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Autonomes Fahren: Waymo will Selbstfahrer-Lizenz in Kalifornien

von Paul Bandelin

Das Lenkrad eines Autos, im Hintergrund ist die Windschutzscheibe zu sehen, im Vordergrund ein Fahrer
Noch haben die meisten Autos ein Lenkrad, hinter dem ein Fahrer sitzt. Die Tests des autonomen Fahrens werden aber immer ausgedehnter – trotz diverser Rückschläge. Foto: Shutterstock / Neykor Chonross

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Waymo seine Teststrecke fürs autonome Fahren ausweitet
  • Warum ein Autounfall die Testfahrten zuvor zum Erliegen brachte
  • Weshalb autonomes Fahren Kommunikation braucht

Waymo startet in Kalifornien Tests für autonomes Fahren – überschattet von Ubers Autounfall im März. Ist Kommunikation der Schlüssel zu mehr Sicherheit?

Wie Waymo seine Teststrecke fürs autonome Fahren ausweitet

Waymo bringt seine autonomen Autos auf die Straßen von Kalifornien – zumindest hat die Google-Schwester einen Antrag bei der Verkehrsbehörde des US-Bundesstaates eingereicht.

Gegenüber dem Francisco Chronicle bestätigte Waymo jetzt, dass eine entsprechende Lizenz beantragt wurde. Ein Insider berichtet der Zeitung außerdem, dass das erste Textgebiet rund um den Hauptsitz des Unternehmens in Mountain View liegen soll.

Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Testfahrt soll dann im nächsten Schritt die Bay Area hinzukommen. Dafür sollen aber vorab Fahrzeuge mit Fahrern darin die Gegend kartografieren.

Seit Februar erlaubt Kalifornien autonomen Autos Testfahrten auf öffentlichen Straßen – vorausgesetzt die Wagen werden aus der Ferne überwacht und lassen sich im Notfall unter Kontrolle bringen.

Warum ein Autounfall die Testfahrten zuvor zum Erliegen brachte

Im US-Bundesstaat Arizona hatte ein solches System vor Kurzem jedoch versagt. Im März hatte sich der erste tödliche Unfall eines Selbstfahrers ereignet, bei dem eine Fußgängerin starb.

Die genaue Unfallursache ist noch immer nicht geklärt, laut Polizei lag der Fehler jedoch nicht bei dem Unfallwagen von Uber. Der nachgerüstete autonome Volvo XC 90 hatte die 49-Jährige ungebremst erfasst und tödlich verletzt.

Wie die Justiz mit dem Präzedenzfall umgehen soll, das ist bisher noch unklar – trotzdem ist die Stimmung in Sachen vernetzter Elektromobilität aufgeheizt. Die Branche diskutiert seither über Sicherheitsmaßnahmen und setzte auch für eine gewisse Zeit mit ihren Tests aus.

Waymo CEO John Krafcik gab in einer öffentlichen Stellungnahme jedoch an, dass ein solcher Unfall mit einem Waymo-Wagen nicht passiert wäre. Das Unternehmen will diese Behauptung jetzt offenbar mit Taten untermauern.

Weshalb autonomes Fahren Kommunikation braucht

Menschen machen Fehler, fahren alkoholisiert, sind unsicher, leiden an Konzentrationsmangel oder bedienen ihre Smartphones am Steuer. Nicht immer sind sie mit allen Verkehrsregeln vertraut – besonders wenn sie im Ausland unterwegs sind.

Allein 2017 gab es laut der Weltgesundheitsorganisation WHO 1,25 Millionen Verkehrstote weltweit. 270.000 davon waren Fußgänger, und die überwältigende Mehrheit aller Fahrzeuge ist bis dato nicht autonom.

Trotzdem können sich Menschen innerhalb von kürzester Zeit mit Blickkontakt, Lichthupe und individuellen Handzeichen verständigen. Und obwohl autonomes Fahren auf dem Gebiet der Kommunikation enorme Fortschritte gemacht hat, verstehen die Autos diese subtile menschliche Zeichensprache nicht.

Uber plant Anzeigetafeln und projizierte Zebrastreifen

Uber hat schon vor dem Unfall erste Ideen entwickelt, wie ein umfassender Schutz der Fußgänger aussehen könnte, beispielsweise durch Töne, Leuchtstreifen und Projektoren.

Ein Patentantrag aus 2017 zeigt unter anderem einen Lichtstreifen an der Sensorbatterie auf dem Fahrzeugdach. Dieser könnte einen Text oder bestimmte Farben anzeigen.

Andere Patente sehen blinkende Abbiegesymbole an den Außenspiegeln und Anzeigetafeln an den vorderen und hinteren Stoßstangen vor. Sollten diese ihren Zweck nicht erfüllen, könnte sie auch auf alle vier Seiten des Vehikels ausgeweitet werden.

Darüber hinaus sieht der Plan vor, mittels Projektoren Bilder auf den Asphalt zu werfen, beispielsweise einen Zebrastreifen, der dem Fußgänger signalisiert, dass er die Straße überqueren kann.

Google spricht von Info- und Emoji-Tafeln

Google ist das Thema auch nicht fremd. Der im Silicon Valley ansässige Suchmaschinengigant ließ sich 2015 ein Patent auf Infotafeln auf Autos eintragen.

Mercedes stellte auf der CES 2015 das Forschungsfahrzeug F 015 vor. An der Vorder- und Hinterseite befinden sich ins Fahrzeug-Design eingepasste Leuchtflächen. Diese geben den Fußgängern Signale über das weitere Vorgehen des Wagens.

Waymo, Googles ehemaliges Selbstfahrer-Projekt, hat unterdessen schon laut über Emoji-Tafeln nachgedacht.

Wie Fahrdienst Uber eine universelle Sprache entwickeln will

Die Produktdesigner des Fahrdienstes Uber arbeiten gerade unter Hochdruck daran, eine allgemeingültige Kommunikationsmöglichkeit zwischen dem autonomen Auto und Fußgängern zu entwickeln, die auch im Alltag Anwendung finden kann und Missverständnisse ausschließt.

Das Problem ist die fehlende wechselseitige Kommunikation. Selbst wenn das Auto dem Fußgänger signalisieren kann, was es als nächstes vorhat, kann es die Antworten in Form von Handzeichen oder Blicken nicht deuten. Somit sind weitere Probleme vorprogrammiert.

Zusätzlich findet die Verständigung mit blinden beziehungsweise tauben Menschen noch überhaupt keine Berücksichtigung in dem Konzept. Das könnte noch bedeutend mehr Schwierigkeiten erzeugen.

Darüber hinaus bleiben noch viele andere Fragen offen, besonders zur Haftung bei Unfällen. Dabei geht es zum Glück weit häufiger um Sachschäden und nur ausnahmsweise um zu Schaden gekommene Menschen.

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