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Elektromobilität

Autonomes Fahren: Kalifornien erlaubt völlig fahrerlose Autos

von Leonie Butz

Ein Blick auf Bäume, Häuser und Autos in Kalifornien aus der Perspektive eines Fahrers hinter dem Lenkrad.
In Kalifornien ist bald kein Fahrer mehr nötig: Ab dem 2. April 2018 dürfen im amerikanischen Bundesstaat fahrerlose Autos auf die Straßen. Foto: Unsplash/Roberto Nickson

Das erfahren Sie gleich:

  • Auf welcher Stufe des autonomen Fahrens ein Auto kein Lenkrad mehr benötigt
  • Ab wann in Kalifornien Autos völlig fahrerlos auf die Straßen dürfen
  • Auf welchem Stand Deutschland beim autonomen Fahren ist

In Kalifornien dürfen Autos fahrerlos auf die Straßen, in China sind auch bereits erste Modelle unterwegs. Woran hakt es noch in Deutschland?

Autonome Autos: Fahrerlos ab Stufe 5

Eines gleich vorweg: Autonomes Fahren ist nicht gleich autonomes Fahren. Bei den meisten autonomen Konzepten, die gerade entwickelt oder umgesetzt werden, muss immer noch ein Mensch das Lenkrad übernehmen können.

Völlig autonom ist ein Auto erst ab Stufe 5 – im fünfstufigen System für selbstfahrende Autos. Dann ist ein Fahrer, der im Notfall in den Verkehr eingreift, nicht mehr notwendig. Das Auto fährt völlig allein – und hat im Zweifel nicht einmal mehr ein Lenkrad.

80 Prozent der Deutschen wollen im Notfall das Steuer übernehmen können.

Vor diesem Maß an Autonomie der Autos haben bisher aber vor allem in Deutschland noch viele Angst. Eine Umfrage des TÜV Rheinland zeigte jüngst, dass fast 80 Prozent der Befragten aus Deutschland im Notfall in das Geschehen eingreifen und das Steuer übernehmen wollen.

In den USA und in China sieht das anders aus. Hier ist zwar noch immer Angst vor einem Hacker-Angriff auf das autonome Auto groß. Der Wunsch nach dem Griff ins Steuer ist aber nicht so stark ausgeprägt. Kein Wunder also, dass hier das autonome Fahren bessere Karten hat.

Kalifornien: Grünes Licht für autonomes Fahren

In Kalifornien dürfen ab April 2018 völlig fahrerlose Autos auf öffentlichen Straßen fahren. Das haben die Behörden des Bundesstaates nun offiziell bestätigt. Für Testfahrten benötigen Unternehmen keinen Fahrer mehr.

Sie müssen aber eine Erlaubnis der Behörden vorweisen, wenn sie ein fahrerloses Auto auf die Straße bringen. Derzeit verfügen 50 Unternehmen über diese Erlaubnis. Bedingung ist, dass sie die regionalen Behörden frühzeitig über die Tests informieren.

Zu den umfassenden Sicherheitsstandards, die ein autonom fahrendes Auto in Kalifornien erfüllen muss, gehört unter anderen der nachgewiesene Schutz gegen Cyberattacken jeglicher Art. Zudem muss der Fabrikant jederzeit alle Bewegungen des Vehikels aufzeichnen und nachweisen können, vergleichbar mit einem Flugschreiber in der Luftfahrt.

Die Hersteller müssen dafür sorgen, dass die Polizei Zugriff auf autonome Autos bekommt.

Außerdem müssen die Hersteller einen Plan vorlegen, der der örtlichen Polizei im Notfall Zugriff auf die Wagen erlaubt. Zusätzlich müssen die Unternehmen Unfälle innerhalb von zehn Tagen dem Amt für Kraftfahrzeuge melden.

Auch bisher ist Kalifornien eines der wichtigsten Testgebiete für autonome Autos. In anderen Bundesstaaten Amerikas – etwa in Arizona, Texas oder Utah – ist das völlig autonome Auto jedoch ebenso auf dem Vormarsch.

Und auch in China sind bereits erste fahrerlose Autos auf den Straßen. In der südchinesischen Stadt Guangzhou fahren seit Anfang März die ersten Wagen. Die beiden Start-ups Jingchi und Pony ai bieten öffentliche Fahrten ohne Fahrer an – das ist auch in China neu.

Verwunderlich ist diese Pole-Position für das Land keineswegs. Denn auch was die Elektromobilität und Gesetze zu Gunsten von Elektroautos angeht, ist das Land auf einer Spitzenposition.

Das Reich der Mitte hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2035 die Welt in Sachen künstlicher Intelligenz anzuführen. Die Zentralregierung ließ verlauten, dass 50 Prozent aller bis 2020 in China verkauften Neufahrzeuge teilweise oder vollständig autonom funktionieren müssen. In Mengtougou, einem Vorort Pekings, soll auf einem knapp 55 Hektar großen Testgelände die Technologie weiterentwickelt und verbessert werden. Das Investitionsvolumen dafür beträgt umgerechnet rund 2,1 Milliarden US-Dollar.

Autonomes Fahren in Deutschland

Während bei den Vorreitern der Elektromobilität auch das autonome Fahren ganz oben auf der Agenda steht, hinkt Deutschland hier hinterher: Fahrerlos darf in Deutschland kein Auto auf die Straßen - und auch Wagen, bei denen der Fahrer zumindest gelegentlich das Lenkrad loslassen könnte, dürfen nur auf speziellen Teststrecken fahren. Auf einem Abschnitt der A9 zwischen München und Nürnberg etwa.

Auf der anderen Seite zeigten beim Genfer Autosalon die deutschen Autohersteller mit ihren Studien, wie stark sie am autonomen Fahren arbeiten. Und auch ein Projekt des Instituts für Kraftfahrzeuge (ika) an der RWTH Aachen – gemeinsam mit sechs weiteren deutschen Unis – treibt das völlig fahrerlose Auto hierzulande weiter. Bis 2022 will das Projekt UNICARagil ein Software entwickeln und ein Elektroauto entwerfen, das ohne Lenkrad auskommt.

In Bad Birnbach testet die Deutsche Bahn einen autonomen Linienbus – aber ein Operator muss immer an Bord sein.

In ganz kleinem Rahmen durften hierzulande immerhin selbstfahrende Busse auf die Straßen. Im kleinen Örtchen Bad Birnbach etwa, wo die Deutsche Bahn einen autonomen Linienbus testet. Ein Operator ist hier für den Ernstfall aber immer an Bord. Ähnliche Projekte im Straßenverkehr sollen im Frühjahr auch in Karlsruhe und Umgebung starten.

In Deutschland hinken die autonomen Fahrzeuge also leicht hinterher – trotzdem entstehen immer mehr Gebiete, in denen unter abgesicherten Bedingungen Selbstfahrer auf die Straße dürfen. Soweit wie in Kalifornien sind wir jedoch noch lange nicht.

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