Technik

Autoreparaturen werden immer teurer – Schuld ist die sensible Technik!

von Carola Franzke

Empfindliche, teure Sensoren und zeitaufwändige Spezialaufgaben: Die Reparaturkosten an Autos steigen durch die moderne Sicherheitstechnik.

Ein Steinschlag in einer Windschutzscheibe.
Schon beim Steinschlag können Reparaturkosten in modernen Autos explodieren – denn die Technik treibt oft den Preis in die Höhe. Foto: Shutterstock / GikaPhoto By waraphot

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie uns Sensoren und empfindliche Sicherheitstechnik in modernen Autos das Leben erleichtern
  • Warum dadurch jedoch die Reparaturkosten selbst bei kleinen Unfällen explodieren
  • Weshalb es so schwierig – und essenziell – ist, die Sicherheitssysteme und Sensoren neu zu kalibrieren

Die American Automobile Association (AAA), Gegenstück zum deutschen ADAC, veröffentlichte im Oktober 2018 eine aktuelle Studie über die Reparaturkosten, die durch moderne Sicherheitstechnik zusätzlich entstehen. Mehr Technik, mehr Kosten, das war zu erwarten. Die tatsächlichen Unterschiede sind jedoch schockierend. Verglichen mit älteren Fahrzeugen ohne Fahrassistenzsysteme und ähnlichem, können sich die Kosten bei modernen Autos schon bei kleinen Unfällen schnell vervielfachen.

Als Beispiel führte der amerikanische Automobilclub die Kosten für den Austausch einer Windschutzscheibe an. Gerade in den USA, wo lange Autobahnstrecken für Pendler und Reisende zum Alltag gehören, sind Steinschlagschäden und Risse in der Windschutzscheibe ein gewohntes Ärgernis.

Schäden an Frontscheiben sind wirklich nicht ungewöhnlich. Was normalerweise nur die Optik stört, kann im Sichtbereich von Fahrer oder Kamerasystemen schnell zu einem Sicherheitsrisiko werden. In solchen Fällen ist umgehend eine Fachwerkstatt gefordert.

John Nielsen, Geschäftsführer der Techniksparte des AAA

Reparaturkosten steigen durch Sicherheitstechnik

Die Kosten für eine neue Frontscheibe liegen bei konventionellen Autos bisher durchschnittlich um 220 US-Dollar, mit Ausreißern bis zu etwa 500 Dollar. Bei einem Fahrzeug, das mit Kamera und Sensorik hinter der Scheibe ausgerüstet ist, muss der Austausch der Scheibe vorsichtig und präzise erfolgen, die Scheibe selbst womöglich besonderen Standards gehorchen. Da liegen die Kosten leicht in der dreifachen Höhe um 1500 Dollar.

Seit den Achtzigerjahren hat kontinuierlich immer mehr Technik in Automobilen Einzug gehalten: Waren Airbags, elektrische Fensterheber und Klimaanlagen damals noch die Ausnahme oder sogar ein aufpreispflichtiger Luxus, gehören diese Merkmale heute zur Grundausstattung.
Dasselbe gilt für Antiblockiersystem (ABS) und elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP), die man inzwischen standardmäßig in jedem Fahrzeug finden kann.

Weitere Sicherheits- oder Assistenzsysteme wie Abstandswarner (PDC: park distance control), Tote-Winkel-Warner, Rückfahrkameras oder Einparkassistenten sind ebenfalls auf dem Vormarsch, wenn auch meist als zusätzliche Ausstattungspakete. Teilweise sind die Elemente der modernen Sicherheitstechnik bereits erste Stufen des autonomen Fahrens, wie etwa Spurhaltewarnsystem und adaptive Geschwindigkeitsregelung.

Die Autos von heute sind voll mit Sensoren und Prozessoren, die für eine reibungslose Kommunikation aller Komponenten dieser Sicherheitssysteme sorgen.

Kalibrierung von Sensoren & Co

Da ist es kein Wunder, dass die Kalibrierung der Sensoren eine heikle Sache ist, für die ausgebildetes Fachpersonal notwendig ist. Die Hightech-Systeme erfordern eine genaue Abstimmung, damit sie auch wirklich zuverlässig funktionieren.

Selbst ein kleiner Parkrempler kann schon dazu führen, dass Sensoren, die in den Stoßfängern eingebaut sind, verschoben werden. Bei so einem "Park-Piepser" (PDC) mag es nur ärgerlich sein, wenn er zu spät auslöst, und das eine Beule zur Folge hat. Bei der adaptiven Geschwindigkeitsregelung auf der Autobahn kann eine falsche Abstandsmessung Leben kosten: Präzise kalibrierte Sensoren sind absolut unverzichtbar.

John Nielsen, Geschäftsführer der Techniksparte des AAA: „Fortschrittliche Sicherheitssysteme sind heute so verbreitet, viele Elemente davon sind bereits Standard in der Grundausstattung. Fahrzeughalter müssen sich damit auseinandersetzen, über welche Technologie ihr Auto verfügt, wie sie funktioniert und was Reparaturen im Fall der Fälle kosten können.“

Folgen gehen über teure Reparaturen hinaus

Die Hightech-Sicherheitssysteme, die sich in modernen Autos immer mehr durchsetzen, haben eine Reihe von Folgen, die nicht nur mit der Reparatur zu tun haben. Die wichtigste Folge ist sicherlich, dass weltweit zehntausende, wenn nicht gar hunderttausende Menschen jedes Jahr ihr Leben der modernen Sicherheitstechnik verdanken: Es gibt weniger Tote im Straßenverkehr und weniger schwere Verletzungen bei Autounfällen, sowohl bei Insassen als auch bei Fußgängern.

Das bedeutet für die Versicherer – nüchtern betrachtet – einen Kostenrückgang: Weniger Entschädigungszahlungen, Heilbehandlungskosten und so weiter. Dem gegenüber stehen steigende Reparaturkosten an modernen Autos. Für Versicherungsmathematiker dürfte das eine Herausforderung sein, und für Verbraucher bedeutet das vermutlich über kurz oder lang veränderte Prämienstrukturen für verschiedene Versicherungen, wie etwa die private Unfallversicherung und natürlich die Kfz-Kasko- und Haftpflichtversicherungen. Es bleibt außerdem spannend, wie sich das ganze mit vollkommen autonom fahrenden Autos entwickeln wird.

Und zu guter Letzt wird sich der Ausbildungsberuf des heutigen Kfz-Mechatronikers wohl weiter verändern. In den Achtzigern war Kfz-Mechaniker noch ein gefragter Beruf für vornehmlich praktisch begabte Jugendliche. Mittlerweile steht eher der Mechatroniker im Vordergrund, der Fachwissen in IT sowie Physik und Mathematik benötigt.

Zudem könnte es sein, dass die veränderte Technik langfristig dazu führt, dass Besitzer selbst oder auch freie Werkstätten immer weniger an den Fahrzeugen tun können.

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