Elektromobilität

Autonomes Fahren: Die KI muss auch riskante Teststrecken meistern

von Marten Zabel

Elchtest und nasse Fahrbahn waren gestern: Um das autonome Fahren in Extremsituationen zu testen, müssen Autounfälle auf Teststrecken realistisch wirken.

Bremsspuren auf dem Asphalt.
Damit autonome Autos nicht erst beim Crash reagieren lernen, müssen sie auf möglichst realistische Teststrecken. Foto: Shutterstock / Zhao jian kang

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum ein Autounfall für autonome Autos echt wirken muss
  • Weshalb Teststrecken Gefahrensituationen meist nur simulieren
  • Wie realitätsnahe Tests auch Kritiker überzeugen sollen

Ein Autounfall muss fürs autonome Auto echt wirken

Teststrecken für Autonome Fahrzeuge müssen anders aussehen, als die Gelände der Hersteller es bislang taten. Nicht Belastungen durch Straßenbeläge oder Kurvenlage bei glatten Straßen sondern das Verhalten der künstlichen Intelligenz am Steuer durchläuft hier die Tests. Da reicht es nicht, Hütchen auszuweichen, um den berühmten Elchtest durchzuführen. Der Elch müsste schon überzeugend als solcher auf den Sensoren des Autos auftauchen.

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Potenziell lebensgefährliche Szenarien wie ein Unfall lassen sich für selbstfahrende Autos nur dann testen, wenn sie möglichst realistisch sind. Sparen die Autobauer hier, lässt sich erst dann absehen, wie Sensoren auf Extremsituationen reagieren, wenn bereits Menschen zu Schaden gekommen sind. Entsprechend müssen sie Probleme beim autonomen Fahren mit echten Kollisionen testen.

Dazu sind eigene Teststrecken nötig, auf denen auch Umweltbedingungen simulierbar sind. Während konventionelle Teststrecken mit Wasserhindernissen und Verkehrshütchen arbeiten, soll es für die autonomen Autos richtige Hindernisse und andere Verkehrsteilnehmer geben — natürlich ohne dabei echte Fußgänger und Autofahrer in Gefahr zu bringen.

Eine solche Teststadt hat unter anderem die Google-Schwester Waymo mit der Mcity auf einer verlassenen Militärbasis in Kalifornien gebaut.

Falsche Städte für selbstfahrende Autos
Wie eine Geisterstadt nach dem Goldrausch: Falsche Fassaden sollen Mcity den Anschein einer echten Innenstadt geben. Foto: University of Michigan

Eine entsprechende Anlage baut zum Beispiel Toyota derzeit im Michigan Technical Resource Park. Einmal fertig, will das Unternehmen hier verstopfte Stadtstraßen ebenso simulieren, wie die Auffahrt auf vierspurige Autobahnen. Die Strecken stellen einen wichtigen Schritt für die Elektromobilität dar.

Bisher sind Teststrecken meist nur simuliert

Bislang lernen Computer autonomes Fahren ganz ähnlich wie menschliche Fahrschüler. Learning by Doing ist die Methode, mit der sich die neuralen Netzwerke allmählich an die Fähigkeiten menschlicher Autofahrer herantasten und irgendwann übertreffen sollen. Hierzu müssen sie zwar in die Fahrprüfung – die Situationen und Autounfälle sind jedoch nur simuliert.

Erste Unfälle mit den Autopiloten zeigen allerdings wie schwierig es ist, den öffentlichen Raum als Testlabor für neue Technologien zu nutzen – besonders, wenn die Autobauer an der falschen Stelle gespart haben.

Selbstfahrende Autos haben in der freien Wildbahn kaum eine Möglichkeit, gefährliche Situationen zu üben, ohne dabei in riskante Manöver mit menschlichen Verkehrsteilnehmern involviert zu werden. Außerdem geschehen Unfälle beim autonomen Fahren unvorhergesehen, vereinzelt und natürlich ohne Kontrolle der Entwickler.

Autonomes Fahren muss Kritiker überzeugen

Während ein Fahrlehrer einem Fahrschüler im Ernstfall sagen kann, was zu tun ist, reagiert der Algorithmus im Zweifelsfall gar nicht. Deshalb sind Teststrecken so wichtig, die echte Alltagssituationen so realistisch wie möglich darstellen.

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Kein Wunder also, dass Autobauer die Teststrecken für selbstfahrende Autos radikal anders denken müssen, als die für von Menschen gesteuerte Fahrzeuge. Nur so wird die Technik sicher genug, um Kritiker zu überzeugen. Denn für eine breite Akzeptanz müssen autonome Fahrzeuge um ein vielfaches sicherer sein, als solche mit menschlichem Fahrer.

Wir haben das autonome Fahren auch selbst bereits getestet: Bei aio lesen Sie alles über die Probefahrt mit dem autonomen Shuttlebus Emily.

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