Gesundheit

Gesunde Ernährung, ungesunde Lieferung?

von Alexander Cohrs

Zwei große Trends treffen aufeinander: Immer mehr Menschen achten auf gesunde Ernährung - und immer mehr nutzen Lieferdienste. Ist das ein Widerspruch?

Gesunde Ernährung, ungesunde Lieferung?
Ab ins Körbchen: Gesunde Lebensmittel kommen inzwischen nicht mehr nur vom Markt um die Ecke – sondern oft auch per Lieferdienst. Foto: CC0: Unsplash/Leonie Wise

Das erfahren Sie gleich:

  • Lieferdienste wie Rewe Online, Edeka 24 oder Amazon Fresh boomen
  • Gesunde Ernährung war noch nie so leicht nach Hause zu bekommen
  • Aber manche Fahrer klagen über extremen Stress

Lebensmittel frisch, Fahrer verschwitzt

Mittwochabend, 20.37 Uhr, es klingelt an der Tür. Mein Einkauf ist angekommen. Rewe Online hat pünktlich geliefert, die Ware entspricht exakt der Beschreibung. Lebensmittel online zu bestellen, hilft mir dabei, mich gesund zu ernähren. Ich kaufe nur das, was ich auch wirklich brauche, achte auf einen ausgewogenen Warenkorb und frische Produkte. Als der Lieferbote allerdings verschwitzt und angestrengt vor meiner Tür steht, frage ich mich: Für wen ist das hier eigentlich gesund?

3,3 Milliarden Pakete – und kein Ende in Sicht

Klar ist: Für Fahrer von Lieferdiensten wahrscheinlich nicht. Alleine in Deutschland stellt DHL pro Jahr über eine Milliarde Pakete zu, Tendenz steigend. Rechnet man mit einer Zunahme von online bestellten Lebensmitteln (zum Beispiel über Dienste wie Rewe Online, Edeka 24, Amazon Fresh oder HelloFresh), dürfte diese Zahl weiter steigen.

Es gibt halt Tage, da kommst du nur zu spät.

Für das Jahr 2017 nimmt der Bundesverband Paket- und Expresslogistik eine Zunahme von sieben Prozent im Paketgeschäft und damit eine Steigerung auf insgesamt 3,3 Milliarden verschickten Paketen im Jahr an. Laut einer Verdi-Studie sehen sich 70 Prozent der 220.000 deutschen Paketzusteller nicht in der Lage, ihren Job bis ins Rentenalter auszuüben. Lieferdienste wie Foodora und Deliveroo kommen noch dazu. "Es gibt halt echt Tage, da kommst du nur zu spät. Da hast du überhaupt keine Chance, die Abholzeiten einzuhalten", klagt ein Foodora-Fahrer gegenüber "Der Westen".

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Lebensmittel-Laster: Wenn ein Lkw 50 Menschen mit Lebensmitteln beliefert – ist das dann nicht umweltschonender, als wenn 50 Menschen mit dem Auto zum Supermarkt fahren? Foto: CC0: Unsplash/Andrew Kambel

Ist der Lkw gesünder für alle?

Während der Gesundheitsaspekt auf Lieferantenseite offensichtlich ist, ist er es bei Anwohnern in Liefergebieten nicht so sehr. Die zentrale Frage ist, ob durch mehr Lieferungen verkehrsbedingt auch mehr Schadstoffe und Lärm erzeugt werden. Ist es also nachhaltiger, wenn ein Lkw 50 Menschen beliefert – oder wenn 50 Menschen mit ihrem eigenen Pkw zu einem Supermarkt fahren? Gehen wir vom Verbrennungsmotor aus, ist die Lkw-Lösung wahrscheinlich gesünder für alle. Noch eindeutiger fällt die Einschätzung unter der Annahme aus, dass zukünftig nur noch Elektro-Lkw Pakete ausliefern, so wie es bei UPS schon seit Jahren üblich ist. Auch die Post hat mit dem Streetscooter schon ein rein elektrisches Lieferfahrzeug im Angebot.

Online bestellen wird sich als Standard etablieren, da bin ich mir sicher. Meinem verschwitztem Fahrer ist damit trotzdem noch nicht geholfen. Wahrscheinlich werden wir uns wiedersehen, nächsten Mittwoch, 20.37 Uhr an meiner Haustür – er verschwitzt, ich gesund.

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