Leben

Besser als Recycling: Die Zero-Waste-Familie hält Mülldiät

von Sabrina Lieb

Nachhaltig leben als Familie - geht das überhaupt? Die Kießlings aus Oberbayern beweisen es: Nach dem Zero-Waste-Prinzip und mit spannenden DIY-Ideen haben sie ihren Müll auf ein absolutes Minimum reduziert.

Nachhaltigkeit: Bananenschalen als Schuhputzmittel
Auf diesem Bild versteckt sich ein Schuhputzmittel: Zero-Waste-Aktivisten verwenden Bananenschalen zur Pflege von Glattleder. Foto: Unsplash/dorner

Das erfahren Sie gleich:

  • Eine Familie aus Oberbayern füllt nur eine Mülltonne - pro Jahr!
  • Ein hoher Anteil an DIY (Do it yourself) hilft bei der Müllvermeidung
  • Hier verrät die Zero-Waste-Familie ihre besten Tipps

Nachhaltigkeit in der Praxis

Besser leben ohne Müll – Zero Waste ist ein Riesentrend. Doch was hat es mit dieser Bewegung genau auf sich? Zero Waste heißt übersetzt „null Müll“ aber auch „null Verschwendung“. Gemeint ist ein Leben zu führen, bei dem kein Abfall produziert und kein Rohstoff vergeudet wird. Alle Rohstoffe, die benutzt und dann nicht mehr gebraucht, sollen entweder wiederverwendet oder neu verwertet werden. Tolle Sache in der Theorie, denken Sie jetzt, aber für eine normale Familie nicht machbar? Na, dann fragen Sie mal die Familie Kießling aus Bruckmühl. Die macht das nämlich.

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Hoher Anteil an DIY

Im Jahr 2014 haben die Kießlings erstmals ihr müllfreies Projekt gestartet. Zunächst auf ein Jahr angelegt, folgte ein zweites und schließlich auch ein drittes. In der Zwischenzeit ist aus dem einstigen Zero-Waste-Projekt ein ganzer Lebensstil gewachsen mit einem hohem Anteil an DIY. „Und wir bleiben dabei!“, sagt die inzwischen fünfköpfige Familie. Damit hat die Zero-Waste-Familie aus dem oberbayerischen Landkreis Rosenheim nicht nur ein Zeichen in ihrer kleinen 16.000-Seelen-Gemeinde gesetzt, sondern ist mittlerweile zu einem Vorbild einer ganzen Onlinecommunity geworden, wie der Blick auf ihren Blog zeigt. Dort gibt es Ideen, Tricks und Tipps zur Müllvermeidung.

Müllvermeidung ist noch besser als Recycling

Dass sich die Umstellung rentiert, beweist die eigene Müllbilanz: Nach nur zwölf Monaten hat es die Familie auf ein Müllvolumen von gerade mal einer einzigen, 40 Liter großen Restmülltonne pro Jahr geschafft. Und die war noch nicht einmal ganz voll: „Wir hatten einen Baustaubsaugerbeutel von der leider notwendigen Badrenovierung und ein Gurkenglas voll Restmüll gefüllt mit Pflastern, Dübeln, Kleidungsetiketten, Gemüsestickern, Klebefilm und Kaugummi von Gästen“, meint Mutter Stefanie, "aber was bei der Müllreduktion am Ende zählt, ist jeder Schritt, und das ist in der Summe eine ganze Menge.“ Diese Tipps hat Familie Kießling für einen müllreduzierten Haushalt:

Zero-Waste-Aktivistin Stefanie Kießling
Einweckglas statt Plastik: Stefanie Kießling kauft ihre Nahrungsmittel im Unverpacktladen. Foto: Stefanie Kießling

Ökologisches Waschmittel aus Kastanien

Im Herbst fallen sie wieder in Massen von den Bäumen – die heimischen Rosskastanien. Aus ihnen lässt sich auch ökologisches Waschmittel herstellen. Dazu einfach fünf bis sechs Kastanien pro Wäschegang in einen kleinen Sack stecken und mit einem Hammer zerkleinern. Die Bruchstücke mit einem großen Glas Wasser aufgießen und zwei Stunden ziehen lassen. Anschließend umrühren, abseihen und ins Flüssigwaschpulverfach in die Maschine geben. Zuletzt zwei Esslöffel Natron hinzugeben, der als Wasserenthärter dient und Kalkseifen verhindert, die die Wäsche ansonsten unschön vergrauen lassen. Ein bis zwei Tropfen ätherisches Öl nach Wahl geben der Wäsche abschließend einen angenehmen Duft. Übrigens: Die Kastanien können auch getrocknet werden, so dass sie als ökologisches Waschmittel das ganze Jahr zur Verfügung stehen.

DIY-Shampoo aus Avocadokernen

Für eine günstige und einfache Zubereitung eines selbstgemachten Öko-Shampoos braucht es lediglich einen Avocadokern und einen halben Liter Wasser. Den Avocadokern dazu zunächst zwei bis drei Tage an der Luft trocknen lassen. Anschließend von Hand oder mit einem Mixer zerreiben und in einen Topf geben. Dann das Wasser dazugießen und eine halbe Stunde auf dem Herd köcheln lassen. Mit einem kleinen Hand- oder Mulltuch als Sieb abseihen und anschließend wie gewohnt als Shampoo verwenden. Da sich das DIY-Shampoo nur drei Tage hält, sollte es nicht auf Vorrat, sondern stets frisch zubereitet werden.

Verwendungsmöglichkeiten für Kaffeesatz

Kaffeesatz ist ein prima Mittel zum Scheuern und Polieren von Töpfen und Pfannen. Dazu einfach ein bis zwei Teelöffel der dunklen Masse in einen Topf geben und mit einem Lappen über die hartnäckig verschmutzten Stellen reiben. Im Vergleich zu chemischen Scheuermitteln ist Kaffeesatz komplett biologisch abbaubar. Wandert er auf den Kompost, zieht er Regenwürmer an. Dankbar zeigen sich auch Pflanzen, beispielsweise Rosen, die ihn als biologisches Düngemittel schätzen. Gibt man den Kaffeesatz regelmäßig um seine Gewächse, hält er zudem Ameisen und Blattläuse fern. Übrigens: Kaffee ist grundsätzlich kein ökologisches Lebensmittel. Für eine einzige Tasse Kaffee am Tag stehen rund 140 Liter virtuelles Wasser auf der Rechnung. Virtueller Wasserverbrauch bedeutet, dass das Wasser nicht direkt, sondern indirekt verbraucht wird, beispielsweise durch die Bewässerung im Rahmen der Kaffeeproduktion. Ein mächtiger ökologischer Fußabdruck, den Kaffeeliebhaber hier pro Tasse hinterlassen.

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Kaffee wird mit heißem Wasser aufgebrüht
Düngemittel und Putzhilfe: Alter Kaffeesatz kann vielfältig verwendet werden. Grundsätzlich passt Kaffee aber nicht unbedingt zu einem nachhaltigen Leben. Foto: Unsplash/jtylernix

Bananenschalen zum Schuheputzen

Die leere Bananenschale ist ein günstiges, effektives und ökologisches Schuhputzmittel für Glattlederschuhe. Die in der Bananenschale enthaltenen Öle und das Kalium reinigen und pflegen glatte Leder und geben ihnen einen tollen Glanz. Dazu zunächst den groben Schmutz mit einem Baumwolltuch entfernen. Anschließend die Schuhe mit der Innenseite der Bananenschale abreiben und das Ganze kurz einwirken lassen. Nach ein paar Minuten mit einem sauberen und trockenen Tuch nachpolieren.

Basteln mit Kindern - Knete zum Selbermachen

Eine gute Alternative zur in Plastik verpackten Knete ist Salzteig, der nur Zutaten enthält, die in jedem klassischen Haushalt zu finden ist. Hierzu einfach 400 Gramm Mehl, 200 Gramm Speisesalz, 500 ml Wasser, drei Esslöffel Speiseöl und zwei Teelöffel Weinsäure oder Zitronensäure zu einem geschmeidigen Teig vermengen. Der Zusatz von Wein- oder Zitronensäure sorgt dafür, dass die selbstgemachte Knete länger elastisch bleibt und nicht austrocknet. Damit die Masse schön bunt wird, kann man Lebensmittelfarbe hinzugeben oder ersetzt das Wasser mit Säften. Ein kräftiges Rot gibt es beispielsweise durch Rote-Beete-Saft, dunkelrot bis schwarz mit gekochtem Holunderbeerensaft und blau mit Blaubeersaft. Auch Gewürze eignen sich zum Einfärben der Knete, für ein sattes Gelb beispielsweise Safran oder Kurkuma. Nach dem Kneten wandert die Masse am besten in ein luftdichtes Gefäß in den Kühlschrank, wo sie sich viele Wochen hält.

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