Technik

Autonome Lkw: DB Schenker nimmt Einride-Truck in Betrieb

von Jens Lehmann

Bei DB Schenker nimmt der erste autonome Lkw den Betrieb auf – allerdings noch mit einer starken Einschränkung.

Der Einride T-Pod bei DB Schenker im Einsatz.
Bei DB Schenker rollt ab sofort der erste autonome Lkw über das Firmengelände. Schon bald soll er auch auf öffentlichen Straßen unterwegs sein. Foto: Einride

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie ein autonomer Lkw bei DB Schenker zum Einsatz kommt
  • Wo bereits in Deutschland autonome Lkw fahren
  • Warum das System den Verbrauch und CO2-Ausstoß verringert

Die ganze Welt spricht über autonome Autos. Sie sollen den Verkehr und die Passagiere entlasten, indem sie die Fahrt ganz einfach eigenständig übernehmen. Doch die Technik ist noch weit von der Serie entfernt. Zu viele Faktoren spielen in die Entwicklung mit ein – und auch die gesetzlichen Regelungen lassen in vielen Ländern noch keine Selbstfahrer zu.

Lesen Sie auch

Ladestation

aio-Empfehlung

Unter Strom! Mobilität wird elektrisch

Doch noch vor den Autos könnten Lastwagen autonom fahren. Weil sie ohnehin meist auf der rechten Spur im Pulk fahren, muss die Technik weniger leisten. Entsprechend weit sind die Entwickler bereits.

DB Schenker setzt ersten autonomen Lkw ein

Die Logistik-Tochter der Deutschen Bahn ist eines der größten Unternehmen seiner Art und operiert weltweit. Offenbar will DB Schenker auch ein Vorreiter bei der Modernisierung des eigenen Fuhrparks sein. Im schwedischen Jönköping rollt deshalb jetzt ein autonomer Lkw los.

Der stammt vom Hersteller Einride, der passenderweise aus Schweden kommt. Genauer handelt es sich um das Modell T-Pod, das erst vor rund einem Jahr vorgestellte Erstlingswerk des Start-ups. Das fährt mit Autonomiestufe 4, benötigt also keinen Fahrer. Bei Bedarf lässt sich der T-Pod aber per Fernsteuerung bedienen. Er bietet Platz für rund 15 Euro-Paletten und fährt maximal 85 km/h schnell.

So flott ist er bei DB Schenker aber nicht unterwegs. Zunächst fährt der Einride nämlich nur über das Firmengelände. Mehr erlaubt das Gesetz nicht, denn dem T-Pod fehlt es in Schweden noch an der Straßenzulassung. Das Logistik-Unternehmen erwartet die aber noch für dieses Jahr. Dann könnte der autonome Truck auch Waren zwischen Logistikzentren transportieren – solange diese nicht mehr als 200 Kilometer auseinanderliegen.

Elefantenrennen von Lkw gibt es nicht mehr

In Deutschland führt der Weg in die mobile Zukunft vom Bodensee die A81 hinauf bis nach Würzburg. Hier rollen seit Ende 2017 testweise Connected Trucks, die computergesteuert im Verbund unterwegs sind. Sie scheren nicht unvermittelt auf die mittlere oder linke Fahrspur aus wie herkömmliche Lastwagen. Sie liefern sich auch keine Elefantenrennen, die gefürchteten minutenlangen Überhol-Duelle zwischen Lkw.

Connected Trucks fahren automatisch und in gleichmäßigem Tempo, fast wie ein Güterzug. Das bringt erheblich mehr Sicherheit für alle, weniger Staus, mehr Transportkapazität, geringere Kosten – und schont auch noch die Umwelt. Speziell dann, wenn die Elektro-Lkw zu einem Konvoi verknüpft werden.

