Elektromobilität

Batterien entsorgen: Wie funktioniert das bei Elektroautos?

von Stefan Adrian

Die ausgedienten Akkus von Elektroautos – was passiert mit denen eigentlich? Wir sagen, welche Verpflichtungen die Hersteller haben und was recycelt wird.

Ein Elektroauto an der Ladestation.
Ist der Akku im Elektroauto defekt, bleibt die Frage nach der Entsorgung. Foto: Shutterstock / Matej Kastelic

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum die Hersteller Batterien und Akkus zurücknehmen müssen
  • Wie Forscher mehr Kobalt und Lithium wiedergewinnen können
  • Wieso es für effizienteres Recycling mehr Elektroautos braucht

Akkus von Elektroautos sind weitaus langlebiger als ihre Pendants etwa in Elektrorasierern oder Akkuschraubern. Nach einem Betrieb von rund 200.000 Kilometern besitzen sie immer noch ca. 80 Prozent ihrer ursprünglichen Speicherdichte.

Das gilt umso mehr, wenn der Besitzer den Akku gleichmäßig an der heimischen Ladesäule und nicht regelmäßig an Schnellladestationen aufgeladen hat.

Nichtsdestotrotz: Jeder Akku kann kaputt gehen, und auch E-Autos können als Totalschaden enden. Eine Kernfrage der Elektromobilität ist deshalb: Was passiert dann aber mit der Batterie? Wie steht es da um die Entsorgung? Und ist das alles überhaupt umweltfreundlich?

Batterien entsorgen: Das steht im Gesetz

Dazu ein kleiner Exkurs in Sachen Batterie-Recycling: Das deutsche Batteriegesetz regelt weitgehend, dass Batterien dort angenommen werden müssen, wo sie auch verkauft werden.

Wenn man also einen Akkuschrauber besitzt, der mit Knopfzellen betrieben wird, kann man diese auch theoretisch bei der nächsten Tankstelle zurückgeben – wenn diese denn Knopfzellen vertreibt.

Knopfzellen gelten als Gerätebatterien; Batterien von Elektroautos sind jedoch Industriebatterien. Aber auch hier gilt: Wer die Batterien vertreibt, muss sie zurücknehmen.

Der Hersteller ist jedoch nicht notwendigerweise der, der sie produziert, sondern auch der, der sie in den Verkehr bringt oder sie in Deutschland einführt. Das heißt: Auch der Importeur kann Hersteller im Sinne des Gesetzgebers sein.

Auf den Fall einer herkömmlichen Blei-Säure-Batterie bezogen heißt das: Vertreiber sind verpflichtet, ausrangierte Akkus in unmittelbarer Nähe zurückzunehmen, die Bringpflicht liegt beim Endkunden.

Sprich der Vertreiber - beispielsweise ein Zubehöranbieter - muss dem Endkunden die gebrauchte Batterie abnehmen, ihm jedoch nicht das Taxi für die Anreise bezahlen. Es ist die wiederum Pflicht des Herstellers, den Vertreibern eine kostenfreie, aber auch zumutbare Rücknahmepflicht zu bieten.

Elektroautos und die Altfahrzeugordnung

Wer auch immer dies nun im Einzelfall ist: Alleine ihr Gewicht von rund 400 Kilogramm schließt aus, dass im Falle eines Elektroautos der Endkunde den Akku in die Tasche packt und zu einer Sammelstelle trägt.

Die Batterien eines Elektromotors.
In Batterien von Elektroautos stecken viele wertvolle Komponenten. Foto: Shutterstock / Romaset

Außerdem hat er es mit einem Gefahrengut zu tun, von dem er tunlichst die Finger lassen sollte. Der Transport der Lithium-Ionen-Batterien ist teuer und ein Gefahrentransport.

Man muss also vielmehr auch der Frage nachgehen, ob die Altfahrzeugordnung zu tragen kommt. In der steht gleich am Anfang unter Paragraph 1: "Hersteller von Fahrzeugen sind verpflichtet, alle Altfahrzeuge ihrer Marke vom Letzthalter zurückzunehmen." Und genau wie bei herkömmlichen Antrieben der Verbrennungsmotor zum Auto gehört, ist bei E-Autos die Batterie ja ein wesentlicher Bestandteil des Fahrzeugs.

Abgesehen davon werden Automarken alleine schon aus Imagegründen bemüht sein, keine Horrorstorys von Kunden aufkommen zu lassen, die mit einer Batterie mit dem Gewicht von knapp einer halben Tonne in der Gegend sitzen gelassen werden.

Nachhaltige Verwertung von E-Auto-Batterien

Noch ist das Recycling von E-Auto-Akkus in Deutschland ein überschaubarer Markt: E-Autos haben einen Marktanteil von zwei Prozent, laut Statista sind das 2018 in absoluten Zahlen knapp 54.000 Fahrzeuge.

Setzt man für die Batterie eines Elektroautos ein Gewicht von 400 Kilo an, ergibt das knapp 22 Tausend Tonnen Batterien, die auf deutschen Straßen unterwegs sind. Immerhin: Das ist das Gewicht von fast viertausend ausgewachsenen Elefantenbullen.

Daher wird an der umweltfreundlichen Wiederverwertbarkeit der Batterien ebenso intensiv geforscht wie an den Ladegeschwindigkeiten. Es ist schließlich nicht die Optik und Eleganz der Fahrzeuge, an der die Elektromobilität scheitern könnte, sondern die Reichweite und der Komfort der Fahrzeuge.

Bereits im Juli 2012 hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit das LithoRec II-Forschungsprojekt ausgelobt, um das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien aus E-Autos umzusetzen.

Das Projekt wird von acht Unternehmen - darunter VW und Audi - sowie zwei Universitäten getragen, wobei die TU Braunschweig als der zentrale, wissenschaftliche Partner agiert. Die Universität hat bereits ein Verfahren entwickelt, mit dem 75 Prozent des Lithium-Ionen-Systems recycelt werden können, wobei ansonsten eher 60 Prozent der allgemeine Durchschnitt sind.

Das Ziel: Kobalt und Lithium wiedergewinnen

Unternehmen wie das belgische Umicore (arbeitet unter anderem mit Tesla und Toyota zusammen) versuchen ebenfalls, einen möglichst hohen Anteil der Wertstoffe einer Elektroauto-Batterie wiederzugewinnen.

Vereinfacht gesagt schmilzt das Unternehmen in Antwerpen die Zellen bei hohen Temperaturen ein, da Kobalt, Kupfer und Nickel aufgrund unterschiedlicher Schmelzpunkte und Dichten gut trennbar sind.

Auf diese Weise gewinnt Umicore mehr als 95 Prozent des wertvollen Kobalts wieder, das in einem Akku enthalten ist. Aus der zurückbleibenden Schlacke gewinnt es wiederum Lithium.

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Laut einer Schätzung von Umicore-Experte Christian Hagelüken könnte eine aus recycelten Werkstoffen hergestellte Batterie zumindest den Energieaufwand für die Produktion um 50 Prozent reduzieren.

Aber noch haben ausrangierte Lithium-Ionen-Batterien pro Tonne einen Negativwert von etwa 2000 Euro. Um das Recycling-Verfahren effizienter und wirtschaftlicher zu machen, braucht es daher vor allem eines: mehr Batterien. Je mehr Elektroautos also auf den Markt kommen, desto effizienter wird auch ihre Entsorgung werden.

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