Leben

Begrenzte Lebensdauer: Erst Solarpanel, bald Elektroschrott

von Carola Franzke

Erneuerbare Energien haben einen guten Ruf, aber es gibt auch Nachteile. Insbesondere ausgediente Solarpanels können problematischer Elektroschrott werden.

Eine altes, ramponiertes Solarpanel in einer Wüste.
Alte Solarpanels werden oft in arme Länder verkauft – damit verschiebt sich aber nur das Elektroschrott-Problem. Foto: Shutterstock / Vladimir Konstant

Das erfahren Sie gleich:

  • Weshalb Sonnenenergie nicht völlig sauber ist
  • Warum Solarzellen eine begrenzte Lebensdauer haben
  • Wieso ausgediente und kaputte Solarpanels giftiger Elektroschrott sind

Erneuerbare Energien sollen der Ausweg aus der Klimakatastrophe sein und die Energieversorgung in einer post-fossilen Welt sichern: Wenn die weltweiten Vorkommen an fossilen Brennstoffen verbraucht sind, geht sonst im wahrsten Sinne des Wortes das Licht aus. Windenergie, Biogas und Solarenergie sind im Energiemix der Zukunft wichtige Säulen – aber es gibt auch Nachteile. Etwa die Folgen von Windenergie für die Umwelt. Solarzellen haben eine begrenzte Lebensdauer und werden am Ende zu giftigem Elektroschrott.

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Das japanische Umweltministerium etwa erwartet 800.000 Tonnen Solar-Müll bis 2040. Weltweit geht die internationale Organisation für erneuerbare Energien (IRENA) bis 2050 von 78 Millionen Tonnen Elektroschrott aus alten Solarpanels aus. Auf ein "grünes" Leben folgt somit ein problematisches Ende der Panels.

Solarzellen haben begrenzte Lebensdauer

Um das Ausmaß des möglichen Problems zu verstehen, sollte man sich klarmachen, was die Bestandteile von Solarpanels sind. Es gibt unterschiedliche Sorten von Solarzellen, die zu Solarpanels zusammengeschlossen werden. Entsprechend variiert die Zusammensetzung. Doch in den meisten Solarpanels sind Aluminium, Silber und Ethylenvinylacetat enthalten. Außerdem sind gefährliche und potenziell krebserregende Stoffe enthalten, wie Blei, Chrom und Cadmium.

Vorausgesetzt, die Produktion ist nach geltenden Sicherheits- und Umweltvorschriften gewährleistet, sind diese Stoffe in unbeschädigten, funktionierenden Solarpanels kein Problem. Sie sind normalerweise unter einer schützenden Glasschicht versiegelt. Doch die Schicht kann durch Naturgewalten oder andere Einwirkungen zerbrechen, und die giftigen Stoffe können in die Umwelt und sogar ins Grundwasser gelangen. Diese Gefahr ist besonders groß in Gegenden mit häufigen Stürmen – wie der Karibik oder Florida.

Doch es drohen auch erhöhte Risiken durch billig produzierte Solarpanels aus chinesischer Produktion, die mit dem Branchenboom den Markt überschwemmt haben. Sie halten oft nur etwa fünf Jahre anstelle der sonst möglichen 25 bis 30 Jahre. Davor warnt jedenfalls Kelly Pickerel, Chefredakteurin von „Solar Power World“, einem Online-Fachmagazin aus Cleveland.

Sie warnt, dass beschädigte Solarpanels unbedingt rechtzeitig demontiert werden müssten, wie etwa nach dem Hurrikan Maria, der 2017 Puerto Rico verwüstet hatte. Zwar stellten dezentrale Solaranlagen schnell wieder eine Stromversorgung sicher, doch zahlreiche Anlagen waren durch den Sturm beschädigt worden.

Ehemals „grüner“ Elektroschrott

Problematisch sind allerdings nicht nur beschädigte Panels: Solarzellen altern, und dabei sinkt ihre Leistung. Neuere Generationen von Solarzellen arbeiten dann deutlich effizienter und können die Fläche besser nutzen. Nach einem Austausch von alten Solarpanels steht die Solarbranche vor dem Problem, dass sich ein Recycling nicht rechnet und ein gar nicht so "grüner" Elektroschrott anfällt.

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Wertvolle Stoffe wie Silber oder Kupfer, die in den Solarzellen verbaut sind, kommen nur in geringen Mengen vor. Das Herauslösen und Trennen dieser Stoffe ist teurer als der Gewinn dabei. Bisher landen ältere Solarzellen deshalb entweder auf Deponien oder werden in Regionen weiterverkauft, wo kaum Kaufkraft zur Verfügung steht. Doch damit wird das Müllproblem im Prinzip nur verschoben.

Der Verband der Solarindustrie in den USA, Solar Energy Industries Association (SEIA), bemüht sich jedoch um eine Lösung. Gegenwärtig arbeitet SEIA mit fünf Recycling-Unternehmen, um Erfahrungen zu sammeln und einen effizienten Prozess zu finden. In Frankreich wurde im Juni 2018 die erste Recyclinganlage für Solarpanels in Europa eröffnet. Denkt man an die 78 Millionen Tonnen innerhalb der nächsten rund 30 Jahre, ist es gut, dass sich hier etwas bewegt.

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