Leben

Barfußlaufen: Warum ohne Schuhe zu gehen so gesund ist

von Sabrina Lieb

Barfußlaufen wird zum Gesundheitstrend: Immer häufiger sieht man Menschen, die ohne Schuhe unterwegs sind. Einer davon ist der Leipziger Carsten Wölffling.

Ein Fußbabdruck im nassen Sand
Spuren hinterlassen: Barfußlaufen soll die kleinen und großen Fußmuskeln trainieren – und so Fehlstellungen vermeiden. Foto: Unsplash/Tyler Nix

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Carsten Wölffling bei jeden Wetter barfuß läuft
  • Welche Auswirkungen barfuß laufen auf die Gesundheit hat
  • Wieso Barfußschuhe für überzeugte Barfußläufer keine Alternative sind

Mit dem Barfußlaufen zurück zum Ursprung

„Heute morgen ging es nach dem Aufstehen gleich eine Runde laufen. Das vierte Jahr barfuß ist nun angebrochen. Ich frage mich nur, wann es endlich mal kalt wird.“ Der Mann, der das auf seinem Onlineblog schreibt, heißt Carsten Wölffling, ist Sporttherapeut und Ernährungscoach – und ein konsequenter Verfechter des Barfußlaufens.

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Ganz gleich, welche Wetterlage der Himmel zeigt - der 30-Jährige läuft grundsätzlich barfuß. Auf die Fragen, warum er das tut und weshalb er als Barfußcoach auch andere davon überzeugen möchte, hat Carsten Wölffling gute Gründe für die Gesundheit parat: „Evolutionsbiologisch gesehen ist es so, dass wir unseren Fuß erst seit wenigen hundert Jahren in Schuhen zwängen.“ Dabei würden die vielen kleinen und großen Fußmuskeln kaum noch trainiert, was zu Fehlstellungen führe.

Denn je weniger Bänder, Sehnen und Muskeln belastet werden, desto eher bilden sie sich zurück. Weil der Tastsinn beim Schuhetragen über die Jahre abstumpfe, sei es für die meisten Menschen ein „Aha-Erlebnis“, wenn sie wieder anfingen zu spüren.

Barfuß zu gehen hat seine Grenzen

Barfußlaufen zu jeder Wind- und Wetterlage: Ist das nicht ungemütlich, ist das nicht eklig? Alleine die Hundehaufen auf den Straßen! „Um ehrlich zu sein, kann ich mich nicht daran erinnern, ob ich in den letzten Jahren je in einen Hundehaufen getreten bin. Wenn ich durch den Wald renne und in was hinein trete, weiß ich nicht, ob das jetzt Matsch oder Sand oder was ganz anderes war. Ich wasch meine Füße am Abend ja eh immer“, sagt Carsten. Das Gefühl, ohne Schuhe unterwegs zu sein, ist für ihn unvergleichlich.

Und wenn dann doch mal ein Haufen im Weg liegt, lauf ich dran vorbei und kicke den nicht mit den nackten Zehen weg.

Laut dem Barfußcoach, der auch Laufkurse und Workshops für Fuß-Fehlstellungen gibt, schule Barfußlaufen auch enorm die Achtsamkeit. „Man geht anders durch die Stadt, und die ist im Übrigen hier ziemlich sauber. Und wenn dann doch mal ein Haufen im Weg liegt, lauf ich dran vorbei und kicke den nicht mit den nackten Zehen weg.“

Ein Mann und eine Frau sitzen barfuß in der Kofferraumklappe eines Autos
Unten ohne: Die meisten Menschen gehen höchstens im Sommer mal barfuß – manche Aktivsten aber auch bei Minusgraden im Winter. Foto: Unsplash/Dani Vivanco

Barfußschuhe nur in Ausnahmefällen

Nur in Einzelfällen zieht der junge Mann sogenannte Minimalschuhe an. Die speziellen Barfußschuhe verzichten weitestgehend auf eine Führung des Fußes, haben keine oder kaum Dämpfung- und Stützelemente und vermitteln so seinem Träger ein direktes Laufgefühl, das dem Barfußlaufen so ziemlich nahekommt.

In Kreisen engagierter Barfußläufer werden die Minimalschuhe allerdings kontrovers diskutiert. Die einen – so wie Carsten – sind in Ausnahmesituationen dafür. Die anderen zweifeln den Nutzen von Barfußschuhen an, da sie darin eine reine Geldmacherei sehen und sogar einen Schaden für das Barfußlaufen durch die Barfußschuhe heraufbeschwören.

Barfußlaufen passt nicht in jedes Weltbild

Barfüßiges Leben kann aber auch seine Grenzen haben. Bei Carsten liegen die beim Fahrradfahren. Drei angefrorene Zehen im Winter und ein eingeklemmter großer Zeh in den vorderen Speichen – autsch, das will man sich gar nicht genauer vorstellen. „Barfuß Fahrradfahren ist in meinen Augen zu 95 Prozent ein No-Go. Da erfüllt sein Schuh eben doch seine Schutzfunktion“, so Carsten.

Und wird er beim Barfußlaufen nicht auch mal dumm angeschaut? „In Leipzig eher weniger, da sieht man im Sommer immer mal wieder jemanden barfuß. Und die Leute sehen ja auch, dass ich ansonsten nicht wie ein Lumpensack herumlaufe“, sagt Carsten. Allenfalls Kinder und Ältere würden mal krumm schauen, wenn er barfuß seine Runden drehe.

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Bei einem Beobachter müssen allerdings einmal gehörig die Alarmglocken geklingelt haben: „In Leipzig-Stötteriz gab es mal einen Barfußläufer, der von einem vorbeilaufenden Passanten gesehen wurde. Der hat sich anschließend an die Leipziger Volkszeitung gewandt und schockiert von seiner Beobachtung des Barfüßigen berichtet. Die Regionalzeitung hat wiederum im Internet nach Barfußläufern recherchiert, meine Webseite gefunden und mich im Anschluss angerufen, um zu fragen, ob das eine Sekte sei und ob ich damit was zu tun habe."

Trotz der wachsenden Barfußszene passt das Laufen ohne Schuh halt noch immer nicht in jedes Weltbild.

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