Technik

Siemens Mobility: Autonome Straßenbahn fährt durch Potsdam

von
Carsten Fischer

Die Automatisierung rollt immer weiter voran: Im Rahmen der Messe InnoTrans 2018 testet Potsdam eine autonome Straßenbahn.

Eine Straßenbahn hält an einem Bahnsteig
Straßenbahnen sind in vielen Städten fester Bestandteil des ÖPNV – und fahren inzwischen auch autonom. Foto: Siemens AG

Das erfahren Sie gleich:

  • Wieso eine autonome Straßenbahn durch die brandenburgische Landeshauptstadt fährt
  • Wie der Verkehrsbetrieb Potsdam und Siemens Mobility die Straßenbahn für den autonomen Betrieb umgebaut haben
  • Weshalb die U-Bahn in Nürnberg schon länger fahrerlos unterwegs ist

Die erste Straßenbahn in Potsdam nahm 1880 ihre Fahrt auf. Seither steuern Menschen die Züge des öffentlichen Nahverkehrs durch die brandenburgische Hauptstadt – bis jetzt.

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Im Rahmen der InnoTrans 2018, der alle zwei Jahre in Berlin stattfindenden internationalen Fachmesse für Bahn- und Verkehrstechnik, fährt zwischen dem 18. und 21. September 2018 erstmals eine autonome Bahn durch Potsdam.

Das Potsdamer Streckennetz umfasst insgesamt etwa 30 Kilometer. Rund sechs davon, im Süden der Stadt, befährt die speziell für diese Zwecke umgebaute Combino-Tram. Der Verkehrsbetrieb Potsdam (ViP) arbeitet dafür mit Siemens Mobility zusammen und bringt weltweit die erste selbstfahrende Straßenbahn auf die Schienen.

Autonome Bahn von Siemens Mobility

Einfach zusteigen und losfahren dürfen die Bürger der Stadt in den vier Tagen allerdings nicht, auch wenn die Fahrt kostenlos wäre. Die Bahn ist reserviert für Presse- und Fachbesucher der InnoTrans 2018. Der ViP hat eigens dafür eine Combino-Tram zur Verfügung gestellt, an der in den vergangenen Monaten zahlreiche Umbauarbeiten stattfanden.

Das Entwicklungsfahrzeug wurde mit Lidar-, Radar- und Kamerasensoren ausgestattet, die für die Wahrnehmung der Umgebung verantwortlich sind. Für die Sicherheit sorgt das von Siemens Mobility entwickelte Kollisionswarnsystem "Siemens Tram Assistant". Neben Potsdam kommt es in Ulm zum Einsatz und hat bereits Serienreife erreicht.

Indem wir Züge und Infrastruktur intelligent machen, können wir Verfügbarkeiten garantieren und die Sicherheit im Nah- und Fernverkehr erhöhen.

Sabrina Soussan, CEO von Siemens Mobility

In der Schaltzentrale sind komplexe Algorithmen für die Einschätzung der jeweiligen Fahrsituationen verantwortlich. "Sie geben eine Prognose zur weiteren Entwicklung und lösen die erforderliche Reaktion der Tram aus", so ein ViP-Sprecher.

Um den Fahrgästen absolute Sicherheit zu gewährleisten und ihnen auch dieses Gefühl zu geben, wird sich trotzdem noch ein gelernter Fahrer im Führerstand befinden, der alles überwacht.

Ein kommerzieller Erfolg muss die autonome Straßenbahn nicht werden. Vielmehr geht es den Initiatoren des Projekts darum, die lange entwickelte Technologie in der Praxis zu erforschen und im Anschluss zu optimieren.

Ein Junge blickt aus dem Fenster auf einen Tunnel mit Gleisen und einer heranfahrenden Straßenbahn.
Er guckt in die Röhre: Blick aus der Straßenbahn auf die Gleise. Foto: picture alliance/Daniel Karmann/dpa

Fahrerlose U-Bahn in Nürnberg

Auch in einer anderen deutschen Stadt laufen Teile des öffentlichen Nahverkehrs autonom. In Nürnberg fahren zwei U-Bahnlinien seit mehreren Jahren selbständig. Die Idee dazu kam der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (VAG) bereits Ende der 1990er-Jahre.

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Etwa zehn Jahre später – zwischen 2008 und 2012 – lief die Umstellungsphase. Währenddessen fuhren die Linien U2 und U3, die sich in der Innenstadt sechs Stationen teilen, halbautomatisch, wobei der Automatisierungsgrad sukzessive erhöht wurde.

Seit 2012 läuft der Betrieb auf rund 20 Kilometern und an 21 Bahnhöfen vollautomatisch. Der Vorteil: mehr Sicherheit und eine höhere Frequenz für die Fahrgäste.

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