Abonnieren Sie kostenlos unsere Updates zum Thema Elektromobilität

Anmelden

Elektromobilität

Batterien für Elektroautos: Deutschland bekommt eine Gigafactory

von Manuel Berkel

Den Run auf die E-Mobilität hat Deutschland fast verschlafen. Gigafactories könnten das ändern – neben Elon Musk will auch die Bundesregierung zwei bauen.

Ladestecker am Anschluss eines Elektroautos
Unter Strom: Die Akkus für Elektroautos sollen künftig aus einer deutschen Gigafactory kommen. Foto: picture-alliance / Robert B. Fishman

Das erfahren Sie gleich:

  • Wo Tesla demnächst Akkus in Europa bauen lassen könnte
  • Wie Wirtschaftsminister Peter Altmaier die Zellfertigung in Deutschland stärken will
  • Wieso auch europäische Firmen bereits riesige Batteriefabriken planen

Die Batteriezelle ist das Herzstück eines Elektroautos. Reichweite, Ladedauer – wer bei den wichtigsten Eigenschaften eines Stromers vorne liegen will, muss bei den Energiespeichern führend sein.

Der neue Audi e-tron

Das kann der erste elektrische SUV von Audi.

Mehr erfahren

Doch bisher fuhr Deutschland bei der Elektromobilität nur auf den hinteren Rängen mit. Die Masse der kleinen Energiepakete kommt aus Japan, Südkorea und China.

Baut Tesla eine Gigafactory in Deutschland?

Wenn es nach Tesla-Gründer Elon Musk geht, könnte sich das jedoch bald ändern. Ohne konkret zu werden, twitterte er am 19. Juni:

Vorangegangen war die Frage eines Twitter-Nutzers, ob Elon Musk zustimme, dass es taktisch klug wäre, die erste europäische Gigafactory in Deutschland zu platzieren.

Und tatsächlich: Deutschland scheint für Elon Musk die erste Wahl beim Standort für eine Gigafactory zu sein. Vielleicht, so Musk, an der Grenze zu Frankreich, nahe den Beneluxländern (Belgien, Niederlande, Luxemburg).

Dass Tesla die Nähe zu den Niederlanden sucht, ist nicht ungewöhnlich. Immerhin steht dort, in Amsterdam, die europäische Zentrale des Elektroauto-Pioniers. Und das, ergänzte Musk in einem weiteren Tweet, werde sich auch nicht ändern.

Wenngleich Musk seinen Ankündigungen gerne Taten folgen lässt, heißt sein Tweet aber noch nicht, dass die Gigafactory auch tatsächlich in Deutschland gebaut wird.

Dennoch hat sich das Saarland in Folge des Tweets proaktiv als Standort beworben. In einem Brief wollen Ministerpräsident Tobias Hans, CDU, und Vize-Regierungschefin Anke Rehlinger, SPD dem Tesla-CEO das Saarland schmackhaft machen. So gedenken sie "auf die besonderen Standortstärken des Saarlandes hinzuweisen und das Angebot aktiver Unterstützung zu machen", berichtete die Saarbrücker Zeitung.

Auch die FDP und die Grünen im Saarland unterstützen den Vorstoß. Demnach sei das Saarland dank der Expertise in der Automobilindustrie der ideale Standort.

Im Länderdreieck zwischen Frankreich, Luxemburg und Deutschland gelegen erfüllt das Saarland zumindest teilweise die Anforderungen Musks, eine Gigafactory möglichst nahe der Grenze zu Frankreich zu platzieren.

Wie das Wall Street Journal (WSJ) Ende Juli unter Berufung auf dem Unternehmen nahestehende Personen berichtete, habe Tesla bereits erste Gespräche mit Vertretern aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz geführt. Dabei soll es vor allem um den möglichen Aufbau einer Gigafactory in einem der beiden Bundesländer gegangen sein, in der sowohl Batterien als auch Fahrzeuge gefertigt werden sollen.

Gegenüber der Wirtschaftszeitung sagte die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger: "Sie schauen sich uns an, um zu sehen, ob wir ihre Bedürfnisse befriedigen können."

