Technik

Be my eyes: Eine App für Blinde lässt Sehende helfen

von
Sabrina Lieb

Ich sehe was, was du nicht siehst – eine App für Blinde bringt Sehbehinderte mit Helfern zusammen. Und löst so kleine Alltagsprobleme per Videocall.

Ein Smartphone, das per Kamera seine Umgebung aufnimmt und diese Bilder per Videocall weiterleitet; im Hintergrund ist eine Ladenzeile zu sehen.
Für Blinde und Menschen mit Sehbehinderung ist es oft schwierig, sich im Alltag zurecht zu finden. Mit der App Be My Eyes können Freiwillige per Videocall helfen. Foto: Be my Eyes

Das erfahren Sie gleich:

  • Blinde Menschen stehen vor vielen Herausforderungen im Alltag
  • Eine App für Blinde bringt nun Sehbehinderte mit freiwilligen Helfern zusammen
  • Hilfe per Videocall: Das Open-Source Programm ist für iOS und Android verfügbar

App für Blinde – die Augen anderer nutzen

Was ist auf dem Foto zu sehen? Halte ich da gerade eine Dose Mais oder Ananas in der Hand? Wann fährt der nächste Bus? Völlig banale Fragen und sehr leicht zu beantworten – vorausgesetzt, man kann sehen.

Lesen Sie auch

Alternative Antriebstechnologien im Mittelpunkt

Nachhaltigkeit bei Audi

Alternative Antriebstechnologien im Mittelpunkt

Gesundheit generell und gesunde Augen im Speziellen sind für die einen das Natürlichste auf der Welt, für die anderen unerreichbar. Das Unternehmen Be My Eyes will diese beiden Gruppen nun zusammenbringen und so Menschen mit einer Sehbehinderung helfen. Ganz unkompliziert per App.

Digitale Hilfsgemeinschaft für Sehbehinderte

Die meisten Menschen würden gerne ehrenamtlich arbeiten, doch ihnen fehlt schlicht die Zeit. „Nun, jetzt gibt’s da ne App“, kommt als Antwort von Hans Jørgen Wiberg. Der Däne ist selbst sehbehindert und verbindet in seiner App "Be My Eyes" Blinde mit Sehenden.

Damit möchte der Erfinder der App für Blinde anderen helfen, kleine Hindernisse im Alltag zu überwinden, die für Menschen mit Handicap schnell unbequem werden können: „Drei Konserven stehen im Schrank, aber man weiß nicht mehr, welche die richtige ist. Soll man's riskieren?“, fragt Wiberg bei einem TEDx-Vortrag.

Per Videocall Alltagsprobleme lösen

Bei der App können Blinde per Smartphone die Hilfe von Sehenden erfragen, indem sie sich online verbinden lassen. Mitmachen ist einfach: Nach der Installation wählt man zunächst aus, ob man sich als Blinder oder Helfer registrieren möchte. Dabei gibt man auch an, welche Sprachen man spricht.

Im Anschluss müssen Sehende nur noch auf einen Anruf warten. Blinde Nutzer können nach der Registrierung sofort eine Anfrage an ihre Helfer starten. Dabei hält der sehbehinderte Smartphonenutzer seine Handy-Kamera einfach auf das, was er gerade nicht oder nicht richtig sehen kann und startet über die App eine Anfrage.

Auf einem Smartphone-Bildschirm ist "Rufe ersten verfügbaren Freiwilligen" zu lesen; im Hintergrund sind Menschen zu sehen.
Freiwillige können sozusagen die Augen für Blinde sein – die App achtet dabei darauf, dass sich Helfer und Blinder sprachlich verständigen können. Foto: Be my Eyes

Diese landet im Netzwerk der vielen Helfer. Wer gerade Zeit hat und dieselbe Sprache wie der Blinde spricht, lässt sich per Videocall verbinden. Der schaut sich das Kamerabild an und beschreibt seinem blinden Gegenüber, was er darauf sieht.

Kann ein Helfer gerade nicht, wird die Anfrage direkt zum nächsten weitergereicht. Um Missbrauch zu vermeiden, können alle Nutzer der App für Blinde bewertet werden. Darüber hinaus lassen sich andere Mitglieder blockieren, sollten sich Anrufer und Helfer mal so gar nicht verstanden haben.

Technik

Updates abonnieren und Dossier "E-Mobility" gratis erhalten.

In der Zwischenzeit sind bereits über 850.000 freiwillige Helfer bei Be My Eyes angemeldet – sehende Unterstützung per Videocall für rund 60.000 registrierte Blinde.

Open-Source Programm

Die kostenlose Blindenapp wurde von einem Team aus Freiwilligen in Kopenhagen auf die Beine gestellt und als Open Source Programm konzipiert. Mitgeholfen hat der Dänische Softwareentwickler Robocat. Die Blindenapp ist für iOS verfügbar und seit kurzem auch für Android-Nutzer.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen