Elektromobilität

Autonomes Fahren: Das Auto rollt bald alleine ins Parkhaus

von Sabrina Lieb

41 Stunden verbringt ein Autofahrer durchschnittlich im Jahr mit der Parkplatzsuche. Autonom parkende Autos könnten dem Übel schon bald ein Ende bereiten.

Blick in eine Parkgarage, in der viele Autos parken.
Dicht an dicht: Wenn Autos autonom einparken, passen noch mehr Fahrzeuge in die Parkgarage. Foto: Shutterstock / Natee Meepian

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie mit autonomem Parken bis zu 20 Prozent mehr Autos in eine Parkgarage passen
  • Welche automatisierten Parksysteme Bosch und Daimler bereits entwickeln
  • Wie das Parkhaus mit intelligenter Infrastrukturtechnik der RWTH Aachen aussieht

Deutschlands Autofahrer verschwenden Jahr für Jahr durchschnittlich 41 Stunden Zeit mit der Suche nach einem freien Parkplatz. Zwar ist das im Vergleich zu den Bewohnern New Yorks, die sogar 107 Stunden jährlich nach einem Parkplatz suchen, noch überschaubar, aber diese Zeit könnten sie in Zukunft schon bald besser nutzen.

Nämlich dann, wenn ihr Auto selbständig einen Stellplatz findet. Autonomes Parken ist das Stichwort. Weniger Stress, mehr Zeit, gesparter Platz auf Parkplätzen und in Parkhäusern - das ist die Vision.

Autonomes Parken schafft Platz in Parkgaragen

Durch autonom parkende Autos können bis zu 20 Prozent mehr Autos in eine Parkgarage passen und das ganz ohne Kratzer oder Schrammen an der Karosserie. Damit gäbe es nicht nur mehr Stellplätze für die rund 46,5 Millionen Fahrzeuge in Deutschland (Bestand Personenkraftwagen Stand 2018), Parkgaragen wären auch besser ausgelastet.

Denn das Parkhaus der Zukunft weiß beispielsweise ganz genau, welcher Fahrzeugführer gerade krank oder auf Dienstreise ist, und kann einen leer stehenden Stellplatz in diesem Fall automatisch an einen anderen Fahrer weitergeben. Das ist einerseits total praktisch – wirft andererseits aber kritische Fragen zum Datenschutz auf.

Sensoren leiten das Auto durch das Parkhaus

Bereits letzten Sommer startete Daimler in Kooperation mit Bosch ein Pilotprojekt im Parkhaus des Mercedes-Benz-Museums in Stuttgart. Dabei stellt ein Kunde beim sogenannten Automated Valet Parking (AVP) sein Fahrzeug in einer Drop-off-Area in der Einfahrt der Parkgarage ab und gibt via Smartphone-App den Befehl zum Einparken des Autos.

Durch den Einsatz intelligenter Parkhausinfrastruktur und ihrer Vernetzung mit Fahrzeugen ist es uns gelungen, das fahrerlose Parken deutlich früher als geplant zu realisieren.

Gerhard Steiger, Vorsitzender des Geschäftsbereichs Chassis Systems Control bei Bosch.

Danach kann der Kfz-Halter direkt los, denn die zukunftsweisende Parklösung erledigt das Parken praktisch von selbst, und der Wagen fährt automatisch zu einem freien Stellplatz. Eine Überwachung ist dabei überflüssig, denn die angebrachten Sensoren leiten das Fahrzeug durch das Parkhaus.

Genauso unkompliziert gestaltet sich das Abholen des Autos: Auch hier gibt man dem Fahrzeug via Smartphone den Befehl zum Ausparken und kann es kurze Zeit später wieder in der Pick-up-Area abholen.

Zulieferer kooperiert mit Start-up

Bosch hat bereits auf dem Campus der RWTH Aachen ein Parkhaus mit Infrastrukturtechnik ausgestattet, die es den technisch aufgerüsteten Fahrzeugen ermöglicht, selbständig einen Parkplatz zu suchen. Die Technik setzt die Befehle der Infrastruktur in Fahrmanöver um, kommt auf Befehl auch wieder vorbeigefahren und stoppt automatisch, sofern Hindernisse im Weg sind oder Personen den Fahrtweg kreuzen.

Der Automobilzulieferer arbeitet dabei mit dem dort ansässigen Start-Up e.GO zusammen. Der Elektroautobauer ist einst aus einem Hochschulprojekt der RWTH Aachen hervorgegangen und will noch in diesem Jahr den Kleinstwagen Life mit Elektro-Antrieb auf den Markt bringen. Auf Wunsch wird das E-Auto auch mit der Selbstpark-Technik ausgerüstet.

Parkplatz mit Liefer- und Wäscheservice

In ähnlicher Weise funktioniert ein Pilotprojekt aus dem Volkswagen-Konzern, das derzeit in Kooperation mit dem Hamburger Flughafen durchgeführt wird. Dabei testen Experten in einem Terminal-nahen Parkhaus das autonome Parken mit Fahrzeugen der Marken Audi, Volkswagen und Porsche.

Das Technologieprojekt ist Teil der Mobilitäts-Partnerschaft mit Hamburg, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Modellstadt für urbane Mobilität zu werden.

Die ersten Kunden sollen den neuen Service des autonomen Parkens Anfang des nächsten Jahrzehnts testen können. Das autonome Parksystem am Flughafen funktioniert dabei ebenfalls via App. Dabei bucht der Fahrer bereits von Zuhause aus seinen Stellplatz und braucht im Anschluss nur noch sein Fahrzeug am Flughafen vor der Schranke abstellen, sein Auto abschließen und mit dem Smartphone den Befehl zum Einparken abschicken.

Während er nun zum Terminal läuft, sucht sich sein Fahrzeug selbstständig einen freien Parkplatz. Dabei orientiert sich das E-Auto durch Bildmarker an den Wänden, fährt direkt auf Stellplätze mit Ladesäulen und wird bei Bedarf auch geladen.

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Sobald der Kunde weiß, wann er sein Auto wieder abholt, gibt er via Smartphone Bescheid. Daraufhin sucht sich der Wagen einen freien Stellplatz, der näher an der Ausfahrt liegt, so dass der Kunde nicht länger als notwendig warten muss.

Abgerechnet wird der Park-Service schnell und ohne den Gang zum Parkautomat ebenfalls per Smartphone-App. Noch mehr Technologie für mehr Lebensqualität: Während der Fahrer auf Reisen ist, kann er sich über den We-Deliver-Service bestellte Pakete in den Kofferraum liefern lassen oder einen Reinigungsservice nutzen, der die frisch gebügelten Hemden direkt ins Auto hängt.

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