Leben

Autonomes fahren: Parkgebühren sparen auf Kosten aller?

von
Carola Franzke

Könnten autonome Autos zu mehr Staus führen? Verkehrsexperten aus Kalifornien haben untersucht, welche Zukunft Parkhäuser und Parkgebühren haben.

Ein öffentlicher Parkplatz aus der Vogelperspektive.
Sind Parkplätze ein Auslaufmodell? Autonome Autos könnten Parkgebühren sparen, in dem sie pausenlos fahren. Foto: Getty Images/ Arctic-Images

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum es ökonomisch vernünftig ist, autonome Autos pausenlos fahren zu lassen
  • Warum Städte statt Parkgebühren lieber Staugebühren erheben sollten
  • Warum solche Gebühren in Europa gar nicht so abwegig sind

Das Shopping der Zukunft könnte auch einen Abschied von teuren Parkgebühren sein: Das autonome Auto lässt seine Passagiere direkt im Stadtzentrum vor Boutique oder Schuhgeschäft aussteigen und fährt dann weiter. Es zieht gemütlich seine autonomen Kreise, bis es zur Abholung seiner Passagiere beordert wird. Kein lästiges Suchen nach einem freien Platz im Parkhaus oder auf den Straßen, und günstiger als die Parkgebühren ist das Cruisen des autonomen Elektromobils allemal.

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Stadtplaner befürchten mehr Staus durch autonomes Fahren

So verlockend das auch klingen mag: Der Stadtplaner und Professor an der Universität von Santa Cruz in Kalifornien, Adam Millard-Ball, sieht darin eine Gefahr. Seine Prognose sind zunehmende Staus in den Innenstädten.

In einem Artikel, der im Magazin „Transport Policy“ erschienen ist, vertritt Millard-Ball die These, dass mit einer zunehmenden Verbreitung autonomer Elektrofahrzeuge noch mehr Staus auftreten werden.

Selbst wenn man Strom, Abschreibung, Abnutzung und Wartung einrechnet, kostet das Fahren etwa 50 Cent in der Stunde. So günstig kann man nicht mal in Kleinstädten parken.

Adam Millard-Ball, Universität von Santa Cruz

Der Verkehrsexperte rechnet vor, dass das Fahren des autonomen Autos günstiger als jede Parkgebühr wäre – und er weist zudem darauf hin, das es bei geringeren Geschwindigkeiten sogar noch billiger wird.

Darin liegt nach Millard-Balls Einschätzung noch eine zusätzliche Gefahr, denn die autonomen Autos könnten sich bewusst in langsam rollenden Verkehr einreihen, um Kosten zu sparen. Sie würden daher bei ihren „Parktouren“ voraussichtlich die bereits vorhandenen Verkehrsengpässe verschlimmern.

Parkgebühren zugunsten von Staugebühren abschaffen

Adam Millard-Balls schlägt eine Lösung vor, mit der die Städte in Zukunft solche Szenarien abwenden könnten. Statt Parkgebühren solle es eine Art „Staugebühr“ geben. Gebühren sollten für die Nutzung der Straßen erhoben werden, um dem ziellosen Umherfahren autonomer Autos entgegenzuwirken.

„Wenn ein Auto für vier Euro eine Stunde geparkt werden kann, aber für 50 Cent eine Stunde umherfahren kann, reicht schon eine Gebühr von 3,50 Euro, um das Parken attraktiv zu machen", so der Stadtplaner

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Millard-Ball weist darauf hin, dass man solche „Staugebühren“ rechtzeitig einführen müsse, da mit viel Widerstand zu rechnen sei. Dies allerdings ist eine sehr amerikanische Perspektive: In London etwa gibt es die City-Maut längst, in Norwegen hat unter anderem Oslo eine Gebühr für die Zufahrt zur Innenstadt, und auch in Italien und Schweden gibt es Modelle. In deutschen Innenstädten gibt es vielerorts zumindest Umweltzonen und entsprechende Zufahrtsbeschränkungen.

Große Begeisterung könnte man wohl nirgends für solche „Staugebühren“ erwarten, doch überraschen würde es in vielen europäischen Ländern sicher niemanden.

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