Technik

Autonomes Fahren: So lässt sich die Technik nachrüsten

von
Peter Michaely

Neue oder alte Wagen – viele große und kleine Unternehmen beschäftigen sich bereits mit Ideen zur Nachrüstung der Technik für autonomes Fahren.

Sensoren auf einem Waymo-Auto.
Kamera, Radar und Lidar: Autonomes Fahren benötigt viel Technik – die nicht nur neue Autos zu smarten Wagen macht. Foto: Waymo

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie autonomes Fahren den menschlichen Fahrer langsam aus der Steuerrolle drängt
  • Welche Firmen bereits an diversen Fahrassistenzsystemen feilen
  • Wie verschiedenste Unternehmen Autos auch nachträglich autonom machen wollen

Geht es nach dem Willen der Autohersteller, könnten Maschinen der Menschen als Fahrer eines Autos bald ablösen. Die meisten Hersteller arbeitet gerade aktiv an autonom fahrenden Autos:

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  • BMW beispielsweise plant, bis 2021 ein komplett autonomes Auto zu entwickeln. Mit an Bord sind der Chiphersteller Intel und der Spezialist für Fahrerassistenzsysteme, Mobileye
  • Bei Mercedes heißt die autonom fahrende Studie F 015. Die Mercedes-Nutzfahrzeug-Tochter Freightliner hat in den USA bereits autonom fahrende Lkw getestet
  • Volvo hat mit der Studie Concept 26 gleich ein Innenraumkonzept für autonome Autos mitgeliefert, bei dem vom Entspannen bis zum Arbeiten alles möglich ist
  • Audi erprobt das autonome Fahren ebenfalls bereits im realen Verkehr
  • Zulieferer Bosch hat ein Tesla Model S autonom gemacht
  • Auch Apple, Google und Uber haben sich schon an Autos gewagt, die per selbst entwickeltem Autopilot fahren sollen

Der menschliche Faktor wird zurückgedrängt

Start-ups spielen in der Welt der Kameras und Radarsensoren für das autonome Fahren eine Schlüsselrolle, wie beispielsweise der Fall von Cruise zeigt: Unlängst kaufte General Motors die Experten für Fahrerassistenzsysteme. Selbst Nachrüstlösungen für autonomes Fahren werden neben den Einbau-Systemen der Hersteller bereits entwickelt.

So plant das Berliner Start-up Kopernikus Automotive, VW-Modelle autonom zu machen – und zwar sowohl neue als auch gebrauchte. "Reverse Engineering" lautet dabei das Zauberwort. Dadurch lässt sich per Rechner in die Steuerungselektronik eines Autos eingreifen. Sie kontrolliert Funktionen wie das elektronische Stabilitätsprogramm ESP, wertet GPS-Daten aus und überwacht die Sensoren und Kameras im Fahrzeug.

Deutschland muss auch im nächsten Jahrzehnt die Zukunft der Mobilität mitgestalten, wenn nicht anführen. Batteriezellfertigung und autonomes Fahren sind hier zentral. Entscheidend wird sein, dass wir Innovationen in Deutschland nicht nur entwickeln. Wir müssen sie auch – im wahrsten Sinne des Wortes – hier auf die Straße bringen!

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In Zukunft Fahrzeuge ohne Fahrer?

Über den separaten Rechner von Kopernikus sollen künftig häppchenweise auch Funktionen für das autonome Fahren mindestens nach Level 2 eingespeist werden. Dabei ersetzt die Technik in bestimmten Situationen den Fahrer, das Fahrzeug lenkt, bremst und beschleunigt selbstständig. Der Fahrer muss die Systeme im Fahrzeug allerdings permanent überwachen.

Erst bei Level 3, dem hochautomatisierten Fahren, fährt das Auto in bestimmten Situationen autonom. Nur wenn es kritisch wird, warnt es den Fahrer, und der Mensch muss eingreifen. Im konkreten Beispiel von Kopernikus bedeutet das, dass das Auto infolge der Nachrüstung in bestimmten Situationen bereits selbstständig einparken könnte.

