Leben

Biogas: Neues Verfahren macht aus Kuhmist sauberen Strom

von Carola Franzke

Biogas konnte bisher nur lokal verbrannt werden. Jetzt haben Forscher ein Verfahren entwickelt, mit dem es weiterverarbeitet werden kann – zum Beispiel in Strom für Elektroautos.

Auf einer grünen Wiese grasen braune und braun-weiße Kühe
Natürliche Stromquelle: Bisher ist Biogas aus dem Dung von Kühen oder Schweinen nur vor Ort nutzbar. Forscher aus Kanada haben jetzt einen Weg gefunden, es weiterzuverarbeiten. Foto: Shutterstock/GLF Media

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie aus Dung erst Biogas und dann Strom wird
  • Warum Biogas trotz CO2-Emission klimaneutral ist
  • Wie die Forscher die Ursachen des Klimawandels bekämpfen

Wie aus Dung erst Biogas und dann Strom wird

Biogas aus Kuhmist – ach, sagen Sie jetzt vielleicht, ist doch ein alter Hut, das hat der Bauer bei uns im Dorf schon seit fünf Jahren. Stimmt, aber es gibt da einen wichtigen Unterschied: Jetzt kann das Biogas mit einem aufwendigeren Verfahren gereinigt und so aufbereitet werden, dass es ins Erdgasnetz eingespeist werden kann. Damit ist es auch dezentral nutzbar.

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Bisher wird mit den Gasen, die in den konventionellen Biogasanlagen gewonnen werden, üblicherweise nur ein lokales Blockheizkraftwerk befeuert. Dafür kommen Dung (bevorzugt Kuh- und Schweinemist) und Pflanzenreste zum Einsatz, denen Bakterien zugesetzt werden. In anaeroben Gärprozessen entstehen Fäulnisgase, die dann das Blockheizkraftwerk befeuern.

Die gewonnene Energie ist dann nur vor Ort nutzbar, denn eine Umwandlung von Wärme in andere Energieformen ist wenig effizient.

Für die Gewinnung von Bioerdgas ist hier noch nicht Schluss: In der weiteren Aufbereitung werden die Gase aus den Gärprozessen entschwefelt, getrocknet und so aufbereitet, dass die Zusammensetzung chemisch dem normalen Erdgas ähnelt.

Das so gewonnene Bioerdgas kann dann überall weiterverwendet werden, um Wärme oder Strom zu erzeugen. Der Strom könnte dann wiederum Elektroautos antreiben – und so zusammen mit anderen regenerativen Energien wie zum Beispiel Windkraft zu einer klimaneutralen Elektromobilität beitragen.

Warum Biogas trotz CO2-Emission klimaneutral ist

Hintergrund: Die Aufbereitung von Bioerdgas setzt zwar CO2 frei, trotzdem sind die Anlagen quasi klimaneutral. Denn das CO2, das in diesem Prozess anfällt, wurde vorher von Pflanzen aus der Atmosphäre aufgenommen, dann im Magen der Kühe verdaut und wieder ausgeschieden.

Es wird der Atmosphäre also nur zugeführt, was vorher aufgenommen wurde. Das Ganze macht das Verfahren klimaneutral — im Gegensatz zu fossilen Gasen, die bei der Verbrennung eine CO2-Emission verursachen.

Wie die Forscher die Ursachen des Klimawandels bekämpfen

In dem Aufbereitungsprozess, den der Chemieingenieur David Simakov beschreibt, wird unter anderem Wasserstoff benötigt. Simakov, der eine Professur an der Universität von Waterloo (Ontario) hat, sagt dazu: „Wir spalten Wasser mithilfe von Strom in Sauerstoff und Wasserstoff — den Strom gewinnen wir durch Windkraft und bleiben so auch hier ganz umweltfreundlich.“ Sein Ziel ist klar: Er will mit solchen Anlagen dazu beitragen, die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen.

Wir nutzen die vorhandene Infrastruktur, um den Übergang von fossiler Energie zu erneuerbarer Energie zu vollziehen. Ein enormer Vorteil!

Chemiker David Simakov, Universität von Waterloo

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Zu diesen Ursachen des Klimawandels gehört beispielsweise Fracking, eine extrem umweltschädliche Form der Erdgasgewinnung. So ist Simakovs Ansatz, Biogase nicht einfach zu verbrennen, sondern als Bioerdgas dezentral nutzbar zu machen, ein weiterer Baustein, mit dem sich die Ursachen des Klimawandels bekämpfen lassen.

So lange es große Mastanlagen gibt, in denen sich gewaltige Mengen an Biomasse — wie etwa Kuhmist — einfach einsammeln lassen, kann diese Form der Bioerdgasgewinnung weiter entwickelt werden.

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