Immer drei Lkw fahren im Konvoi

Aber der Reihe nach. Bis zu drei Lkw lassen sich derzeit zu einer virtuellen Transporteinheit zusammenschließen. Die Connected Trucks fahren in minimalem Abstand von nur rund 15 Metern hintereinander her. Bremst der vordere Lkw, verlangsamen auch die hinteren beiden innerhalb einer Zehntelsekunde ihre Fahrt – viel schneller, als ein Mensch überhaupt reagieren könnte.

Fahrer sind zur Steuerung dieser Platoon genannten Konvois gar nicht in der Lage. Ein Computer dirigiert die Connected Trucks dagegen sicher auch durch den dicksten Verkehr. Echtzeitsysteme zur genauen Positionserfassung machen’s möglich.

Sehr bald schon werden solche vernetzten Lkw ohne Führerhaus zum ganz normalen Straßenbild gehören. Intelligente Transportkonzepte wie Connected Trucks sind schon kurz vor der Marktreife und zudem bitter nötig, um den Verkehr auf unseren schon jetzt ausgelasteten Straßen flüssiger und sicherer zu machen. Denn nach Schätzungen des Bundesverkehrsministeriums wird der Güterfernverkehr bis 2030 um etwa ein Drittel zunehmen.

Die Spedition spart sieben Prozent Kraftstoff

Da kommt die Technologie der Connected Trucks gerade richtig. Denn sie schafft Platz auf den Straßen. Benötigen heute drei hintereinander fahrende LKW mindestens rund 150 Meter Raum auf der Autobahn, ist ein Platoon nur gut halb so lang: Der Verband bringt es auf lediglich 80 Meter.

Auch die Energiebilanz spricht für den vernetzten Lastwagen. Im Konvoi sparen drei LKW im Schnitt sieben Prozent Kraftstoff – ein wirtschaftliches Argument für jede Spedition. Und eine gute Nachricht für die Umwelt. Denn weniger Spritverbrauch bedeutet gleichzeitig auch weniger Emissionen von CO2, Rußpartikeln und Stickoxiden.

Fahrverbote für Diesel

Langfristig wird das allein jedoch nicht ausreichen, um die gesteckten Klimaziele einzuhalten und unsere Luft nachhaltig sauberer zu machen. Schon gar nicht hinsichtlich der Diesel-Fahrverbote, die bereits in Hamburg und bald auch Berlin, Mainz, Stuttgart sowie Frankfurt gelten. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern und sogar in Asien sind Fahrverbote geplant.

Sie treffen nicht nur Privatautos, sondern auch Lastwagen. Experten sind sicher, dass in Städten sehr bald Lkw nur noch elektrisch betrieben werden dürfen. Zwar sind sie aktuell noch sehr selten, fast schon eine Kuriosität. Doch das wird sich rasend schnell ändern.

Denn die Technik für Elektro-Laster ist marktreif und konkurrenzfähig. Eine ganze Reihe von Fahrzeugherstellern bietet bereits Lkw mit elektrischem Antrieb an, die es auf rund 200 Kilometer Reichweite bringen. Das reicht für eine durchschnittliche Tagestour im städtischen Güterverteilerverkehr völlig aus. Über Nacht kommt der 20-Tonnen-Stromer an die Ladesäule – und schon ist er fit für seinen nächsten Einsatz.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Technik immer informiert.

Die Vorteile für die Städte beziehungsweise ihre Bewohner sind enorm. Elektro-Laster sind…

  • sehr leise, der Motor ist kaum hörbar
  • lokal völlig emissionsfrei. Es entstehen keinerlei Abgase
  • nahezu feinstaubfrei unterwegs

Auch im Fernverkehr geht der Trend eindeutig zum Elektro-Laster. Denn Elektromotoren sind mittlerweile so leistungsfähig, dass sie auch locker einen 40-Tonner bewegen können. Darum sind schwere Elektro-Laster, zu Connected Trucks verbunden, längst keine Science Fiction mehr. Die Zukunft ist längst da. Nicht nur auf der Autobahn 81 zwischen dem Bodensee und Würzburg.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen