Elektromobilität

Batterien für Elektroautos: CATL will bereits 2020 in Deutschland fertigen

von Manuel Berkel

Den Run auf die E-Mobilität hat Deutschland fast verschlafen. Die erste Gigafactory soll jedoch schon bald stehen – gebaut von einem Unternehmen aus China.

Elektroauto beim Aufladen.
Die Batterien für Elektroautos kommen meist aus Asien. Doch schon bald könnte auch in Deutschland eine Gigafactory entstehen. Foto: Shutterstock / Matej Kastelic

Das erfahren Sie gleich:

  • Wo Tesla demnächst Akkus in Europa bauen lassen könnte
  • Wie Wirtschaftsminister Peter Altmaier die Zellfertigung in Deutschland stärken will
  • Wieso auch europäische Firmen bereits riesige Batteriefabriken planen

Die Batteriezelle ist das Herzstück eines Elektroautos. Reichweite, Ladedauer – wer bei den wichtigsten Eigenschaften eines Stromers vorne liegen will, muss bei den Energiespeichern führend sein.

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Doch bisher fuhr Deutschland bei der Elektromobilität nur auf den hinteren Rängen mit. Die Masse der kleinen Energiepakete kommt aus Japan, Südkorea und China. Das könnte sich jedoch bald ändern.

CATL bringt sich in Stellung für deutsche Zellfertigung

Noch bevor deutsche Automobilkonzerne und Zulieferer den Startschuss für eine eigene Produktion von Batterien geben, könnte ihnen ein Unternehmen aus China zuvorkommen. Der Zellfertiger CATL bezog kürzlich Büroräume ganz in der Nähe vom Erfurter Kreuz. Dort sollte eigentlich im Jahr 2022 die Fertigung der Akkus beginnen.

Doch offenbar soll nun alles viel schneller gehen. Schon im kommenden Jahr möchte das Unternehmen im großen Stil nach Personal suchen. Die Produktion soll dann bereits 2020 beginnen. Es scheint, als wolle CATL nichts anbrennen lassen und so schnell wie möglich den Markt mit Batterien aus Deutschland beliefern.

In vier Stufen soll die Fabrik in Erfurt entstehen. Für das Jahr 2025 ist sogar der Aufbau einer Anlage zum Recyclen der Zellen geplant. Die gute Nachricht für Region und Land: CATL will auf Zulieferer aus der Nähe setzen. Von der Zellfertigung sollen also auch weitere Unternehmen profitieren. Das könnte zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Continental prüft mögliche Fertigung von Batterien

Das deutsche Unternehmen Continental gehört zu den größten und wichtigsten Zulieferern der Automobilindustrie. Da verwundert es kaum, dass der Konzern zumindest über den Bau einer Fabrik zur Fertigung von Batteriezellen nachdenkt. Damit wäre Continental auch Bosch voraus, die eine eigene Produktion in Deutschland bereits ausgeschlossen haben.

Finanzvorstand Wolfgang Schäfer äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters jedoch noch zurückhaltend: “Wir schauen uns das an.” Das Unternehmen macht sich die Entscheidung offenbar nicht einfach. Zunächst wolle man den Markt und verschiedene Technologien beobachten. Eine endgültige Entscheidung soll nicht vor Ende 2020 fallen.

Tatsächlich ist die Batteriefertigung für die Firmen mit gigantischen Investitionen verbunden. Bosch hatte bereits einen Betrag von etwa 20 Milliarden Euro genannt – nur als Startinvestition. Doch wenn sie zu lange warten, bekommen sie vielleicht Konkurrenz aus Übersee.

Baut Tesla eine Gigafactory in Deutschland?

Auch Tesla-Gründer Elon Musk drängt schließlich auf die verstärkte Produktion von Batteriezellen außerhalb der USA. Ohne konkrete Informationen, twitterte er am 19. Juni:

Vorangegangen war die Frage eines Twitter-Nutzers, ob Elon Musk zustimme, dass es taktisch klug wäre, die erste europäische Gigafactory in Deutschland zu platzieren.

Und tatsächlich: Deutschland scheint für Elon Musk die erste Wahl beim Standort für eine Gigafactory zu sein. Vielleicht, so Musk, an der Grenze zu Frankreich, nahe den Beneluxländern (Belgien, Niederlande, Luxemburg).

Dass Tesla die Nähe zu den Niederlanden sucht, ist nicht ungewöhnlich. Immerhin steht dort, in Amsterdam, die europäische Zentrale des Elektroauto-Pioniers. Und das, ergänzte Musk in einem weiteren Tweet, werde sich auch nicht ändern.