Allerdings, so das WSJ weiter, handle es sich bei der Annäherung lediglich um erste Vorgespräche. Offizielle Verhandlungen habe es noch nicht gegeben. Bis Ende des Jahres will Tesla entscheiden, wo die erste Gigafactory in Europa entstehen soll.

In Teilen ist Tesla bereits jetzt in Deutschland als Arbeitgeber vertreten. 2016 übernahm der Autobauer den Zulieferer Grohmann Engineering in Prüm in der Eifel, das etwa 115 Kilometer Luftlinie von Saarbrücken entfernt liegt. Das automatisierte Produktionssystem für das Model 3 stammt unter anderem von dort.

Bereits in der Vergangenheit hatten sich andere europäische Länder als Standort “beworben”, um von den erhofften positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft zu profitieren. Die EU-Kommission dürfte die Idee begrüßen, während die Industrie selbst derartige Vorhaben aufgrund fehlender Standards noch kritisch betrachtet.

Gigafactory für Massenproduktion von Akkus und Batterien

Die für Europa geplante Gigafactory wäre die erste außerhalb der USA und die dritte überhaupt, die Tesla baut bzw. anmietet. Die beiden ersten stehen in Reno, Nevada, und in Buffalo, New York.

Der phasenweise Bau der Gigafactory 1 in Reno begann 2014 und wird voraussichtlich noch bis mindestens 2020 andauern. Laut Tesla ist die riesige Fabrik erst zu knapp 30 Prozent fertiggestellt, belegt aber bereits jetzt eine Grundfläche von mehr als 176.000 Quadratmetern auf mehreren Etagen.

Nach Fertigstellung soll die Anlage jährlich Akkus mit einer Gesamtkapazität von 35 Gigawattstunden herstellen – also fast so viel wie die aktuelle Batterieproduktion der ganzen Welt zusammen. Die Menge an Energie bzw. Akkus benötigt Tesla, um die geplante Jahresproduktion von 500.000 Fahrzeugen zu verwirklichen.

Seit Anfang 2017 werden in den teilweise fertiggestellten Abschnitten (insgesamt sollen es 21 werden) Batteriezellen, Akkupacks und Antriebsstränge gefertigt. In Zukunft sollen dort aber auch vollständige Fahrzeuge vom Band laufen, so Musk.

Neben der Gigafactory in Europa plant Tesla mindestens eine weitere in Shanghai, China. Um die Kosten für die eigene Fahrzeugproduktion noch weiter zu senken, sollen insgesamt zehn bis zwölf solcher Fabrik entstehen, verkündete Musk Mitte Juni bei einer Aktionärsversammlung. In Australien erprobt Tesla derweil das Speichern von Energie in einer Riesenbatterie.

Deutschland will Batterien und Akkus selbst fertigen

Doch nicht nur Tesla denkt laut über den Bau einer Gigafactory in Deutschland nach. Der chinesische Batteriehersteller Contemporary Amperex Technology Ltd. (CATL) plant ebenfalls, in den kommenden Jahren eine Zellfertigungsanlage in Thüringen zu errichten – es wäre die erste außerhalb Chinas. 240 Millionen Euro soll das Werk kosten, das CATL bis 2022 gebaut haben will. Mit dem Start der Batterie- und Akkufertigung schafft das Unternehmen über 600 Arbeitsplätze.

Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, will aber nicht erst auf Investoren aus dem Ausland warten. Stattdessen plant er, den Bau zweier Zellfertigungen in Deutschland von der Bundesregierung finanzieren zu lassen. Eine davon soll in der Lausitz entstehen und mit einer Milliarde Euro gefördert werden. Der Standort für die zweite Gigafactory zur Zellfertigung ist indes noch nicht final.

Förderung soll Anreize schaffen

Neben den zwei Milliarden Euro, die direkt in die Anlagen und somit in die Herstellung von Batterien und Akkus fließen, will die Regierung weitere 600 Millionen Euro bereitstellen. Die als Forschungsgeld angedachte Summe erhält eine Fabrik, die an die Fraunhofer Gesellschaft angegliedert ist. Die dort angestellten Wissenschaftler sollen die Weiterentwicklung von Zellen und Batterien vorantreiben.

