Elektromobilität

Warum verhindert autonomes Fahren nicht jeden Unfall?

von Peter Michaely

Autonomes Fahren stellt die Entwickler vor große Herausforderungen – denn ihre Elektronik muss über den gesamten Lebenszyklus fehlerfrei funktionieren.

Eine schmale, kurvige Landstraße mit starken Bremsspuren auf dem Asphalt
Die künstliche Intelligenz hinterlässt Spuren: Alleine ein automatisches Notbremssystem würde 72 Prozent aller Auffahrunfälle in Deutschland vermeiden – aber halt nicht alle. Foto: picture alliance / blickwinkel

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Systemsicherheit für autonomes Fahren so wichtig ist
  • Wie stark Künstliche Intelligenz zur Reduzierung von Unfällen beiträgt
  • Warum es beim autonomen Fahren noch keine gute Datenbasis gibt

Warum Systemsicherheit für autonomes Fahren so wichtig ist

Eine Welt ohne schwere Verkehrsunfälle – das ist einer der Träume, die das autonome Fahren wahr machen soll. Der tödliche Unfall eines autonomen Autos von Uber im März 2018 zeigt, dass es noch ein langer Weg ist, diesen Traum wahr zu machen – wenn er denn überhaupt realistisch ist.

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Zumal über einen langen Zeitraum sogenannte Mischverkehre aus älteren, konventionellen Autos und solchen, die bereits autonom fahren können, das Straßenbild prägen werden. Außerdem muss sichergestellt sein, dass die Technik autonom fahrender Autos über deren gesamten Lebenszyklus reibungslos funktioniert, so dass Unfälle ausgeschlossen sind.

Wie Elektronik-Defekte entstehen

Fakt ist, dass auch Elektronik altert, so dass das Lagern von Ersatzteilen im großen Stil problematisch ist. Die Oldtimerszene kennt dieses Problem: Bei 40 Jahre alten Steuergeräten als Lagerware ist die Hälfte schon im Karton defekt. Grund ist die physikalische Diffusion von Elektronen etwa in Transistoren, die herstellerunabhängig zu Ausfällen führt.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist, dass die Autofahrer Vertrauen in die neuen Technologien gewinnen müssen. „Wir dürfen vernetzte Assistenzsysteme nicht am Kunden vorbei bauen und müssen auch die Kosten über den gesamten Lebenszyklus betrachten“, fordert Professor Dr. Peter König von der Fachrichtung Maschinenbau der Universität Trier.

Der Ingenieur leitete im vergangenen Herbst das 7. Symposium des Deutschen Instituts für Qualitätsförderung (DIQ) zum Thema „Mehr Sicherheit durch moderne Technik?“.

Wie stark Künstliche Intelligenz zur Reduzierung von Unfällen beiträgt

Vor dem hehren Ziel, mithilfe künstlicher Intelligenz jeden Unfall zu vermeiden, muss also zunächst gewährleistet sein, dass autonome Fahrzeuge zu 100 Prozent sicher funktionieren. Dass die heute verfügbaren Assistenzsysteme bereits eine positive Wirkung bei der Reduzierung der Unfallzahlen zeigen, ist dabei unbestritten.

Denn rund 90 Prozent aller Unfälle sind auf menschliches Fehlversagen zurückzuführen.

Studien zufolge könnten beispielsweise 72 Prozent aller Auffahrunfälle mit Personenschaden in Deutschland vermieden werden, wenn alle Autos mit einem automatischen Notbremssystem ausgerüstet wären. Auch über eine halbe Million Bagatellunfälle und rund 330 Millionen Euro Reparaturkosten ließen sich nach Berechnungen des Allianz Zentrums für Technik vermeiden.

Warum es beim autonomen Fahren noch keine gute Datenbasis gibt

„Das langfristige Ziel muss deshalb das unfall- und emissionsfreie Fahren sein“, erklärt Dr. Adrian Zlocki von der Forschungsgesellschaft für Kraftfahrwesen in Aachen, ebenfalls ein Experte auf dem genannten DIQ-Symposium. „Wir müssen jede Situationen, die während der Fahrt auftreten kann, zusammenfassen und klassifizieren. Die dafür erforderlichen Datenmengen sind riesig“, sagt Zlocki.

Das stellt die Techniker vor große Herausforderungen: „Eine einheitliche Evaluierungsmethode, die hierfür erforderlich ist, gibt es derzeit noch nicht, zumal wir mangels Daten aus dem realen Verkehr noch keine verlässliche Wirkungsanalyse des autonomen Fahrens vornehmen können“, so Zlocki.

Bis autonomes Fahren mithilfe künstlicher Intelligenz auch die Vermeidung jedes Unfalls bedeutet, ist es also noch ein weiter Weg.

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