Wenngleich Musk seinen Ankündigungen gerne Taten folgen lässt, heißt sein Tweet aber noch nicht, dass es tatsächlich zum Bau einer Gigafactory in Deutschland kommt.

Berlin: Gigafactory am Rande der Stadt?

Erste Regionen empfehlen sich schon jetzt als mögliche Standorte für eine Gigafactory von Elon Musk. Dazu gehört auch die Landeshauptstadt Berlin. Laut einem Bericht der “Berliner Morgenpost”, ging bereits im August eine Bewerbung der Wirtschaftssenatorin Ramona Pop zu Tesla raus.

Darin empfiehlt sie den CleanTech-Business-Park in Mahrzahn. Der liegt nahe der S-Bahn-Station Mehrower Allee und ist somit gut ans Verkehrsnetz angebunden. Eine Alternativen wären laut Pop in der Nähe des Campus Berlin-Buch und beim Flughafen Berlin-Tegel gegeben.

Bereits in jüngerer Vergangenheit haben auch Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen ihr Interesse an einer Gigafactory bekundet. Die Nase vorne haben könnte jedoch ein weitaus kleineres Bundesland.

Saarland bewirbt sich als möglicher Standort

Dennoch hat sich das Saarland in Folge des Tweets proaktiv als Standort beworben. In einem Brief wollen Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und Vize-Regierungschefin Anke Rehlinger (SPD) dem Tesla-CEO das Saarland schmackhaft machen. So gedenken sie "auf die besonderen Standortstärken des Saarlandes hinzuweisen und das Angebot aktiver Unterstützung zu machen", berichtete die Saarbrücker Zeitung.

Auch die FDP und die Grünen im Saarland unterstützen den Vorstoß. Demnach sei das Saarland dank der Expertise in der Automobilindustrie der ideale Standort.

Im Länderdreieck zwischen Frankreich, Luxemburg und Deutschland gelegen erfüllt das Saarland zumindest teilweise die Anforderungen Musks, eine Gigafactory möglichst nahe der Grenze zu Frankreich zu platzieren.

Wie das Wall Street Journal (WSJ) Ende Juli unter Berufung auf dem Unternehmen nahestehende Personen berichtete, habe Tesla bereits erste Gespräche mit Vertretern aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz geführt. Dabei soll es vor allem um den möglichen Aufbau einer Gigafactory in einem der beiden Bundesländer gegangen sein, in der sowohl die Fertigung von Batterien als auch Fahrzeugen erfolgen soll.

Gegenüber der Wirtschaftszeitung sagte die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger: "Sie schauen sich uns an, um zu sehen, ob wir ihre Bedürfnisse befriedigen können."

Allerdings, so das WSJ weiter, handle es sich bei der Annäherung lediglich um erste Vorgespräche. Offizielle Verhandlungen habe es noch nicht gegeben. Bis Ende des Jahres will Tesla entscheiden, wo die erste Gigafactory in Europa entstehen soll.

In Teilen ist Tesla bereits jetzt in Deutschland als Arbeitgeber vertreten. 2016 übernahm der Autobauer den Zulieferer Grohmann Engineering in Prüm in der Eifel, das etwa 115 Kilometer Luftlinie von Saarbrücken entfernt liegt. Das automatisierte Produktionssystem für das Model 3 stammt unter anderem von dort.

Bereits in der Vergangenheit hatten sich andere europäische Länder als Standort “beworben”, um von den erhofften positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft zu profitieren. Die EU-Kommission dürfte die Idee begrüßen, während die Industrie selbst derartige Vorhaben aufgrund fehlender Standards noch kritisch betrachtet.

Gigafactory für Massenproduktion von Akkus und Batterien

Die für Europa geplante Gigafactory wäre die zweite außerhalb der USA und die vierte überhaupt, die Tesla baut bzw. anmietet. Die ersten stehen in Reno, Nevada sowie in Buffalo, New York – und eine entsteht gerade in Schanghai.

Der phasenweise Bau der Gigafactory 1 in Reno begann 2014 und wird voraussichtlich noch bis mindestens 2020 andauern. Laut Tesla ist die riesige Fabrik erst zu knapp 30 Prozent fertiggestellt, belegt aber bereits jetzt eine Grundfläche von mehr als 176.000 Quadratmetern auf mehreren Etagen.

Nach Fertigstellung soll die Anlage jährlich Akkus mit einer Gesamtkapazität von 35 Gigawattstunden herstellen – also fast so viel wie die aktuelle Batterieproduktion der ganzen Welt zusammen. Die Menge an Energie bzw. Akkus benötigt Tesla, um die geplante Jahresproduktion von 500.000 Fahrzeugen zu verwirklichen.

