Elektromobilität

Batterie-Recycling: Alte Fahrzeugbatterien als Stromspeicher

von Marten Zabel

In den kommenden Jahren wird es immer mehr verbrauchte Batterien von Elektrofahrzeugen geben. Eine gute Lösung ist die Nutzung als Stromspeicher im Netz.

Strommasten vor einem blauen Himmel.
Stromspeicher aus alten Fahrzeugbatterien sollen das Stromnetz stabilisieren. Foto: Shutterstock / Logan Yang

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die Fahrzeugbatterie die Lösung für das Energieproblem darstellen könnte
  • Warum der Stromspeicher-Markt immer weiter wächst
  • Welche Formen das Recycling von Batterien bereits annimmt

Die Elektrifizierung des Autoverkehrs stellt die Infrastruktur vor neue Herausforderungen. Zwei davon könnten sich gegenseitig lösen: Zum einen stellen verbrauchte Batterien der Elektroautos eine Umweltbelastung dar, zum anderen benötigt das Stromnetz mehr Zwischenspeicher, um Spitzen abzufangen und regenerative Energien zu sammeln, wenn sie entstehen.

Studien zur Verwendung alter Fahrzeugbatterien zeigen schon länger, dass in diesen noch ein zweites Leben am Stromnetz steckt. Und die ersten Hersteller haben bereits angefangen, das auch zu nutzen – um die Elektromobilität noch nachhaltiger zu machen.

Die Fahrzeugbatterie als Lösung

Der Energiespeicher ist bei regenerativen Energien noch immer ein Problem. Denn Wind- und Sonnenenergie benötigen für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung während Flauten beziehungsweise Dunkelheit Speichermöglichkeiten.

Als Lageenergie in einem Wasserreservoir ist das Ganze nur an wenigen geografischen Stellen möglich. Außerdem konkurrieren Akkus und Speicheranlagen um eine begrenzte Weltjahresproduktion – denn weltweit sind immer mehr E-Autos auf den Straßen unterwegs.

Die in Elektroautos verwendeten Lithium-Ionen-Akkus sind deutlich schwieriger zu recyceln als herkömmliche Bleibatterien bei Verbrennern. Sie stellen damit nicht nur bei der Herstellung, sondern auch bei der Entsorgung eine Belastung für Umwelt und Geldbeutel dar. Eine VDE-Studie von 2016 geht davon aus, dass die Akkus nach 800 vollen Ladezyklen nur noch 80 Prozent ihrer Kapazität haben.

Vielen E-Auto-Fahrern ist das nicht genug – vor allem dann, wenn das Auto schon zuvor eine recht geringe Reichweite hatte. Für stationäre Speicher – etwa in Windrädern – genügt das jedoch allemal. 200 weitere Zyklen stecken in dem Moment nämlich noch in der Batterie. Und die halten deutlich länger als im Auto, da stationäre Speicher nur selten vollständig ge- und entladen werden.

Ein E-Auto, das gerade Strom tankt.
Ist die Reichweite für E-Auto-Fahrer zu gering, finden die Batterien andere Einsatzorte. Foto: Shutterstock / Jan Faukner

Stromspeicher – ein wachsender Markt

Ein Report aus den USA geht davon aus, dass bis 2025 etwa 29 Gigawattstunden an Batteriekapazität aus alten Elektroautos ausgebaut werden wird. Ein Drittel davon kann laut dem Global EV Outlook 2016 eine Zweitverwendung finden. Bisher stammen aber nur 0,2 Prozent der rückläufigen Akkus von E-Autos. Den größten Teil machen Batterien von Nutzfahrzeugen wie Gabelstaplern aus.

Dabei unterbieten diese Systeme die Kosten neuer Batterien: Die Kilowattstunde Kapazität kostet bei heutigen Speichern demnach bis zu 1000 US-Dollar – bei alten Fahrzeugbatterien sind es nur 49 Dollar plus 400 Dollar für die Umrüstung und den Einbau in ein stationäres Speichersystem.

Sie machen zusammen mehr als 60 Prozent der ausrangierten Energieträger aus, bei einem Gewicht von rund 58.000 Tonnen. Sie müssten lediglich verbaut werden. Das aber ist eine weitere Herausforderung, da Batterien in verschiedenen Nutzungsmustern und bei verschiedenen Herstellern unterschiedlich altern.

Das Recycling von Batterien läuft bereits

Die ersten Autohersteller haben das Potenzial der Idee bereits erkannt. Ihr Vorteil: Sie können auf gleichartige Batterien zugreifen, die aus einem ähnlichen Verbrauchsmuster stammen. Chevrolet hat in den USA alte Batterien aus Fahrzeugen vom Typ Volt in Zweitverwendung, um die Stromversorgung eines Datenzentrums zu unterstützen.

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Daimler arbeitet sogar noch eine Stufe höher und hat ein erstes Großspeicherwerk in Lünen eingerichtet. Hier bringen rund 1000 alte Batterien eine Speicherkapazität von 13 Megawattstunden. Der Hersteller nutzt an zwei weiteren Standorten allerdings nicht nur Altbatterien, sondern auch Neu-Akkus vor dem Einbau in Elektro-Smarts als Netzspeicher. Der Standort bei Elverlingsen in Nordrhein-Westfalen ist dabei besonders prägnant: Er ist in einem stillgelegten Kohlekraftwerk untergebracht. Fossile Energie wird hier durch Neue ersetzt.

Ein ähnliches Projekt – jedoch in kleinerem Maße – brachte Nissan kürzlich in Amsterdam auf den Weg. Hier dienen 148 E-Auto-Batterien (gebraucht und neu) als Energiespeicher für das Solardach des größten Fußball-Stadions des Landes.

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