Elektromobilität

Selbstfahrende Autos – die große Chance für Senioren

von Michaela Gerganoff

Fahrverbot für Senioren? Ist schwer umstritten und muss möglicherweise gar nicht sein: Autonome Autos versprechen Sicherheit auf den Straßen – und Unabhängigkeit für ältere Menschen.

Selbstfahrende Autos – die große Chance für Senioren
In der richtigen Spur: Komplett selbstfahrende Autos könnten Senioren bis ins hohe Alter mobil halten – und die lange Diskussion um Fahrverbote endlich beenden. Foto: Unsplash/Alessio Lin

Das erfahren Sie gleich:

  • Senioren am Steuer verursachen häufiger Unfälle, sind aber oft auch Opfer
  • Die Forderung nach einem Fahrverbot wird vom ADAC abgelehnt
  • Selbstfahrende Autos könnten Senioren auf sichere Weise mobil halten

Fahrverbot für Senioren?

Der Führerschein als Symbol für Unabhängigkeit und Freiheit – ihn im Alter aufzugeben fällt schwer. Senioren sind heute umtriebig, wie eine Umfrage der Allianz-Versicherung zeigt: Zwei Drittel der über 60-Jährigen nutzen ihr Auto täglich. Doch im Verkehr kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Derzeit tragen 67 Prozent der über 64-Jährigen die Hauptschuld an einem Unfall, so das Statistische Bundesamt. Bei den über 75-Jährigen sind es sogar drei von vier Fällen. Die häufigsten Ursachen sind nachlassende Reaktionsgeschwindigkeit und Probleme mit den Augen. Schon kommen Forderungen nach einem Fahrverbot für Senioren auf - oder zumindest nach regelmäßigen Gesundheitschecks.

Ältere Verkehrsteilnehmer können ihre Leistunsgseinbußen durch Besonnenheit und Ruhe wettmachen.

Viele dieser oben genannten Probleme kompensieren Senioren allerdings durch ihre Routine: "Ältere Verkehrsteilnehmer besitzen lebenslange Erfahrung am Steuer. Altersbedingte Leistungseinbußen können sie durch Besonnenheit und Ruhe wettmachen", sagt zum Beispiel ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker. Der Verband weist darauf hin, dass ältere Verkehrsteilnehmer häufiger Opfer von Verkehrsunfällen sind als ihre Verursacher. Mit dem Finger auf eine bestimmte Gruppe von Verkehrsteilnehmern zu zeigen, in diesem Fall die Senioren, ist also nicht angebracht.

Selbstfahrende Autos halten Senioren mobil

Manche ältere Verkehrsteilnehmer nehmen ihre Defizite auch selber wahr und beschränken sich auf kurze Fahrten und bekannte Wege bei guten Bedingungen. Mal abgesehen davon, dass auf diesen Strecken natürlich auch Unfälle passieren können, schränkt das die Mobilität im Alter bereits deutlich ein. Wie lässt sich diese Einschränkung umgehen? Vielleicht mit selbstfahrenden Autos.

Wenn Autofahren sicherer und einfacher wird, ist es eine große Hilfe für Menschen, die auf einen Pkw angewiesen sind. Allerdings ist es noch nicht damit getan, Fahrzeuge mit Fahrassistenz-Systemen und integrierten Apps aufzurüsten. Erst bei autonom fahrenden Autos ab Level 5 – wenn das Fahrzeug die volle Kontrolle übernimmt – können sich ältere Passagiere entspannt zurücklehnen. Welche Stufe welche Form von Autonomie bedeutet, lesen sie hier.

Autonomes Fahren ist eine Frage der Menschenwürde.

Auf jeden Fall ist das Thema lohnend für die Autohersteller, denn Senioren sind als Zielgruppe wirtschaftlich nicht zu unterschätzen: Die Zahl der älteren Menschen, die sich ans Steuer setzen werden, nimmt rapide zu. Bis 2030 werden in Deutschland rund 30 Prozent Rentner leben. Der US-Forscher Professor William Whittaker stellt fest, dass „autonomes Fahren für Senioren und Behinderte eine Frage der Menschenwürde ist." Denn wer möchte schon auf seine Freiheit und Autonomie verzichten?

Lenkrad mit Tasten für Tempomat und Abstandsradar
Hier fing alles an: Tempomat und Abstandsradar waren die ersten Vorboten – in Zukunft sollen Autos komplett autonom fahren können. Foto: CC0: Markus Spiske/ffcu.io

Die Technik darf Senioren nicht überfordern

Bis dahin gilt es, den Blick auf die speziellen Bedürfnisse der Generation 60 plus zu richten: Entscheidend wird sein, wie intuitiv die neuen Systeme funktionieren. Denn einerseits sind Senioren oft weniger technikaffin, zum anderen sinkt die Reaktionsgeschwindigkeit mit zunehmendem Alter. Jede Veränderung löst dann Unsicherheit, im schlimmsten Fall Angst oder Panik aus. Die Aufgabenstellung für Auto-Designer und -Hersteller ist darum knifflig: Alle notwendigen technischen Informationen müssen dem Passagier übermittelt werden – ohne ihn zu überfordern – und dennoch sollte das Fahrerlebnis einfach bleiben.

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Vertrauen fördert Kaufentscheidung

Was erwarten Besitzer von einem Auto, das sie nicht selbst fahren? Sicherlich ein Gefühl von Kontrolle. Nur damit wird Vertrauen aufgebaut, das schließlich auch kaufentscheidend ist. Hilfreich könnte sein, entscheidende Informationen während der Fahrt auf die Windschutzscheibe zu projizieren, so dass der im selbstfahrenden Auto mitreisende Besitzer jederzeit weiß, was das Auto gerade macht und wohin es ihn steuert.

Langfristig gedacht könnte die neue Technik also nicht nur für Sicherheit auf den Straßen sorgen, sondern unsere alternde Gesellschaft vor Immobilität schützen und damit die Lebensqualität stärken. Ein tolles Szenario, die Rentner im Roboter-Auto.

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