien ein Kind satt machen könnten und in den USA etwa zwölf Millionen Kinder hungern müssen.

Die Lebensmittelverschwendung ist aber nicht nur aus humanitärer Sicht schlimm. Zuviel produzierte Lebensmittel verbrauchen in der Herstellung unnötig Trinkwasser und produzieren Treibhausgase. Ebenso belasten die weggeworfenen Reste die amerikanischen Müllhalden, da sich die enthaltenen Fette nicht einfach zersetzen: Auch hier entsteht Methan, das in die Atmosphäre entweicht und die Ozonschicht belastet.

Es wäre also aus verschiedenen Gründen besser, mithilfe neuer Technik die Verschwendung einzudämmen, und nicht die Überbleibsel davon zu verarbeiten: Ein ähnliches Prinzip, das aber sinnvollerweise mit Kuhmist und nicht mit überschüssigem Essen arbeitet, wird in Kanada an der Universität von Waterloo erforscht, um die Herstellung und Aufbereitung von Biogas möglich zu machen.

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