Eine Software für alle Automarken

Die notwendige lernfähige Software für das automatische Fahren soll nicht nur in Autos von VW nachgerüstet werden können. Laut Kopernikus ist geplant, europäische Serienfahrzeuge mit Selbstfahr-Software von Start-ups weltweit zu verbinden. Deshalb holen sie Spezialisten auf den Gebieten Künstliche Intelligenz, selbstlernende Systeme, Automobil-Software, sowie Software-Architekten ins Boot.

VW ist also nur der Anfang – und der liegt in naher Zukunft: Schon Ende 2018 soll für neuere VW ein Nachrüstsatz für umgerechnet 3000 Euro auf den Markt kommen, der die Fahrerassistenzsysteme Abstandsregler (ACC Automatic Cruise Control) und Spurhaltesystem kombiniert. Es handelt sich also um Funktionen, die die Sicherheit des Autos verbessern. Voraussichtlich wird der Start zunächst in den USA erfolgen.

Kollege Computer als automatischer Helfer im Fahrzeug

Geplant ist, dass Fahrer Assistenzsysteme für das autonome Fahren als App für das Smartphone hinzukaufen oder mieten können. Das Spektrum wäre demnach groß: Konnektivität, Lane Assist, automatische Notbremssysteme, Warnungen vor Autos im toten Winkel und die Kombination von Fahrerassistenzsystemen erscheinen möglich.

Und das auch im Lkw-Bereich. Dort könnten Fahrerassistenzsysteme und autonome Lastwagen für eine Harmonisierung des Verkehrsflusses sorgen, indem spezielle Systeme zum Beispiel automatisch Elefantenrennen, also waghalsige Überholvorgänge, verhindern. Ebenso bieten auch hier Tote-Winkel-Warner mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Weitere Ansätze für Roboter-Autos

Über die größte Erfahrung verfügt die Google-Tochter Waymo, die seit 2009 nach eigenen Angaben bereits über 14 Millionen Testkilometer mit Fahrzeugen absolviert hat, die nachträglich mit Systemen zum autonomen Fahren ausgerüstet worden sind.

Mittlerweile hat Waymo über 60.000 Chrysler Pacifica und 20.000 Jaguar i-Pace gekauft und will eine Ridesharing-Flotte aufbauen, in der verschiedene Personen die Fahrzeuge gemeinsam nutzen können.

Konkurrenz kommt aus China: Wie Kopernikus verfolgt das Unternehmen Apollo die Strategie einer offenen Plattform für Fahrerassistenzsysteme. Autonomes Fahren ist auch hier das Ziel: Bereits 2021 sollen Autobahnen und Stadtstraßen autonom unter die Räder genommen werden. Erste Systeme werden in US-Modellen von Ford und Lincoln erprobt.

Fahrerassistenzsystem zum Nachrüsten

Bereits auf dem Markt ist ein Fahrerassistenzsystem des israelischen Unternehmens Mobileye, das mittlerweile zu Intel gehört. Mobileye gilt als Marktführer bei Fahrerassistenzsystemen, die mit Kameras arbeiten und beliefert mit seinen Systemen Hersteller wie Audi, VW und BMW.

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Die Firma bietet ein System zum Nachrüsten an, das den Fahrer bei Tag warnt, wenn er sich Fußgängern oder Radfahrern gefährlich nähert. Ebenfalls integriert sind weitere Fahrerassistenzsysteme wie ein Kollisions- und Abstandswarner, ein Spurhalteassistent und eine Verkehrszeichenerkennung. Ermöglicht wird dies durch eine unter den Rückspiegel geklebte Kamera.

Wer dieses Fahrerassistenzsystem von Mobileye nachrüsten lassen will, muss mit Kosten von knapp über 1000 Euro rechnen. Autonomes Fahren ist damit zwar nicht möglich, denn das Fahrerassistenzsystem ersetzt den Menschen nicht: Aktive Eingriffe unterbleiben. Sicherer fährt das Auto nach dem Einbau aber allemal.

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