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Elektromobilität

Batterien: Deutschland bekommt eine Gigafactory

von Manuel Berkel

Ladestecker am Anschluss eines Elektroautos
Unter Strom: Die Akkus für Elektroautos sollen künftig aus einer deutschen Gigafactory kommen. Foto: picture-alliance / Robert B. Fishman

Das erfahren Sie gleich:

  • Europäische Firmen planen eine riesige Batteriefabrik ähnlich der von Elon Musk
  • Die ersten Akkus aus der deutschen Gigafactory sollen in Elektrobussen landen
  • Sogar günstiger als asiatische sollen die Batterien made in Germany sein

Die Elektrorevolution hat die deutsche Industrie lange verschlafen. Mit einer Gigafactory für leistungsfähige Akkus soll sich das 2019 ändern.

Batterien für 350.000 Elektroautos

Die Batteriezelle ist das Herzstück eines Elektroautos. Reichweite, Ladedauer – wer bei den wichtigsten Eigenschaften eines Stromers vorne liegen will, muss bei den Energiespeichern führend sein. Doch bisher fuhr Deutschland bei dieser wichtigen Zukunftstechnologie nur auf den hinteren Rängen mit. Die Masse der kleinen Energiepakete kommt aus Japan, Südkorea und China.

Nun will aber das deutsche Konsortium TerraE Ende 2019 eine riesige Akkufertigung in der Bundesrepublik an den Start bringen. Bis 2028 soll die Kapazität so weit ausgebaut werden, dass pro Jahr Zellen und komplette Akkus mit insgesamt 34 Gigawattstunden hergestellt werden – genug für etwa 350.000 reichweitenstarke Elektroautos. Ein ähnlich hohes Ziel hat sich auch Elon Musk (Tesla Motors, SpaceX) mit seiner Gigafactory gesetzt, die seit 2016 Schritt für Schritt im US-Bundesstaat Nevada entsteht.

Gigafactory für verschiedene Autohersteller

Hinter TerraE stehen 17 Unternehmen und Forschungsinstitute sowie der Schweizer Lithium-Ionen-Spezialist Leclanché und der belgische Chemiekonzern Solvay. Zum Konsortium gehört auch der fränkische Batteriehersteller BMZ, der die Akkus für den StreetScooter der Deutschen Post montiert.

Die Entscheidung für Deutschland als Standort einer Gigafactory war allerdings nicht selbstverständlich. Oft werden die hohen Stromkosten als Grund genannt, warum sich eine massenhafte Zellproduktion in der Bundesrepublik angeblich nicht lohnt.

Für die Macher von TerraE geht das Argument aber an der Realität vorbei: "Wenn die Stromkosten drei bis vier Prozent der Gesamtkosten ausmachen, ist das viel. Die Argumentation, dass die Zellfertigung nur bei geringen Energiepreisen wirtschaftlich sei, ist einfach falsch", sagt TerraE-Geschäftsführer Holger Gritzka. Die Partner wollen eigene Akkus verkaufen, vor allem aber im Auftrag der großen europäischen Automobilhersteller produzieren.

Jahrelange Akku-Forschung soll sich auszahlen

Dabei gilt vielen in der Autoindustrie derzeit eher China als natürlicher Standort für neue Batteriefabriken. Dort wächst der Markt für E-Autos dank aggressiver Förderung am stärksten. Gritzka glaubt trotzdem an ausreichende Nachfrage in Europa: „Der Markt für Batteriezellen wird in den nächsten Jahren so gigantisch wachsen, dass ein Produzent mehr nicht ins Gewicht fällt.“ Für eine heimische Batterieproduktion führt er handfeste Vorteile an: "Für uns ergibt eine Batteriefabrik in Deutschland Sinn, weil die Importkosten wegfallen und wir mit grünen Strom produzieren können."

Wir werden wesentlich günstiger produzieren als asiatische Hersteller.

Dank jahrelanger Forschung fühlen sich die Firmen hinter TerraE der Konkurrenz aus Fernost inzwischen technologisch überlegen. "Wir werden wesentlich günstiger produzieren als asiatische Hersteller. Wir profitieren zum Beispiel von unserer verbesserten Elektrodenfertigung", sagt Gritzka.

Die Firmen hinter TerraE beteiligen sich seit Jahren an Forschungsprojekten der Bundesregierung. Erst im Dezember 2017 startete die letzte Förderstufe. Bis Mitte 2019 wollen die Maschinenbauer und anderen Partner des Konsortiums noch an der Produktionstechnik feilen, dann kann die Fertigung schrittweise beginnen.

Elektrobusse fahren voraus

Allerdings haben Pkw-Hersteller etwa vier Jahre Vorlaufzeit für die Auswahl von Komponenten. Ab 2022 könnten erste Serien-Elektroautos mit TerraE-Batteriemodulen fahren, prognostiziert Gritzka. Andere Industriezweige reagieren schneller. Die ersten Akkus werden deshalb wahrscheinlich in elektrischen Werkzeugen, Gabelstaplern und Elektrorollern stecken oder Elektrobusse antreiben.

Städte und Gemeinden warten dringend auf feinstaubfreie Busse und ordern gerade die ersten Exemplare für den Massenbetrieb. Schon bald könnten sie dann mit Batterien aus heimischer Produktion fahren.

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