Elektromobilität

Autonome Traktoren sollen Erträge steigern und Bauern entlasten

von Carsten Fischer

Autonome Traktoren pflügen Äcker selbstständig, fahrerlose Transporter bewegen Tonnen von Holz allein – die Landwirtschaft setzt auf Elektromobilität.

Bei dem T-Log von Einride, einem Transporter für Holz, fehlt die Fahrerkabine. Er fährt autonom.
Ein Transporter ohne Fahrer: Der T-Log von Einride bewegt 16 Tonnen Holz – allein. Foto: Einride

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Vorteile ein elektrischer Holztransporter ohne Fahrer mit sich bringt
  • Wie die Elektromobilität der Landwirtschaft zu mehr Effizienz verhilft
  • Warum die Gesetze in Deutschland den Einsatz autonomer Agrarfahrzeuge bislang noch verhindern

Das aus Stockholm stammende Startup Einride stellte Mitte Juli 2018 einen Holztransporter vor, der komplett autonom agiert und elektrisch angetrieben wird: Der T-Log findet direkt vor Ort ein weites Betätigungsfeld, denn in Schweden sind 75 Prozent des Festlandes mit Wald bedeckt. Die Forstindustrie spielt eine wichtige Rolle in der regionalen Wirtschaft.

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T-Log: Einrides autonomer Holztransporter

Die Entwicklung autonomer und elektrisch betriebener Maschinen für schwere Arbeiten in Wald und Feld passt aber auch zum weltweiten Automatisierungstrend, der Menschen von körperlich anstrengenden Tätigkeiten entlasten soll.

So auch der T-Log. Über sieben Meter lang ist der Transporter, der aufgrund der fehlenden Fahrerkabine mehr Platz zum Transport von Holz hat als vergleichbare Vehikel: Bis zu 16 Tonnen kann der T-Log pro Ladung mit sich führen.

Die Fahrerkabine sorgt für die hohen Produktionskosten eines Transporters, der Fahrer für die hohen Kosten im Einsatz.

Robert Falck, Geschäftsführer von Einride

Auch die Fahrt in unebenem Gelände soll laut Einride kein Problem darstellen. Mit der integrierten 300-Kilowattstunden-Batterie erreicht der T-Log eine Reichweite von bis zu 190 Kilometern. Ab Mitte des Jahres 2020 plant Einride den praktischen Einsatz sowie den öffentlichen Vertrieb des Fahrzeugs. Erste Partner hätten bereits ihr Interesse bekundet, heißt es in der Pressemitteilung.

"Die Fahrerkabine sorgt für die hohen Produktionskosten eines Transporters, der Fahrer für die hohen Kosten im Einsatz. Wenn man die Kabine weglässt und den Fahrer durch einen Administrator ersetzt, der mehrere Fahrzeuge aus der Ferne überwacht und steuert, senkt das die Kosten erheblich", so Robert Falck, Geschäftsführer von Einride, bei der Präsentation.

Der T-Log arbeitet mit einer Software von Nvidia und soll in der Praxis das Autonomielevel 4, also volle Automatisierung, erreichen. Um jederzeit eine umfassende Sicherheit zu gewährleisten, kann der T-Log auch von Menschen aus der Distanz gesteuert und bei eventuellen Problemen jederzeit übernommen werden.

Autonome Traktoren entlasten den Menschen

Auch in der Landwirtschaft gibt es einen großen Bedarf an Automatisierung und Hilfeleistung durch Maschinen. Für eine wachsende Bevölkerung müssen die Bauern mit der gleichen Landfläche den steigenden Bedarf decken.

Das 2012 in Italien gegründete und mittlerweile in England ansässige Unternehmen CNH Industrial hat einen autonom fahrenden Traktor entwickelt, um das Produktionsvolumen von Landwirten zu erhöhen.

Der Vorteil: Er kann jeden Tag 24 Stunden auf dem Feld arbeiten. Selbst für die Überwachung mehrerer autonomer Traktoren ist lediglich ein Supervisor vonnöten. Dieser überblickt alles und kann über seinen Computer gegebenenfalls Änderungen im Ablauf vornehmen. Der Rechner speichert zudem alle aufgenommenen Daten, die dann im Nachhinein zur Prozessoptimierung verwendet werden können.

Die Steuerung funktioniert auch aus großer Distanz per Tablet – nur eine Minute dauert es, ein Feld auszuwählen und den Traktor anzuweisen. Verschlechtern sich die Wetterbedingungen, wird die Arbeit automatisch unterbrochen und erst bei geeigneten Bedingungen weitergeführt. Auch wenn der Anblick eines Traktors, der komplett ohne Fahrerhaus über das Feld fährt, noch ungewohnt ist, so wird man dieses Modell in Zukunft vielleicht dennoch häufiger sehen.

Fendt e100 Vario: Elektrotraktor aus Deutschland

Der aus Süddeutschland stammende Landmaschinenhersteller Fendt hat in eine ähnliche Richtung gedacht wie CNH Industrial, aber keinen autonomen, sondern einen elektrischen Traktor entwickelt: den Fendt e100 Vario. Das Ziel: die Elektromobilität in der Landwirtschaft zu etablieren.

Als Energiequelle fungiert eine 650 Volt starke Lithium-Ionen-Hochleistungsbatterie mit einer Kapazität von 100 Kilowattstunden – 150 Kilowatt Leistung sind so in der Spitze möglich. Bei durchschnittlicher Nutzung kann der Landwirt mit einer Einsatzzeit von rund fünf Stunden planen.

Updates

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Um ihn nach getaner Arbeit wieder aufzuladen, bietet sich entweder eine CEE-Steckdose oder eine Supercharging-Option mit Gleichspannung an. 40 Minuten dauert es laut Hersteller, den Fendt e100 Vario zu 80 Prozent zu laden.

Bis in Deutschland autonom agierende Traktoren die Felder bewirtschaften dürfen, wird es noch etwas dauern, da sich zwischen Bauernhof und Feld häufig öffentliche Straßen befinden – für den Einsatz hier müssen erst entsprechende Gesetze geschaffen bzw. geändert werden.

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