Schon im vergangenen Jahrzehnt hatte die Bundesregierung eine halbe Milliarde Euro in die Zellforschung investiert. Doch "ohne industrielle Fertigung und begleitende Forschungsaktivitäten gebe es keine komplette Wertschöpfungskette mehr in der Autoindustrie", wie der Tagesspiegel schreibt.

Mit dem Bau der zwei vom Bund subventionierten Gigafactories will die Regierung darüber hinaus Anreize schaffen, die Batteriezellfertigung und "die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Zellfertiger" hierzulande zu sichern. Denn, so der Tagesspiegel weiter, "allein VW braucht die Kapazität von vier riesigen Zellfabriken, um die drei Millionen Stromautos auszurüsten, die der Konzern 2025 bauen will."

Gigafactory für verschiedene Autohersteller

Darüber hinaus will auch das deutsche Konsortium TerraE Ende 2019 eine riesige Akkufertigung in der Bundesrepublik an den Start bringen. Bis 2028 soll die Kapazität so weit ausgebaut werden, dass pro Jahr Zellen und komplette Akkus mit insgesamt 34 Gigawattstunden hergestellt werden – genug für etwa 350.000 reichweitenstarke Elektroautos.

Hinter TerraE stehen 17 Unternehmen und Forschungsinstitute sowie der Schweizer Lithium-Ionen-Spezialist Leclanché und der belgische Chemiekonzern Solvay. Zum Konsortium gehört auch der fränkische Batteriehersteller BMZ, der die Akkus für den StreetScooter der Deutschen Post montiert.

Die Entscheidung für Deutschland als Standort einer Gigafactory war allerdings nicht selbstverständlich. Oft werden die hohen Stromkosten als Grund genannt, warum sich eine massenhafte Zellproduktion in der Bundesrepublik angeblich nicht lohnt.

Für die Macher von TerraE geht das Argument aber an der Realität vorbei: "Wenn die Stromkosten drei bis vier Prozent der Gesamtkosten ausmachen, ist das viel. Die Argumentation, dass die Zellfertigung nur bei geringen Energiepreisen wirtschaftlich sei, ist einfach falsch", sagt TerraE-Geschäftsführer Holger Gritzka.

Die Partner wollen eigene Akkus verkaufen, vor allem aber im Auftrag der großen europäischen Automobilhersteller produzieren.

Jahrelange Akku-Forschung soll sich auszahlen

Dabei gilt vielen in der Autoindustrie derzeit eher China als natürlicher Standort für neue Batteriefabriken. Dort wächst der Markt für E-Autos dank aggressiver Förderung am stärksten.

Gritzka glaubt trotzdem an ausreichende Nachfrage in Europa: "Der Markt für Batteriezellen wird in den nächsten Jahren so gigantisch wachsen, dass ein Produzent mehr nicht ins Gewicht fällt."

Für eine heimische Batterieproduktion führt er handfeste Vorteile an: "Für uns ergibt eine Batteriefabrik in Deutschland Sinn, weil die Importkosten wegfallen und wir mit grünen Strom produzieren können."

Wir werden wesentlich günstiger produzieren als asiatische Hersteller.

Holger Gritzka, TerraE-Geschäftsführer

Dank jahrelanger Forschung fühlen sich die Firmen hinter TerraE der Konkurrenz aus Fernost inzwischen technologisch überlegen. "Wir werden wesentlich günstiger produzieren als asiatische Hersteller. Wir profitieren zum Beispiel von unserer verbesserten Elektrodenfertigung", sagt Gritzka.

Die Firmen hinter TerraE beteiligen sich seit Jahren an Forschungsprojekten der Bundesregierung. Erst im Dezember 2017 startete die aktuelle Förderstufe. Bis Mitte 2019 wollen die Maschinenbauer und anderen Partner des Konsortiums noch an der Produktionstechnik feilen, dann kann die Fertigung schrittweise beginnen.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen