Elektromobilität

Babcock Ranch: So läuft der Verkehr in der Stadt der Zukunft

von Paul Bandelin

In Florida hat ein ehemaliger NFL-Profi seinen Traum einer energieautarken Smart City realisiert. Das Konzept: Kaum Parkplätze, aber autonome Minibusse.

Eine schmale Straße in Babcock Ranch, auf der anderen Straßenweise sind mehrere weiße Häuser zu sehen.
Weiße Weste: In Babcock Ranch hat Nachhaltigkeit höchste Priorität – alle Häuser müssen zum Beispiel einen Mindeststandard der "Florida Green Building Coalition" erfüllen. Foto: Babcock Ranch

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum ein Ex-Footballer-Spieler eine Smart City baut
  • Was Babcock Ranch zur Stadt der Zukunft macht
  • Was "Car-to-X" bedeutet

Warum ein Ex-Footballer-Spieler eine Smart City baut

Der ehemalige NFL-Football-Spieler und heutige Umweltaktivist Syd Kitson hegte einen Traum: Er wollte die erste energieautarke Stadt der Welt errichten, die zudem intern komplett vernetzt ist. Ein Stadt wie geschaffen für den Durchbruch der Elektromobilität.

Seit nunmehr zehn Jahren hat der pensionierte Footballstar (ehemals Green Bay Packers und Dallas Cowboys) die Vision von Babcock Ranch. Einer Stadt der Zukunft, in der Glasfaserkabel in jedes Haus führen, selbstfahrende Autos die Kinder zur Schule bringen und auch wieder abholen. Und vor deren Toren ein Park aus Solarpanelen steht, der die gesamte Stadt mit Energie versorgt.

Syd Kitson will aufzeigen, dass nachhaltige Entwicklung nicht zwangsläufig teuer sein muss und wir nur so unseren Planeten retten können. Im US-amerikanischen Sonnenscheinstaat Florida fand er die optimale Lage für seine ambitionierte Smart City.

Von Miami aus zwei Autostunden Richtung Westen liegt die Stadt der Zukunft zwischen Fort Meyers und Punta Gorda. Ungefähr 50.000 Einwohner soll die Vision am Ende beherbergen können. Derzeit befindet sie sich in der Endphase des Baus.

Im Januar 2018 zogen die ersten gut hundert Menschen in ihre neuen Wohnungen. Mitte März feierte das ambitionierte Projekt seine Eröffnung. Bis Ende des Jahres erwarten die Macher bereits um die 1000 Einwohner in der Stadt.

Luftbild eines Teils von Babcock Ranch, im Vordergrund ein zweistöckiges Gebäude mit Solarpaneln auf dem Dach.
Die Solarpanel auf den Dächern von Geschäften und öffentlichen Gebäuden in Babcock Ranch ergänzen die große Solaranlage vor den Toren der Stadt. Foto: Babcock Ranch

Was Babcock Ranch zur Stadt der Zukunft macht

Zusammen mit einer Vielzahl amerikanischer und europäischer Unternehmen entwickelte Syd Kitson in Babcock Ranch Stück für Stück die auf dem Reißbrett entworfene Smart City.

Der Plan sieht vor, dass sich elektrische Minibusse permanent mit maximal 16 km/h im Kreis bewegen und die Einwohner von A nach B befördern, um ihnen so wenig Grund wie möglich zu geben, ein eigenes Auto zu besitzen.

Zudem gibt es ein gesamtheitliches Entwicklungskonzept, um alle öffentlichen Einrichtungen (Schulen, Krankenhäuser, Bibliotheken) effizient miteinander zu verbinden. Sämtliche in der Stadt gewonnenen Daten sollen in einer Cloud verfügbar sein.

So entsteht eine permanente Interaktion zwischen den Stadtbewohnern und der sie umgebenden Technologie. Auch wenn noch nicht alles an seinem Platz ist, arbeiten die Macher unentwegt an der Fertigstellung.

Parkplätze und Garagen gibt es auf den 35 Quadratkilometern Stadtfläche nur sporadisch. Ein Areal gleicher Größe befindet sich vor den Toren Babcock Ranchs und besteht nur aus Grünflächen und Parkanlagen.

Zudem hat der Energieversorger Florida Power & Light (FPL) in der Nähe der grünen Fläche ein 1,8 Quadratkilometer großes Solarfeld mit rund 300.000 Solarpanels errichtet – 15.000 Haushalte kann das Miniaturkraftwerk mit Strom versorgen.

Was "Car-to-X" bedeutet

Grundlage für die autonom fahrenden Busse in Babcock Ranch ist die „Car-to-X“-Technologie. Ingenieure und Stadtentwickler arbeiten vielerorts an einer komplett vernetzten Verkehrsinfrastruktur, die die Zukunft von Sicherheit, Effizienz und Komfort im Straßenverkehr gewährleistet.

Also eine Einbindung der Fahrzeuge in eine umfassende Dateninfrastruktur, die eine direkte Kommunikation zwischen den Fahrzeugen untereinander und dem System ermöglicht.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Vernetzte Autos warnen einander beispielsweise vor Glatteis, drohenden Verkehrsunfällen, und der Verkehr läuft schlichtweg fließender. Ampeln erkennen automatisch, wann ein Farbwechsel am sinnvollsten ist, so dass möglichst viele Menschen schnell an ihr Ziel kommen.

Neu angetrieben

Nachhaltigkeit bei Audi.

Mehr erfahren

In Kalifornien dürfen die ersten autonomen Autos bald auf öffentliche Straßen. Die fehlerhafte menschliche Komponente bleibt dabei im Endeffekt vollends auf der Strecke. Bis es soweit ist, müssen die autonomen Autos aber noch fleißig in der Fahrschule Praxiserfahrung sammeln.

Das klingt alles noch so weit weg. Doch das Beispiel Babcock Ranch zeigt: Die Stadt der Zukunft ist gar nicht mehr so weit weg.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.