Seit Anfang 2017 werden in den teilweise fertiggestellten Abschnitten (insgesamt sollen es 21 werden) Batteriezellen, Akkupacks und Antriebsstränge gefertigt. In Zukunft sollen dort aber auch vollständige Fahrzeuge vom Band laufen, so Musk.

Um die Kosten für die eigene Fahrzeugproduktion noch weiter zu senken, sollen insgesamt zehn bis zwölf solcher Fabrik entstehen, verkündete Musk Mitte Juni bei einer Aktionärsversammlung. In Australien erprobt Tesla derweil das Speichern von Energie in einer Riesenbatterie.

Gigafactory für verschiedene Autohersteller

Das deutsche Konsortium TerraE wollte Ende 2019 eine riesige Akkufertigung in der Bundesrepublik an den Start bringen und somit den Produzenten aus Asien Konkurrenz machen. Bis 2028 sollte die Kapazität so weit ausgebaut sein, dass pro Jahr Zellen und komplette Akkus mit insgesamt 34 Gigawattstunden vom Band laufen – genug für etwa 350.000 reichweitenstarke Elektroautos.

Hinter TerraE standen 17 Unternehmen und Forschungsinstitute sowie der Schweizer Lithium-Ionen-Spezialist Leclanché und der belgische Chemiekonzern Solvay. Zum Konsortium gehörte auch der fränkische Batteriehersteller BMZ, der die Akkus für den StreetScooter der Deutschen Post montiert.

Die Entscheidung für Deutschland als Standort einer Gigafactory war allerdings nicht selbstverständlich. Oft nennen Unternehmen die hohen Stromkosten als Grund, warum sich eine massenhafte Zellproduktion in der Bundesrepublik angeblich nicht lohnt.

Für die Macher von TerraE ging das Argument aber an der Realität vorbei: "Wenn die Stromkosten drei bis vier Prozent der Gesamtkosten ausmachen, ist das viel. Die Argumentation, dass die Zellfertigung nur bei geringen Energiepreisen wirtschaftlich sei, ist einfach falsch", sagte TerraE-Geschäftsführer Holger Gritzka.

Die Partner wollten eigene Akkus verkaufen, vor allem aber im Auftrag der großen europäischen Automobilhersteller produzieren.

TerraE: Am Ende scheiterte es doch an den Kosten

Nach großen Ambitionen und anderthalb Jahren Konzeption ist das Projekt TerraE gescheitert, wie der “Tagesspiegel” berichtet. Demnach habe sich das Konsortium kürzlich zerschlagen. Der Grund dafür liege in den Kosten für die Fertigung in Großserie. Die Unternehmen waren offenbar nicht bereit, diese zu tragen.

Damit ist das Thema einer Gigafactory deutscher Unternehmen aber noch nicht zu den Akten gelegt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier drängt auf einen Neustart des Projekts. Bereits jetzt meldeten laut Ministerium zahlreiche Unternehmen Interesse an. Dazu sollen Firmen wie Varta Microbattery und Ford gehören.

Offenbar beteiligt sich die Bundesregierung auch finanziell an dem Vorhaben. Eine Milliarde Euro bis 2021 sollen einen vereinfachten Start ermöglichen. Noch eine Milliarde plant Altmaier für eine zweite Fabrik in der Lausitz, wo die Braunkohleförderung in den kommenden Jahren langsam auslaufen soll. Eine Gigafactory könnte einen möglichen Zerfall der Region verhindern und Arbeitsplätze retten.

Förderung soll Anreize schaffen

Neben den zwei Milliarden Euro, die direkt in die Anlagen und somit in die Herstellung von Batterien und Akkus fließen, will die Regierung weitere 600 Millionen Euro bereitstellen. Die als Forschungsgeld angedachte Summe erhält eine Fabrik, die an die Fraunhofer Gesellschaft angegliedert ist. Die dort angestellten Wissenschaftler sollen die Weiterentwicklung von Zellen und Batterien vorantreiben.

Updates

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Schon im vergangenen Jahrzehnt hatte die Bundesregierung eine halbe Milliarde Euro in die Zellforschung investiert. Doch "ohne industrielle Fertigung und begleitende Forschungsaktivitäten gebe es keine komplette Wertschöpfungskette mehr in der Autoindustrie", wie der Tagesspiegel schreibt.

Mit dem Bau der zwei vom Bund subventionierten Gigafactories will die Regierung darüber hinaus Anreize schaffen, die Batteriezellfertigung und "die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Zellfertiger" hierzulande zu sichern. Denn, so der Tagesspiegel weiter, "allein VW braucht die Kapazität von vier riesigen Zellfabriken, um die drei Millionen Stromautos auszurüsten, die der Konzern 2025 bauen will."

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