Leben

Bargeld abschaffen: Was dafür spricht und was dagegen

von Marten Zabel

Einige Länder experimentieren damit, das Bargeld abzuschaffen. Tim Cook hofft, dass Apple Pay dafür sorgt, dass es noch in seiner Lebenszeit geschieht.

Ein Blick blickt durch die gläserne Scheibe ins Steve Jobs Theater
Zentrum einer neuen Revolution? Vom Silicon Valley aus fördert Apple die Abschaffung des Bargelds. Hier das Steve Jobs Theater, in dem Apple Events und Schulungen abhält. Foto: Apple

Das erfahren Sie gleich:

  • Das Bargeld abschaffen – ein langgehegter Traum vieler Politiker
  • Apple-CEO Tim Cook hofft, dass Apple Pay auch in Deutschland ein Teil dieses Prozesses wird
  • Welche Vorteile und welche Nachteile die Abschaffung des Bargeldes hat

Das Bargeld abschaffen – eine gute Idee?

Einige Politiker und Ökonomen sehen das Bargeld inzwischen als Ärgernis und wollen es daher abschaffen: In Geschäften und Banken kostet seine Handhabung Zeit, und Geldströme lassen sich nicht kontrollieren.

Einige Länder haben erste Schritte getan, um in eine bargeldlose Zukunft zu gehen – und sie bekommen Unterstützung aus dem Silicon Valley. Apple-Chef Tim Cook hat jetzt auf einer Aktionärsversammlung den Wunsch geäußert, Apple Pay möge dazu beitragen, das Bargeld abzuschaffen.

Allerdings: In Deutschland ist der digitale Bezahldienst noch immer nicht verfügbar. Und es bleibt die Frage, ob und für wen die Abschaffung des Bargelds wirklich wünschenswert ist.

Tim Cook: Apple Pay als Teil der Revolution

Die Existenz von Bargeld ist in den Augen von Tim Cook sinnlos und überholt. Er hoffe, sagte der Apple-Chef, dass er dessen Eliminierung noch erlebe. Sein digitaler Bezahldienst Apple Pay erlaubt es Menschen, ihr iPhone als Geldbörse zu verwenden.

Mit Apple Pay möchte Apple beim Bargeld das werden, was es mit den ersten iPhones schon bei den Mobiltelefonen wurde.

Der Dienst breitet sich zwar weltweit langsamer aus als erwartet – dennoch scheint Cook zu hoffen, dass Apple in Sachen Geld das werden kann, was es mit der Einführung des ersten iPhones bei Mobiltelefonen wurde. Denn wird das Bargeld nach und nach abgeschafft, müssen die Menschen auf Kreditkarten und digitale Alternativen ausweichen.

Portraitfoto von Apple-CEO Tim Cook
Mister Digitalzahlung: Apple-CEO Tim Cook will mit Apple Pay das Bargeld abschaffen. Foto: picture alliance / Bernd Thissen/dpa

Bargeld abschaffen: Vorteile und Nachteile

Für eine Abschaffung des Bargelds sprechen neben den Kosten der Handhabung, die durch elektronische Systeme weitgehend wegfallen würden, die Kontrollmöglichkeiten durch den Staat: Verdächtige Kontobewegungen und Bareinzahlungen über zehntausend Euro müssen Banken bereits jetzt den Behörden melden. Ohne Bargeld müssten sich Steuerhinterzieher und Kriminelle dann mit Kryptowährungen begnügen – und all deren Nachteile in Kauf nehmen. Das ist nicht nur für autoritäre Systeme interessant.

Die Kontrolle hat aber auch negative Seiten: Ohne Bargeld wäre ein enormer Teil der Privatsphäre der Bürger verloren. Das Bankgeheimnis wurde zuletzt immer weiter aufgeweicht, und wenn Firmen wie Apple oder Google nun auch noch sämtliche Einkaufsdaten der Menschen erhalten, ist das Leben der Bürger nicht nur für den Staat, sondern auch für die Großkonzerne gläsern. Zudem gehen die Befürworter der Bargeldabschaffung nicht unbedingt selbst auf den Wochenmarkt.

Schweden und Indien schränken Bargeld ein

Insbesondere Schweden und Indien experimentieren derzeit mit der Abschaffung des Bargelds: Zum einen akzeptieren in Schweden immer weniger Geschäfte Bares, zum anderen hat Indien im November 2016 einen Großteil seiner Währung offiziell entwertet – offiziell, um gegen Korruption und Kriminalität vorzugehen.

In Schweden werden inzwischen 80 Prozent aller Zahlungen elektronisch durchgeführt: Viele Geschäfte nehmen Bargeld nur noch abgezählt oder gar nicht mehr an. Bis 2030 will das Land die Schwedische Krone nur noch in virtueller Form führen. Das ist vor allem für Touristen irritierend, die selbst für den Kauf eines Bustickets zur Kreditkarte greifen müssen oder die passende Smartphone-App benötigen.

86 Prozent des existierenden Bargelds waren über Nacht wertlos geworden – es kam zu Chaos.

Ganz so weit wie Schweden ist Indien noch nicht. Dennoch war die überraschende Entwertung der 500- und 1000-Rupien-Scheine Ende 2016 ein erster Schritt zu einer bargeldlosen Wirtschaft im bevölkerungsreichsten Land der Welt. 86 Prozent des existierenden Bargelds waren damit über Nacht wertlos geworden – es kam zu Chaos.

Die Reform hat in dem Land, in dem ein Großteil der Menschen nicht über ein Bankkonto verfügt, bislang vor allem wirtschaftliche Probleme bereitet: Schätzungen zufolge wurden nicht nur Bürger verunsichert, sondern auch das Wirtschaftswachstum merklich ausgebremst.

Bargeld in Deutschland: Schwer abzuschaffen

In Deutschland sind derartige Schritte in Richtung bargeldlose Wirtschaft zumindest derzeit kaum vermittelbar: Die Verbraucher hierzulande sind nicht nur auf ihre Privatsphäre bedacht, sondern trauen auch der Sicherheit mobiler Payment-Systeme nicht. Aber auch der Rest des Kontinents teilt die Liebe der Schweden zu elektronischer Bezahlung nicht: In Zypern, Spanien und Italien werden laut einer Studie der EZB noch immer mehr als 80 Prozent der Zahlungen in Cash getätigt. Auf Malta sind es sogar 92 Prozent.

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Skandale wie die Panama Papers zeigen, dass es auch bei digitalem Banking genug Tricks zur Vermeidung und Verschleierung gibt.

Die Abschaffung des Bargelds ist vor allem aus Sicht von Law-And-Order-Kontrollpolitikern ein lohnendes Projekt. Doch Steuerhinterziehung und Korruption dürften auch ohne Bares einen Weg finden – Skandale wie die Panama Papers zeigen, dass es auch bei digitalem Banking genug Tricks zur Vermeidung und Verschleierung gibt. Und Milliardensummen, die Konzerne am Fiskus vorbeischleusen, sind ohnehin in bar kaum zu handhaben.

Betroffen wären also vor allem inoffiziell beschäftigte Putzfrauen und andere "kleine Fische“.

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